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Marek Mintals Abschied vom 1. FC Nürnberg:Das Phantom verschwindet

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Marek Mintal 2011 bei seinem letzten Spiel für den Club: Damals, natürlich, mit Tränen in den Augen.

(Foto: Christof Stache/AFP)

Eine Identifikationsfigur verlässt den Club: Marek Mintal wird Assistenztrainer der slowakischen Nationalmannschaft - wohl auch, weil er keine Perspektive in Nürnberg sieht.

Von Jonas Beckenkamp

Wer beim 1. FC Nürnberg über Marek Mintal spricht, kommt an der Geschichte mit dem Autohändler nicht vorbei. Peter Hammer hieß der Mann, über den das spätere Club-Idol Mintal letztlich in Nürnberg gelandet ist. Genau genommen: Über den Vater von Hammers slowakischer Freundin, so hat es Mintal 2019 in einem Interview bei 11Freunde erzählt. "Ich hatte ihn noch nie gesehen, aber er offenbar mich. Er emp­fahl mich und Robert Vittek, der damals bei Slovan Bra­tis­lava spielte", so Mintal, "und Hammer gab das an seinen Bekannten Wolf­gang Wolf weiter."

Wolf, der Freund des Autoverkäufers, war damals Trainer beim Club - und den Rest der Geschichte kann wohl jedes Kind im Frankenland herunterbeten. Mintal wurde Pokalsieger, Torschützenkönig in der Bundesliga und in der zweiten Liga, er blieb dem FCN bis auf ein Jahr in Rostock immer treu und trainierte zuletzt die U21 des Vereins. Mintal ist die eine Persönlichkeit, auf die sich alle Club-Fans im gerne mal volatilen Umfeld des Vereins immer einigen konnten. Doch diese Ära endet jetzt abrupt.

Wie die Nürnberger am Donnerstag bekannt gaben, verlässt Mintal den Club ziemlich plötzlich Richtung Heimat. "Marek ist mit dem Wunsch an uns herangetreten, den nächsten Schritt in seiner Trainerkarriere gehen zu wollen", lässt sich Sport-Vorstand Dieter Hecking zitieren. "Diesen Schritt möchte er beim slowakischen Fußball-Verband als Co-Trainer der A-Nationalmannschaft vollziehen." Damit heißt es für das einstige "Phantom", das gerne mal aus dem Nichts vor dem Tor auftauchte: EM-Teilnahme mit seinem Heimatland statt graues Mittelmaß beim FCN. Ein emotionaler Verlust ist sein Weggang allemal, doch vielleicht bereuen sie es in Nürnberg auch sportlich noch, ihn nun auf diese Art gehen zu lassen.

"Für Marek wird die Tür beim Club immer offenstehen", sagt Dieter Hecking

Es ist nämlich nicht so, dass Mintal keine Ambitionen als Coach bei den Franken gehabt hätte. Die Bild hatte unlängst berichtet, dass insbesondere fehlende Aussichten auf eine Trainerstelle bei den Profis den 43-Jährigen frustriert hätten. Beim FCN suchen sie ja immer wieder mal einen neuen Trainer - auf Mintal kam man bisher immer nur als Notnagel, wie zuletzt im November 2019. Damals, nach dem Rauswurf von Damir Canadi, verlor der Club unter seiner Kurz-Regie 1:5 gegen Bielefeld.

Mintal berichtet über seinen Abschied nun in gewohnt nüchterner Manier. "Dieter Hecking, Michael Wiesinger und ich haben uns in den vergangenen Monaten noch intensiver und offener ausgetauscht als sonst schon im Alltag," sagt er. "Es war an der Zeit, eine Entscheidung zu treffen - entweder Club oder Nationalmannschaft. Ich habe mich in der jetzigen Lebensphase für die Nationalmannschaft entschieden, auch wenn mir das sehr schwer gefallen ist." Obwohl sein Vertrag noch bis 2022 gegolten hatte, war er bereits seit 2020 als Co-Trainer für die Slowakei nebentätig.

Beim FCN wird die Personalie vor allem bei den Fans für Diskussionen sorgen. Denn so viele Identifikationsfiguren haben sie nicht mehr beim Club. Wenn es nach Hecking geht, besteht immerhin die Chance zur Rückkehr: "Für Marek wird die Tür beim Club immer offenstehen. Wir werden in Kontakt bleiben." Es müsste dann zumindest nicht mehr über kuriose Umwege mit einem Autohändler gehen.

© SZ/tbr/lein
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