Gladbach-Sieg gegen Stuttgart Heckings Joker erledigen den VfB

Raffael kann es auch per Kopf - es war sein erster Saisontreffer.

(Foto: dpa)
  • Borussia Mönchengladbach gewinnt klar gegen den VfB Stuttgart, weil Trainer Hecking die richtigen Spieler einwechselt.
  • Beim VfB ärgern sie sich über Verletzungen und ein bitteres Eigentor.
Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Fußball wird allzu oft religiös überhöht, aber seit Borussia Mönchengladbach seine Heimspiele vier Mal nacheinander nur sonntags austrug, nahmen die spektakulären Spiele im Borussia-Park tatsächlich gewisse Formen eines feierlichen Hochamts an. 4:0 gegen Mainz, 3:0 gegen Düsseldorf und 4:1 gegen Hannover hatten die Gladbacher die vorherigen Heimspiele immer sonntags für sich entschieden, da wollten Borussias Fans verständlicherweise auch im vierten Spiel dieser Serie am Sonntagabend gegen den VfB Stuttgart wiederholte Lobpreisungen auf ihre Fußballer ausstoßen.

Und das taten sie dann auch wirklich wieder bei einem 3:0 (0:0)-Sieg, den nach lange mühevollem Spiel erst die eingewechselte Raffael (69.) und Florian Neuhaus (76.) sowie Stuttgarts Benjamin Pavard per Eigentor (84.) relativ spät klar machten. Pavard humpelte nach der Szene vom Platz, doch schon sehr viel früher, bei einem Sprint vor dem 0:1, hatte er sich einen Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel zugezogen - und wird nun eine Weile ausfallen beim VfB. "Er hatte das Gefühl, dass er der Mannschaft noch helfen kann. Das muss man anerkennen", sagte Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke. Dass die Gladbacher auch nach ihrem vierten Sonntagsheimsieg weiter Tabellenzweiter sind, überrascht zwar niemanden mehr, aber die sechs Punkte Vorsprung vor Platz fünf nähren dort so langsam gewisse Hoffnungen auf die erste Champions-League-Qualifikation seit 2016.

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In der ersten Viertelstunde hielten die Gladbacher Fans den Atem an, was aber erstens keinem Protest geschuldet war und zweitens auch nur eine Metapher ist. Fünf frühe Gegentore nämlich hatte Gladbach in dieser Saison bereits zugelassen: in Augsburg nach zwölf, gegen Leverkusen nach fünf, in Leipzig nach zwei Minuten, in Freiburg nach einer Minute und gegen Hannover gar nach 22 Sekunden. Allerdings hatten sich die Stuttgarter mit ihren neun Toren in 13 Spielen zuvor nicht gerade einer Killermentalität verdächtig gemacht und stürzten die diesmal explizit um Anfangskonzentration bemühten Gladbacher entsprechend auch nicht in die Bredouille.

Der VfB hatte in der ersten halben Stunde nur eine einzige (harmlose) Szene im Gladbacher Strafraum und machte allenfalls dadurch von sich reden, dass Dennis Aogo verletzungsbedingt raus musste, Gonzalo Castro aber noch nicht zur Einwechslung bereit war, weshalb sich Aogo einen Meter vor der Seitenlinie theatralisch zu Boden fallen ließ und dafür Gelb sah vom Schiedsrichter Deniz Aytekin.

Erst trifft Raffael, dann Neuhaus - beide wurden eingewechselt: gutes Händchen von Hecking

Danach kam endlich Würze ins Spiel. Erst klaute Gladbachs Alassane Plea seinem Mitspieler Michael Lang und damit seiner Mannschaft in Abseitsposition unnötigerweise ein sonst wohl gültiges Tor (27.), dann tauchte Stuttgarts konternder Stürmer Mario Gomez aussichtsreich vorm Tor auf, schob Yann Sommer den Ball aber bloß in die Arme (30.). Das Nullzunull zur Pause war Ausdruck mangelnder Präzisionsarbeit auf beiden Seiten.

Zwei der vergangenen drei Spiele hatten die Stuttgarter ohne Gegentor beendet - eine Stabilität, die auch diesmal lange erkennbar war. Aber auch deshalb, weil die Gladbacher diesmal zunächst ungewohnt fahrig wirkten. In der 54. Minute vergab Christian Gentner nach einer Castro-Ecke die nächste Stuttgarter Chance, überhaupt drohte die Borussia, ganz kurz tatsächlich die Kontrolle über das Spiel zu verlieren.

Raffael kam nach einer Stunde für den glücklosen Plea ins Spiel. Der Brasilianer hatte in der 68. Minute aus spitzem Winkel die beste Chance, verzog aber grob und zog deshalb eine schuldvolle Miene. Eine Minute später entschuldigte sich Raffael in Form des Führungstors, das er nach einer gefühlvollen Flanke von Florian Neuhaus ungestört einköpfelte. Neuhaus traf kurz daraus auch noch sehenswert selbst. Weil beide Spieler eingewechselt waren, durfte sich Trainer Dieter Hecking hinterher das richtige Händchen nachsagen lassen.

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