Leichtathletik-WM:Mihambo springt zu Gold

Lesezeit: 3 min

Leichtathletik-WM: Kann nicht nur weit, sondern auch hoch springen: Malaika Mihambo feiert nach ihrem WM-Sieg mit der zweitplatzierten Nigerianerin Ese Brume (rechts) und der Bronzemedaillen-Gewinnerin Leticia Oro Melo aus Brasilien (links).

Kann nicht nur weit, sondern auch hoch springen: Malaika Mihambo feiert nach ihrem WM-Sieg mit der zweitplatzierten Nigerianerin Ese Brume (rechts) und der Bronzemedaillen-Gewinnerin Leticia Oro Melo aus Brasilien (links).

(Foto: Steph Chambers/AFP)

Am letzten Tag der Weltmeisterschaften holt die Weitspringerin den ersten Titel für das deutsche Team - es ist ihr vierter großer Titel. In der Nacht fallen zudem zwei Weltrekorde.

Malaika Mihambo hat zum zweiten Mal in ihrer Karriere WM-Gold im Weitsprung gewonnen. Bei der Leichtathletik-WM in Eugene sprang die Olympiasiegerin 7,12 Meter und holte sich damit wie 2019 in Doha den Titel. Ese Brume aus Nigeria sicherte sich Silber mit 7,02 Metern. Bronze ging an die Brasilianerin Leticia Oro Melo, deren erster und einziger gültiger Sprung mit 6,89 Metern dafür reichte.

"Es waren heute nur 7,12 Meter, aber ich bin trotzdem sehr glücklich darüber, dass ich meinen Titel verteidigen konnte", sagte Mihambo am Stadionmikrofon. Nach zwei ungültigen Versuchen musste die 28-Jährige zunächst bangen, überhaupt unter die besten acht Springerinnen des Finales zu kommen und die drei weitere Sprünge absolvieren zu dürfen. Nach 6,98 Metern im dritten Versuch durfte Mihambo erst einmal aufatmen und rückte damit zwischenzeitlich auf Rang zwei.

Im vierten Sprung gelang ihr schon ein Satz auf 7,09 Meter, mit dem sie die Führung übernahm. Der letzte Versuch brachte dann die Siegesweite - wie vor einem Jahr in Tokio bei den Spielen. Dieses Mal hatte sie den Titel vor dem Sprung allerdings schon sicher. Die 7,12 Meter waren ein Zentimeter weniger als die Weltjahresbestleistung der Australierin Brooke Buschkuehl.

"Der Anlauf ist wesentlich stabiler"

Mihambo hat nach EM-Gold 2018, dem WM-Gold 2019 und dem Olympiasieg in Tokio 2021 nun den vierten großen Titel ihrer Karriere gewonnen. Als zweifache Weltmeisterin zieht die 28-Jährige mit ihrem Vorbild Heike Drechsler gleich, die 1983 und 1993 WM-Gold holte. Merle Homeier als zweite deutsche Starterin hatte mit ihren 6,09 Metern in der Qualifikation das Finale verpasst.

Nach Bronze für die 4x100-Meter-Staffel der Frauen ist Mihambos Titel der erst zweite Podestplatz für den Deutschen Leichtathletik-Verband bei der ersten WM in den USA. Zusätzlichen Druck hatte sie deswegen aber nicht gespürt: "Ich mache mir darüber keine Gedanken, ich versuche einfach, positiv zu bleiben, einen guten Wettkampf zu machen und mich auf mich zu fokussieren und darauf, was ich richtig machen will", hatte die gebürtige Heidelbergerin vor dem Finale gesagt.

Leichtathletik-WM: Anders als im vergangenen Jahr stimmt der Anlauf wieder, sagt Mihambo. Und auch die Weite reicht zum WM-Titel.

Anders als im vergangenen Jahr stimmt der Anlauf wieder, sagt Mihambo. Und auch die Weite reicht zum WM-Titel.

(Foto: BRIAN SNYDER/REUTERS)

In dieser Saison war Mihambo zuvor nur einmal über die sieben Meter gesprungen. Gleich zum Start gelangen ihr in Birmingham 7,09 Meter. Auf dem Weg zu WM und EM war die Sportlerin von der LG Kurpfalz bei den deutschen Meisterschaften Ende Juni in Berlin zum sechsten Mal Champion geworden und hatte das Projekt Titel-Triple erfolgreich gestartet, an die Sieben-Meter-Marke war sie da aber mit ihrem besten Satz auf 6,85 Meter noch nicht wieder heran gekommen.

Im Gegensatz zum Olympia-Jahr passt bei Mihambo in dieser Saison der Anlauf wieder. "Der Anlauf ist wesentlich stabiler. Ich fühle mich sicherer, ich bin schneller, die Sprinttechnik ist wieder besser", sagte sie vor der WM. "Von daher sieht es auf jeden Fall besser aus als letztes Jahr." Die Geschwindigkeiten sind ähnlich hoch wie 2019 - und damals wurde sie in Doha mit starken 7,30 Metern Weltmeisterin.

Kaul wird Sechster im Zehnkampf

Dass es nach 2019 nicht zum erneuten WM-Titel für Zehnkämpfer Niklas Kaul reichen würde, war frühzeitig klar. Doch der 24 Jahre alte Mainzer kämpfte, rollte von Platz 16 nach dem ersten Tag das Feld von hinten auf und wurde mit guten 8434 Punkten noch Sechster. "Es ist immer noch mein drittbester Zehnkampf, den ich je gemacht habe, von daher - auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt - kann ich doch mit einem kleinen Lächeln hier raus gehen", sagte Kaul, der noch einige Zähler liegen ließ. Weltrekordler Kevin Mayer aus Frankreich sicherte sich Gold mit 8816 Punkten vor dem Kanadier Pierce Lepage (8701) und Zach Ziemek aus den USA (8676).

Zwei Weltrekorde - einer im Stabhochsprung ...

22 Jahre alte ist Armand Duplantis erst, und doch schon neben Sergej Bubka der größte Stabhochspringer der Geschichte. "Mondos" Show am Sonntagabend wäre alleine den Eintritt wert gewesen: 6,21 Meter im zweiten Versuch, Weltrekord. WM-Gold war der letzte Titel, der dem Schweden noch fehlte. Bubka hat sechs davon. "Ich war schon ein wenig müde", sagte Duplantis. Wie ein wacher Duplantis springt, will sich die Konkurrenz auch nicht vorstellen. Stark aber auch die beiden Deutschen: Oleg Zernikel als Fünfter und Bo Kanda Lita Baehre als Siebter, beide mit 5,87, mischten munter im Medaillenkampf mit.

... einer über 100 Meter Hürden

Am Freitag hatte die US-Amerikanerin Sydney McLaughlin den Weltrekord über 400 m Hürden um 73 Hundertstel auf 50,68 Sekunden gedrückt. Und am letzten Wettkampftag lief die Nigerianerin Tobi Amusan im Halbfinale über 100 m Hürden 12,12 Sekunden - acht Hundertstel schneller als der bisherige Weltrekord, 28 Hundertstel schneller als ihre bisherige Bestleistung aus dem Vorlauf. Und um einiges schneller, als dass man dem nicht ohne eine gewisse Skepsis begegnen könnte. Im Finale sprintete die neue Weltmeisterin Amusan dann sogar 12,06 Sekunden - nur der zu starke Rückenwind verhinderte einen erneuten Weltrekord.

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