Michael Schumacher wird Dritter:"Der größte Sieg, den ich je erlangt habe"

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Beim Sieg von Fernando Alonso in Valencia fährt Michael Schumacher vom zwölften Startplatz noch aufs Podium. Für Schumacher war es die erste Fahrt aufs Treppchen seit seinem letzten Sieg mit Ferrari, der ihm im Jahr 2006 in Shanghai geglückt war.

René Hofmann

Es war keineswegs eine neue Erfahrung, aber Michael Schumacher wirkte gehörig aus der Übung. Zum 155. Mal in seiner Rennfahrer-Karriere durfte er am Sonntag in Valencia an einer Formel-1-Sieger- ehrung teilnehmen. Schumacher wurde als Dritter des Großen Preises von Valencia gekürt.

Michael Schumacher wird Dritter: Glückliche Champagner-Spritzer: Michael Schumacher und Fernando Alonso.

Glückliche Champagner-Spritzer: Michael Schumacher und Fernando Alonso.

(Foto: AFP)

Schon auf dem Weg zu dem Podest, auf dem der Champagner verspritzt wird, hatte Schumacher ein wenig verloren gewirkt. Bei der anschließendenden Pressekonferenz aber geriet er völlig aus der Spur. Er redete und redete und redete. Allerdings auf Englisch. Dabei war der Moment für das deutschsprachige Fernsehen reserviert. Als er seinen Irrtum bemerkte, brach Schumacher lachend ab und setzte gut gelaunt noch einmal an: "Dann eben nochmal auf Deutsch."

Es ist also wirklich passiert. Michael Schumacher kann es noch. Zum ersten Mal seit seinem Comeback im Jahr 2010 nach drei Sabbatjahren wurde er wieder einmal mit prickelndem Sekt benetzt. Zuletzt waren ja erhebliche Zweifel aufgetaucht, ob es dazu noch einmal kommen würde. Zwei Punkte in den ersten sieben Rennen - das hatte den schlechtesten Saisonstart bedeutet, seit Schumacher sich 1991 zum ersten Mal in einen der engen Rennwagen gezwängt hatte.

Das Resultat in Rennen acht - auf einen Schlag 15 Punkte - fiel nicht nur versöhnlich aus. Es kam auch überraschend. "Mit einer Podestplatzierung hätte ich selbst nie gerechnet", gab Schumacher an. Selbst im Ziel fiel es ihm noch schwer, den Worten seines Teams Glauben zu schenken, dass ihm die freudige Botschaft ins Cockpit funkte.

In dem turbulenten Rennen war es nicht leicht, den Überblick zu behalten. Schumacher wusste: Ich liege unmittelbar vor Red-Bull-Fahrer Mark Webber. An dessen Boxentafel orientierte er sich. Als Schumacher zum letzten Mal dorthin schaute, wurde Webber als Siebter geführt. Kurz darauf gerieten aber Lewis Hamilton (McLaren) und Pastor Maldonado (Williams) aneinander und fielen aus. So ging es doch weiter nach vorne als gedacht - und als so manchem Rivalen lieb war.

Webber, der als Vierter abgewunken wurde, beschwerte sich im Ziel, Schumacher habe an einer Stelle, an der gelbe Flaggen zur Vorsicht mahnten, verbotenerweise den knickbaren Heckflügel flachgestellt. Sebastian Vettel war wegen des gleichen Vergehens in Barcelona mit einer Durchfahrtsstrafe bedacht worden. Videobilder belegten Schumachers Vergehen vermeintlich eindeutig. Das Mercedes-Team argumentierte bei der Anhörung vor den Regelhütern am Abend, Schumacher habe seine Geschwindigkeit trotzdem wie vorgeschrieben reduziert. Die Aufseher schlossen sich dieser Sicht an und ließen den Routinier unbehelligt.

Histiroscher Moment für Schumacher

In Kenntnis der Untersuchung hatte Mercedes-Sportchef Norbert Haug die Leistung seines teuersten Angestellten zuvor schon final eingeordnet: "Das Team hat Michael genau angewiesen, wo was zu tun ist - und er hat das präzise umgesetzt." Von "einem tollen Job" war die Rede.

Ja, Haug wähnte sogar einen "historischen Moment" gekommen. Seit dem 3. Januar ist Michael Schumacher 43 Jahre alt. Der letzte Formel-1-Pilot, der es in einem ähnlichen Alter so weit gebracht hatte, war 1970 der Australier Jack Brabham gewesen.

Für Schumacher war es die erste Fahrt aufs Siegertreppchen seit seinem letzten Sieg mit Ferrari, der ihm im Jahr 2006 in Shanghai geglückt war. "Das sind die Momente, die man wirklich genießen kann. Es ist ein wunderbares Gefühl, nach so langer Zeit, wieder hier zu sein", gab er zu. Und meinte: "Das ist wahrscheinlich der größte Sieg, den ich je erlangt habe."

Am Samstag, nach der Qualifikation, hatte er noch ganz anders geklungen. Um weniger als 0,07 Sekunden hatte er da den Einzug in die finale Runde verpasst. Am Start zum Europa-Grand-Prix stand er deshalb nicht nur sechs Plätze hinter seinem Teamkollegen Nico Rosberg, Schumacher stand überhaupt nur auf dem wenig versprechenden zwölften Startplatz.

Ohne Scharmützel fuhr er von dort ein taktisch kluges Rennen, in dem er neben der Safety-Car-Phase auch von etlichen Ausfällen profitierte. So schaffte er es nicht nur zum dritten Mal in diesem Jahr ins Ziel, er schaffte es dorthin auch deutlich vor Rosberg, der Sechster wurde. "Ein wunderbares Gefühl", so Schumacher, dem sich die Gelegenheit bietet, seinen auslaufenden Dreijahres-Vertrag noch einmal zu strecken. Ob er das tun wird? "Es war sehr aufregend. Und dafür bin ich hier", deutete er in Valencia an.

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