Ausscheiden in der Champions League:Gladbach hat die Saison komplett verspielt

Fussball, Herren, Saison 2020/2021, Champions League (Achtelfinale / Rückspiel) in Budapest, Manchester City - Borussia

Will sich nicht länger mutlos ergeben: Mönchengladbachs Torhüter Yann Sommer im Spiel gegen Manchester City.

(Foto: Szilvia Micheller/Matthias Koch / Imago)

Spätestens mit dem Champions-League-Aus gegen Manchester City ist klar: Der angekündigte Abschied von Trainer Marco Rose lässt Mönchengladbach im Phlegma versinken.

Kommentar von Ulrich Hartmann

Seit einem Monat hört man von Borussia Mönchengladbach immer wieder, dass der angekündigte Abschied des Trainers Marco Rose an der guten Stimmung in der Mannschaft nichts verändert habe. Die zum Champions-League-Aus führende 0:2-Niederlage im Achtelfinal-Rückspiel gegen Manchester City war seither die siebte Pflichtspiel-Niederlage - in Serie. Wieder betonte Rose anschließend, man müsse bei allen sieben Spielen bitteschön zwischen Ergebnis und Leistung unterscheiden. An letzterer will der 44-Jährige nämlich festmachen, dass die Fortsetzung seines Jobs trotz der bevorstehenden Trennung und des akuten Misserfolgs Sinn ergebe.

Dass die Spieler ihre Aufgabe auf dem Feld seit einem Monat rein optisch weiterhin recht anständig und mit gebotenem Einsatz erledigen, ist ihnen in der Tat nicht abzusprechen. Aber das sagt gar nichts. Auch ein deprimierter Alleinunterhalter kann stoisch seine Bälle jonglieren und Feuerfackeln schlucken - einfach aus der Routine heraus.

Die Gladbacher spielen ihren Fußball routiniert runter, aber zum Erfolg fehlt ihnen die Inspiration. Das war gegen Manchester wieder an einer gewissen Mutlosigkeit zu erkennen. Und das wurde endgültig deutlich, als Torwart Yann Sommer im Nachgang bei Sky über die vielen Niederlagen mit einem Anflug von Verzweiflung sagte: "Wir müssen wütend sein! Wir müssen uns wehren gegen diese Situation!" Das war ein verzweifelter Weckruf.

Entweder rappelt sich die Mannschaft auf - oder Rose geht eben doch vorzeitig

Mönchengladbach, Anfang Februar noch stolzer Champions-League-Achtelfinalist, DFB-Pokal-Viertelfinalist und in der Bundesliga nur einen Punkt hinter den Champions-League-Plätzen, hat die Saison binnen sechs Wochen komplett verspielt. Der ganze Stolz versinkt im Phlegma. Das ist wie bei dem berühmten Frosch, der im Topf mit dem langsam erhitzten Wasser stoisch sitzen bleibt. Der Torwart Sommer hat nun dazu aufgerufen, aus dem Topf zu springen. Entweder rappelt sich die Mannschaft noch einmal selbstständig auf - oder der Trainer Rose geht eben doch vorzeitig. Eine dritte Lösung wäre, die Saison einfach abzuwickeln.

"Es wäre nur sachlich, Ergebnisse und Leistungen zu differenzieren", fordert Rose. Also gut: Gladbach hat nicht schlecht gespielt beim 1:2 gegen Mainz, beim 0:2 gegen Manchester, beim 2:3 in Leipzig, beim 0:1 gegen Dortmund, beim 0:1 gegen Leverkusen, beim 1:3 in Augsburg und jetzt beim neuerlichen 0:2 gegen Manchester.

Man muss in den Sportchroniken mit einem Sternchen hinter jedem dieser Ergebnisse den Zusatzkommentar am Fuß der Seite halt nur explizit für die Nachwelt festhalten. Gladbach droht ausgangs einer verheißungsvollen Saison die schlechteste Bundesliga-Platzierung seit zehn Jahren.*

(*aber sie haben nicht schlecht gespielt!)

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