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Nachruf auf Sascha Lewandowski:Täglich 25 Stunden Fußball im Kopf

  • Sascha Lewandowski war ein großer Fußballfachmann - vor allem in Leverkusen hat er viel bewegt.
  • Der Tod des früheren Bayer-Trainers erschüttert die Bundesliga.
  • Erst im Februar dieses Jahres musste er wegen eines Burn-outs seinen Job bei Union Berlin aufgeben.

Das Trainingszentrum der Nachwuchsfußballer von Bayer Leverkusen ist nicht glamourös. Es liegt an der Kölner Stadtgrenze gleich an einer Hauptverkehrsstraße, neben einem riesigen Parkplatz und dem Flughafen eines Luftsportklubs. Ging man dort vor ein paar Jahren durch eine Glastür, die Treppe hinauf und geradeaus, betrat man ein einfaches Büro.

Es war weder besonders unordentlich noch aufgeräumt, nicht aufwendig verziert, an der Wand hingen Trainingspläne und Tabellen, Papierstapel auf dem Schreibtisch. Es bot sich hier aber ein uneingeschränkter Blick auf Rasenplätze von sattem Grün. Wer dort am Fenster stand, konnte sehen, ob der linke Verteidiger der Leverkusener B-Jugend bei eigenem Angriff auf die Höhe des Torpfostens ins Spielfeld rückte. Wer dort stand, konnte auch sehen, ob sich der Sechser der Leverkusener A-Jugend in den richtigen Lücken zeigte, um angespielt zu werden.

Bundesliga "Es ist furchtbar, dass er nun nicht mehr unter uns ist"
Reaktionen

"Es ist furchtbar, dass er nun nicht mehr unter uns ist"

Bestürzt reagiert der deutsche Fußball auf den Tod von Sascha Lewandowski. Rudi Völler erinnert an seine Leidenschaft, Union Berlin trauert um einen "stets fairen und kompetenten Fußballfachmann".

Für die meisten Menschen klingt das langweilig, und so ein Büro wäre für sie ein höchst unbefriedigender Ort. Für Sascha Lewandowski war dieses Büro, der Blick auf den Rasen, der Fußball in seiner reinen, unschuldigen Form: alles.

Dort in Leverkusen wurde er zu einem der am meisten geachteten Fußballexperten in Deutschland. Und dort wurde am Donnerstag, wie überall im Land, um ihn getrauert, nachdem die Polizei Bochum die schreckliche Meldung bestätigte, dass Lewandowski im Alter von 44 Jahren gestorben ist. Er wurde tot in seiner Bochumer Wohnung gefunden. "Es ist für uns alle kaum vorstellbar, dass Sascha tot ist. Er war ein toller Mensch, der all seine Kraft und Leidenschaft in seine Arbeit einbrachte", sagte Sportdirektor Rudi Völler.

2007 kam der gebürtige Dortmunder aus Bochum zu Bayer 04, fünf Jahre lang trainierte er die Leverkusener A-Jugend, er erreichte das Finale um die deutsche Meisterschaft, er ließ taktisch anspruchsvollen Fußball spielen, trainierte Spieler wie Kevin Kampl und den Weltmeister Christoph Kramer. Später arbeitete er als Nachwuchs-Cheftrainer. Er sollte den Stil prägen, der in Leverkusen bis heute gelehrt wird. Er erfand diesen Stil. Und doch blieb er in Leverkusen auch immer ein wenig der Unverstandene.

Seine Gespräche mit Journalisten waren intensiv, obwohl ihm die Präsenz in den Medien eher unangenehm war. Lewandowski war vor seiner Trainerkarriere selbst Journalist gewesen, er lebte mit einer Journalistin zusammen. Er war interessiert, lachte viel, vermittelte ansteckende Energie. Mit Lewandowski über Fußball zu sprechen, war ein Erlebnis. Er konnte sich in Spieler hineindenken, aus ihren Bewegungen lesen, für welche Rollen sie sich auf dem Platz eignen. Er konnte ihren Charakter in ein Mannschaftsgefüge einpassen und daraus in täglicher Arbeit auf dem Trainingsplatz ein Gesamtkunstwerk erschaffen. Er konnte das, sagte man, so gut wie kaum ein anderer. Er war von seinen Fähigkeiten überzeugt, eckte damit manchmal an, auch im Verein. Das, so wirkte es, machte ihm zu schaffen.

Mit Lewandowski über das Fußballgeschäft zu sprechen und darüber, wie er sich darin fühlte, war anders, als über Fußball zu sprechen. Nicht immer so fröhlich. "Der Weg eines Trainers ist intensiv, das darf man nicht unterschätzen", sagte er mal.