Champions League Mourinho zelebriert seine Grimassen

José Mourinho musste wieder einmal alle gegen sich aufbringen beim Spiel gegen Juventus Turin.

(Foto: Stefano Rellandini/Reuters)
  • Beim glücklichen 2:1 in Turin zieht Man-United-Coach Mourinho wieder einmal seine sarkastische Show ab - in der Champions League sind die Engländer damit weiter im Rennen.
  • Er erzürnt die Juve-Fans, nicht aber die Verantwortlichen der Italiener, die sich betont gelassen geben.
Von Birgit Schönau, Turin

Dass Juventus mal ein Spiel verliert, ist tatsächlich eine Nachricht. Und dass der erste Patzer der Saison ausgerechnet gegen Manchester United geschieht, erst recht. Denn die Briten, mit denen Juve in der Champions League traditionell Schwierigkeiten hat, werden derzeit von einem Mann trainiert, den sie in Turin besonders verabscheuen, weil er einst, im Jahr 2010 nämlich, mit dem Erzfeind Inter Mailand das in Turin seit Langem herbeigesehnte Triple gewann: José Mourinho.

Es hagelt also Pfiffe für den Coach, der nach dem Schlusspfiff ausgelassen feixt. Mit unschuldigem Jubel über den dringend benötigten Sieg gibt er sich am Mittwochabend in Turin nicht ab. Er läuft auf das Spielfeld und hält sich grimassierend die Hand ans Ohr. Alle sehen es, keiner mag danach mehr pfeifen. Die Juve-Fans gehen still nach Hause.

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Bis kurz vor Schluss hatte ihre Mannschaft 1:0 geführt, dank eines Traumtors von Cristiano Ronaldo. Als sie glaubten, auch diesen Sieg schon sicher zu haben, wie all die anderen zuvor, da trifft Juan Mata nach einem direkten Freistoß (85.). Und in letzter Minute macht der bedrängte Alex Sandro auch noch das fatale Eigentor: Juventus erlebt den Manchester-Effekt wie einst der FC Bayern. Allerdings bloß in der Gruppenphase.

"Wir haben ein fantastisches Spiel gemacht", schwärmt nachher Manchesters Trainer José Mourinho. Nun, darüber könnte man streiten, aber was zählt, ist das Resultat, und das ist in der Tat fantastisch, weil dringend benötigt. Nach der 0:1-Niederlage im Hinspiel stand United schon mit einem Bein in der Europa League, jetzt kann man sich auf dem zweiten Platz hinter der Gruppenersten Juve berechtigte Hoffnungen auf das Achtelfinale machen: Ein Sieg gegen die Schweizer Young Boys aus Bern, das Kanonenfutter der Gruppe, reicht.

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"Juve kann es sich leisten, ein Match zu verlieren", glaubt Mourinho, "die marschieren sowieso weiter. Wir aber haben heute Abend am Limit unserer Möglichkeiten gespielt. Besser geht's nicht, wir waren auf unserem Top-Niveau." Was jetzt nicht gerade ein Kompliment an die eigene Mannschaft ist, die dem Gegner eindeutig unterlegen war, dessen Zerstreutheit indes gewitzt zu nutzen wusste. Der calcio cinico, der zynische Fußball des José Mourinho ist also noch nicht tot, vermutlich ist er ja überhaupt nie totzukriegen.

Genauso wie der spezielle Humor des Portugiesen, sein zelebrierter Sarkasmus, die Lust an der Verhöhnung. "Ich bin nach Turin gekommen, um meine Arbeit zu machen", behauptet er mit gespielter Entrüstung, "und dann werde ich in diesem Stadion 90 Minuten lang übel ausgepfiffen." Da fällt man natürlich aus allen Wolken, als José Mourinho. "Deshalb habe ich nach dem Schlusspfiff die Hand ans Ohr gelegt. Ich wollte noch mehr von diesen Pfiffen hören. Aber da kam auf einmal gar nichts mehr." Auf diesen begnadeten Selbstdarsteller ist halt immer Verlass: Die anderen sollen nicht nur verlieren, sie sollen sich auch noch richtig ärgern.