Nach 0:4 gegen Schalke Stuttgarter Hoffnung auf Herberger

Bonjour Tristesse: die VfB-Spieler nach der Niederlage gegen Schalke

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Der VfB Stuttgart hat alle gängigen Optionen aus dem Krisenrepertoire bereits verbraucht. Nach dem 0:4 gegen Schalke 04 muss sich der neue, alte Trainer Huub Stevens bereits in Parolen flüchten.

Von Josef Kelnberger, Stuttgart

Nach Spielen wie diesen stellt sich in der Bundesliga eigentlich die Trainerfrage. 0:4 gegen Schalke 04, fünfte Niederlage im siebten Heimspiel der Saison, Tabellenplatz 18. Ein Hardcore-Fanblock, der sich nach dem Schlusspfiff im Wortsinn von den Spielern abwendet, nirgendwo ein Fünkchen Hoffnung in dieser spektakulären Arena.

Aber der VfB Stuttgart hat bereits die gängigen Optionen aus dem Krisenrepertoire verbraucht. Sportdirektor Fredi Bobic wurde Ende September gefeuert, und Trainer Armin Veh machte sich vor zwei Wochen mit dem fadenscheinigen Verweis auf fehlendes Glück vom Acker. So ist der Verein nun wie im Vorjahr, auf Gedeih und Verderb, den Rettungskünsten von Huub Stevens ausgeliefert. Der Coach immerhin wurde von den Fans stürmisch gefeiert. Von den Schalker Fans allerdings, im Gedenken an gemeinsame glorreiche Zeiten. Ob er deshalb nach dem Spiel so merkwürdig milde gestimmt war?

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"Jedes erste Spiel ist das wichtigste", so umriss Stevens in der Pressekonferenz seine Strategie für die wegweisenden Begegnungen bis Weihnachten. Der Niederländer meinte Sepp Herbergers Weisheit, wonach das nächste Spiel immer das schwerste sei. In Mainz, in Hamburg und gegen Paderborn wird der VfB nach den Eindrücken vom Samstag aber alle Mühe haben, bis zum Ende der Hinrunde den Anschluss an die Nichtabstiegsplätze zu halten. Zur Beruhigung verbreitete Stevens auch noch die Erkenntnis, eine 0:4-Niederlage sei besser als vier 0:1-Niederlagen. Und, ach ja: Nach dem Spiel sei vor dem Spiel.

Ratlosigkeit sollte man Huub Stevens aber nicht unterstellen. Der Niederländer, 61, weiß genau, was er tut. Seit er vor zwei Wochen sein Amt angetreten hat, wird er nicht müde zu warnen, diese Rettungsmission sei noch schwieriger als jene in der vergangenen Saison. Möglicherweise war Stevens aber doch überrascht, dass seine Mannschaft aus dem mit einigem Glück zustande gekommen 4:1-Sieg in Freiburg keinerlei Sicherheit gewann. Aber nun versteht zumindest jeder, was die Stunde geschlagen hat. Es ist das Ende aller Träume, mit ein wenig mehr Glück könne diese Mannschaft oben mitspielen. 20 Spieltage lang Überlebenskampf. Das Schlüsselwort des Trainers: "Aggressivität".

Es gilt, die Reihen zu schließen. Draufhauen auf einzelne Spieler wollte Stevens ausdrücklich nicht. Hilft ja nichts, er muss mit diesen Leuten klarkommen. Verstärkungen seien nicht nötig, hatte er in der vorigen Woche erklärt, der Kader sei stark genug, um in der Liga zu bleiben. Wobei man ihm nach diesem 0:4 entgegenhalten muss: Ein felsenfester Abwehrchef wie der Schalker Benedikt Höwedes würde dem VfB gut zu Gesicht stehen. Nationalspieler Antonio Rüdiger, 21, ließ sich vom allgemeinen Durcheinander genauso anstecken wie sein Nebenmann Timo Baumgartl, 18. Zur Krönung eines völlig missratenen Nachmittags verdrehte sich Rüdiger noch das Knie. Er wird wegen einer Meniskusverletzung bis zur Rückrunde ausfallen.