Ehrungen für Sportler:Bud Spencer war dankbarer

Ehrungen für Sportler: Schickte immerhin eine Videobotschaft in den Breisgau: Nationalspieler Matthias Ginter.

Schickte immerhin eine Videobotschaft in den Breisgau: Nationalspieler Matthias Ginter.

(Foto: Efrem Lukatsky/AP)

Mancher Sportler ist wenig erfreut über das Brimborium, wenn ein Sportpark oder eine Schwimmhalle nach ihm benannt wird. Der Fußballer Matthias Ginter konnte sich nicht wirklich wehren.

Glosse von Philipp Schneider

Natürlich muss man so eine Ehrung mögen, das Brimborium ist sonst kaum auszuhalten. Gerade in kleineren Städten wie Schwäbisch Gmünd, wo sonst vor allem die Regionalbahn 13 auf dem Weg nach Stuttgart kurz hält, gibt es reflexartig einen großen Bahnhof, wenn die ganze Welt für einen Moment neidisch aufs Städtle blickt. Der große Schauspieler Carlo Pedersoli, bekannt als Bud Spencer, noch bekannter als Erfinder des Doppelten Dampfhammers, fackelte nicht lang, als ein ihm unbekannter Bürgermeister eine Einladung schickte zu einer Schwimmhalle, die er längst vergessen hatte. Pedersoli packte unverzüglich seinen sicher sehr großen Koffer und gab sich das volle Programm: Blitzlichtgewitter, roter Teppich, jubelnde Menschenmassen, Selfies mit einem Doppelgänger seines jüngeren Selbst, die ja immer etwas unvorteilhaft sind.

Als er beim Eintrag ins Goldene Buch interviewt wurde, da brachte er seine Verwunderung darüber zum Ausdruck, dass Schwäbisch Gmünds Freibad tatsächlich in "Bud Bad" umgetauft worden war. "Fantastico" sei das, meinte Pedersoli. Zumal er ja nur zweimal zu Besuch gewesen war. 1951 als Schwimmer, 1954 als Wasserballer.

Ehrungen für Sportler: Schnell noch eine Stärkung: Carlo Pedersoli alias Bud Spencer, Preisträger von Schwäbisch Gmünd.

Schnell noch eine Stärkung: Carlo Pedersoli alias Bud Spencer, Preisträger von Schwäbisch Gmünd.

Nein, so ein Bud in der Menge ist wahrlich nicht für jeden gedacht. Gerade wer mehr als dreimal im Leben an einen Ort muss, dem ist es oft lieber, wenn dieser nicht seinen Namen trägt. Als die Bürger in Halle an der Saale überlegten, ihre Schwimmhalle nach dem dort aufgewachsenen Weltmeister in Paul-Biedermann-Halle umzutaufen, da wehrte der sich mit Händen und Füßen, die bekanntlich flossenartig sind. Schönen Dank, tolle Ehre, sagte Biedermann. "Aber das wäre zu viel, wenn ich da jeden Tag rein muss, und draußen steht mein Name dran. Dann noch lieber SV-Halle-Halle oder so."

Oder so.

Das dachte sich vielleicht auch der Fußballer Matthias Ginter, als ihn nun eine Ehrung erreichte, wenngleich diese nicht völlig überraschend gekommen sein dürfte. Der Bezirksligist SC March, in dessen Reihen Ginter die ersten acht Jahre seiner Karriere spielte, hatte ja vor dem letztlich wenig erheiternden 0:5 gegen Heitersheim 05 geworben, es gebe ein "kleines, buntes Rahmenprogramm mit am Ende großer Überraschung". Und, siehe da: Das gute, alte Waldstadion wird umbenannt in "Matthias-Ginter-Sportpark".

Der Name lässt es zwar nicht wachsen, verleiht aber einen mondänen Anstrich. Ginter - kein Rentner wie einst Pedersoli, sondern tags darauf mit der Nationalmannschaft in Skopje beim viel erheiternden 4:0 gegen Nordmazedonien als Reservist gut ausgelastet - packte keinen Koffer, rief nicht "fantastico", aber er schickte ein Video in den Breisgau mit der tollen Botschaft, er werde, "wenn es die Zeit zulässt, mal wieder vorbeischauen". Kein Vorwurf, mehr kann man nicht erwarten von einem Berufstätigen! Nichts schwieriger, als den richtigen Zeitpunkt für eine Stadionumbenennung abzupassen.

Der große Johan Cruyff musste lange warten, ehe ihm das sehr viel kleinere Ajax Amsterdam seine Arena widmete. Manche finden: zu lang. Er war schon zwei Jahre tot. Wer zu früh ein Stadion tauft, macht auch was falsch. Dietmar Hopps TSG Hoffenheim zog vom "Dietmar-Hopp-Stadion" erst um in die "Rhein-Neckar-Arena", inzwischen spielt sie in der "Prezero-Arena". Auch ein Milliardär muss zusehen, dass am Ende des Monats der Kühlschrank voll wird. Wer wiederum zu spät umtauft, macht sich verdächtig: Warum die Arena in Istanbul noch immer "Atatürk-Olympiastadion" heißt, das ist Recep Tayyip Erdoğans Geheimnis. Vielleicht ahnt er, was Biedermann wusste - dass Wir sind Helden recht hatten, als sie sangen: "Sie haben uns ein Denkmal gebaut. Und jeder Vollidiot weiß, dass das die Liebe versaut." Oder so.

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