Fußball in den USA Der Spind von Zlatan Ibrahimovic ist leer

Lieferte zuverlässig Material für die in den USA so wichtigen Top-Ten-Filmschnipsel: Zlatan Ibrahimovic.

(Foto: Javier Rojas/dpa)
  • Zlatan Ibrahimovic, Bastian Schweinsteiger oder Sebastian Giovinco sollen die US-Profiliga MLS beleben.
  • Das Problem ist nicht nur, dass ihr Ruhm sich aus der Vergangenheit nährt. Sondern auch, dass sie vor den Playoffs schon alle raus sind.
  • Nun heißt es, dass Real Madrid dringend einen Stürmer suche und dass die Spanier Ibrahimovic holen wollen.
Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Am Ende, da konnte nicht einmal Gott fassen, was da gerade passiert war. Zlatan Ibrahimovic, der sich gerne zum Allmächtigen ausruft und seinen Anhängern nur durch seine Anwesenheit den Himmel auf Erden verspricht. Hat er doch seit seinem Weggang von Malmö FF im Jahr 2001 mit jedem seiner anschließend sieben Profiklubs mindestens einen Titel gewonnen. Jener Ibrahimovic also stieg am Sonntag ab in die Hölle seines Sports. Los Angeles Galaxy, der Klub, bei dem er seit ein paar Monaten sein göttergleiches Wirken zu entfalten versucht, hatte es verbockt. Hatte gegen Houston Dynamo bereits 2:0 geführt, dann aber durch drei Gegentore nach der Pause die Teilnahme an den Playoffs verpasst.

Nach der Partie saß der, der es richten sollte, Ibrahimovic also, minutenlang alleine auf der Ersatzbank, immer wieder schüttelte er den Kopf. LA Galaxy, das gerne eine Art FC Bayern Nordamerikas wäre, also ein Klub, der Meisterschaften in Serie einheimst, hat nun seit 2014 keinen Titel mehr gewonnen, die vergangenen drei Meister hießen Portland Timbers, Seattle Sounders, Toronto FC. Und so hatten sie in Los Angeles die Ankunft von Zlatan, dem großen Schweden, wie eine Erlösung gefeiert Ende März, mit einer ganzseitigen Anzeige in der Los Angeles Times. Auf einer komplett weißen Seite hatte Ibrahimovic unten links unterschrieben, oben stand: "Dear Los Angeles. You're welcome." Liebes Los Angeles, bitteschön. Diese Stadt hatte sich schon damals nicht daran erinnern können, "Danke" gesagt zu haben, und nach dem plötzlichen, ernüchternden Knockout wissen sie nicht, wofür sie sich nun eigentlich bedanken sollen.

Auch Bastian Schweinsteiger und Sebastian Giovinco fehlen in den Playoffs

Die amerikanische Profiliga MLS ist auf Spektakel ausgerichtet, es geht mindestens so sehr um Starkult wie um die Suche nach dem besten Verein der Saison. Auf der Liga-Homepage feiern sie nach jedem Spieltag die zehn schönsten Spielzüge, die zehn aufregendsten Paraden, die zehn feinsten Pässe. Deshalb holen sie immer wieder weltberühmte Akteure, die den US-Fußball mit bezaubernden Aktionen aus der Randsport-Nische lotsen sollen. Einige dieser Stars werden jedoch in den an diesem Mittwoch startenden Playoffs fehlen, Bastian Schweinsteiger (Chicago Fire) zum Beispiel, Italiens Nationalspieler Sebastian Giovinco (Toronto), der amerikanische WM-Held Tim Howard (Colorado Rapids) und Ibrahimovic.

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Um eines klarzustellen: Der große Schwede hat in den USA genau das getan, was von ihm erwartet wurde. Er schoss sofort im ersten Spiel das Tor des Jahres, ein 30-Meter-Volleyknaller im Derby (dem sie wegen des Verkehrs in der Stadt den Namen "El Tráfico" verpasst haben) gegen den LA Football Club. Und in der Nachspielzeit gelang ihm zudem der Siegtreffer. Er sammelte in 27 Partien 22 Tore und zehn Vorlagen. Sie sollten sich also tatsächlich bedanken bei ihrem Zugang, sonst wäre es noch viel schlimmer gekommen.

Genau darin jedoch liegt das Problem dieses Vereins, dieser Liga, des gesamten US-Fußballs: Es gibt da diesen einen, der auch im Alter von 37 Jahren noch immer auf hohem Niveau agieren kann. Ibrahimovic lieferte zuverlässig Inhalte für die Top-Ten-Filmschnipsel. Auch Schweinsteiger, 34, trug vor ein paar Wochen mit einem 30-Meter-Kracher gegen Real Salt Lake dazu bei, Giovinco, 30, steuerte am vergangenen Wochenende einen akrobatischen Volley-Seitfallzieher bei. Die Trikots dieses Trios verkaufen sich laut Auskunft im MLS-Shop prächtig; die Anwesenheit von Ibrahimovic hob den Zuschauerschnitt bei Galaxy-Partien um durchschnittlich mehr als 1500 Besucher.