Joachim Löw Der Bundestrainer muss zeigen, dass es ihm ernst ist

Vor ihm stehen entscheidende Wochen: Bundestrainer Joachim Löw.

(Foto: dpa)

Joachim Löw darf vorerst im Amt bleiben. Im November gegen die Niederlande aber wird er beweisen müssen, dass er nicht wieder in alte Muster verfällt.

Kommentar von Christof Kneer, Paris

Der Erfolgstrainer Joachim Löw hat Deutschland wieder mal in ein Endspiel geführt. Löws Deutschland ist vermutlich sogar Favorit in diesem Finale, das am 19. November in Gelsenkirchen ausgetragen wird. Zumal die Gegner ja die Niederländer sind, die schon länger kein Finale mehr gewonnen haben. Was soll da groß passieren?

Das Problem an diesem Finale ist allerdings, dass man es gewinnen und trotzdem verlieren kann. Ein paar Tage vor diesem Finale spielen die Niederländer zu Hause gegen Frankreich, und wenn sie da auch nur knapp gewinnen, kann Löws Deutschland ein paar Tage später machen, was es will. Die DFB-Elf stünde dann schon vor Anpfiff des Gelsenkirchener Gruppenfinales als Letzter in ihrer Nations-League-Gruppe fest - und wäre in die nächst tiefere Kategorie dieses Wettbewerbs abgestiegen.

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Der Erfolgstrainer Löw hat sein Deutschland ganz schön geschrumpft zuletzt, sein Land ist jetzt so sehr vom Abstieg bedroht wie einst in der zweiten Liga der Karlsruher SC, den Löw trainierte, als er noch kein Erfolgstrainer war. Es ist zunächst also nur folgerichtig, dass Löw sich mit den üblichen Branchenreflexen konfrontiert sieht: etwa mit der für solche Fälle erfundenen Frage, ob er die Spieler noch erreicht oder ob nicht besser doch bald Peter Neururer übernimmt.

Steckt die Lösung in Löws Biografie?

Tatsächlich haben sie beim DFB im Sommer offenbar die stille Vereinbarung getroffen, wonach Löw im Falle eines Abstiegs sein Amt räumen muss. Inzwischen, so ist zu hören, haben sie diesen Beschluss im Verband aber wieder kassiert, und das 1:2 in Paris dürfte zur Entspannung der Lage beitragen. Natürlich sollte Löw nicht immer weiter verlieren, dennoch war dieses Spiel offenbar das nötige Tagessignal: Ausnahmsweise wollten Verband, Land und Leute lieber eine Mut machende Niederlage erleben als einen schmutzigen Sieg, den eine aus der Zeit gefallene Elf irgendwie noch herausholt.

Der Abend von Paris wäre tatsächlich stark genug, um Löw erst mal weiter im Amt zu legitimieren - vorausgesetzt, Löw fällt nicht wieder in alte Muster zurück wie bei der WM, als er den Sieg gegen Schweden nutzte, um fürs Südkorea-Spiel gleich wieder die alten Helden in seine Startelf zurückzuholen. So wird die November-Partie in Gelsenkirchen auch Aufschluss darüber geben, ob es Löw ernst ist mit seinem Reformprogramm - und ob er sich von einer erneuerten Elf auch wieder selbst inspirieren lässt wie im Sommer 2017, als er mit einer munteren, frischen Elf den Confed Cup gewann.

So setzen sie im Verband nun wohl in doppelter Hinsicht darauf, dass die Lösung in Löws Biografie steckt. Als er 2012 nach der Niederlage im EM-Halbfinale massiv in die Kritik geriet, straffte er sich trotzig und führte sein Team zwei Jahre später zum WM-Titel in Rio.

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