bedeckt München 21°
vgwortpixel

Manuel Neuer vor dem Dänemark-Spiel:Glanztaten im Kahnschen Tunnel

Manuel Neuer will nicht nur ein guter Torwart sein, er will endlich Trophäen gewinnen. Bei der EM erreicht sein Ehrgeiz deshalb Kahnsche Dimensionen. Nichts überlässt der Torhüter dem Zufall, akribisch studiert er sich und seine Gegner. Denn er weiß: Zweite Plätze können schnell zum Stigma werden.

Manuel Neuer läuft immer als Erster hinaus zum Aufwärmen. Wenn sich seine Feldspieler-Kollegen noch die Schuhe binden, rauscht ihm draußen schon der Applaus entgegen. Der Erste bekommt immer am meisten Ovationen, weil die Fans darauf warten, dass sich endlich einer blicken lässt.

EURO 2012 - Deutschland ? Portugal

Manuel Neuer überlässt in seinem Torwartspiel nichts dem Zufall.

(Foto: dpa)

Normalerweise streckt Neuer auf dem Weg zu seinem Tor die Arme in die Luft, klatscht ausgiebig zurück und blickt dabei die Leute in der Kurve an. Er stand selbst einmal auf diesen Tribünen, damals als Fan des FC Schalke. In Lemberg (Lwiw) aber, da gab es keinen Blick für die Leute, da rang er sich nur zu ein, zwei Klatschandeutungen durch. Manuel Neuer wirkte, als ob er die Zuwendungen der Leute gar nicht wahrnahm, als ob er im Kahnschen Tunnel durch das Stadion rannte.

Für den Torwart des FC Bayern ist diese Europameisterschaft eine ernste Angelegenheit. Mit dem letzten Gruppenspiel am Sonntag gegen Dänemark geht nun praktisch die K.-o.-Runde los, eine Niederlage kann schon das Aus bedeuten. Er fühlt, dass für ihn nun viel auf dem Spiel steht, nach all den zweiten Plätzen, die er mit dem FC Bayern erreicht hat.

So etwas kann schnell zum Stigma werden, "ewiger Zweiter". Wer sollte das besser wissen als jemand, der 20 Jahre lang bei Schalke gespielt hat? Doch Zweiter, das ist nichts für Manuel Neuer. Auch wenn es viele diesem netten, jungen Mann nicht zutrauen - der unermesslich große Ehrgeiz ist vielleicht die einzige Wesensart, die ihn mit seinem großen Vorgänger Oliver Kahn verbindet. Deshalb war er ja nach München gewechselt: um nicht nur ein guter Torwart zu sein, sondern auch einer, der Pokale und Trophäen hebt.

Es ist sein erstes Turnier als etablierte Nummer eins im deutschen Tor, bei der WM in Südafrika war er nur wegen der Verletzung von René Adler reingerutscht. Diesmal sagte ihm der Bundestorwarttrainer Andreas Köpke schon im Februar, dass er seine Stammkraft ist. So stark der deutsche Torwartnachwuchs auch ist, Manuel Neuer kann in den kommenden Jahren nur eine Verletzung oder ein schlechter Lebenswandel wieder von seinem Platz vertreiben. Doch Letzteres ist kaum anzunehmen.

Neuer überlässt in seinem Torwartspiel nichts dem Zufall, akribisch studiert er sich und seine Gegner. Als er gegen Portugal am Ende den deutschen Erfolg rettete, konnte er das genau erklären. Cristiano Ronaldos Schuss baggerte er in Volleyball-Manier drüber: "Das Problem war: Der Schuss war relativ hart, der Ball ging als Aufsetzer runter, ich war aber schon mit dem Körper unten in der Ecke. Auf einmal nimmt der Ball eine andere Flugkurve. Deshalb musste ich ihn irgendwie mit beiden Händen über das Tor bekommen", sagte er in einem Interview mit der SZ (12. Juni, nur Print und auf dem Ipad), und fügte an: "Wenn Ronaldo schießt, dann ist es immer eigenartig."

Zur SZ-Startseite