Luhukay-Entlassung in Berlin Hertha sucht den Nichtabstiegs-Trainer

Mal wieder verloren: Die frustrierten Spieler von Hertha BSC

(Foto: dpa)

Jos Luhukay ist entlassen, Hertha benötigt einen neuen Trainer. Doch von Manager Michael Preetz ist kaum Visionäres zu erwarten - und so ist das Schlimmste zu befürchten.

Ein Kommentar von Claudio Catuogno

Man denkt in Berlin jetzt wieder an Dieter Hoeneß zurück. An jene Prophezeiung, die der ewige Hertha-Manager seinem Klub hinterließ, als dieser ihn 2009 gewissermaßen vom Hof jagte, nach zwölf Jahren Alleinherrschaft. Ohne ihn, weissagte damals Hoeneß, und rückblickend klingt es fast wie ein Fluch - ohne ihn werde der Weg der Hertha direkt in den Abgrund führen. Michael Preetz, einst Stürmer wie Hoeneß und später eine Art Dauerpraktikant auf der Geschäftsstelle, habe nämlich schlicht nicht das Format, einen Erstligisten zu führen. Das war die Hertha damals ja noch: ein Erstligist mit europäischen Ambitionen. Preetz, raunte Hoeneß manchmal in kleiner Runde, tauge allenfalls zum Pressesprecher.

Rehhagel konnte auch nicht helfen - aber Goethe zitieren

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Heute, da man weiß, wie die Geschichte weiterging, ist zu der Prophezeiung zweierlei zu sagen. Letzteres, also das mit dem Pressesprecher, ist eindeutig falsch. Wenn der 47-jährige Preetz etwas nicht kann - oder es zumindest nie mit Nachdruck zu seiner Aufgabe gemacht hat -, dann ist es die Außendarstellung. Was will der Hauptstadtklub sein? Was soll ihn mit seiner Stadt verbinden? Von Preetz hat man dazu wenig Konkretes, geschweige denn Visionäres erfahren. Stattdessen lappt das Erscheinungsbild der Hertha öffentlich schnell ins Skurrile, wenn es um die Details geht. Etwa um das Detail des Trainerpostens.

Ersteres hingegen, das mit der von Hoeneß infrage gestellten Manager-Tauglichkeit seines Nachfolgers, ist bisher weder be- noch widerlegt. So hat Preetz etwa das Kunststück vollbracht, seinen Klub zweimal innerhalb von drei Spielzeiten in die zweite Liga zu führen, ohne entlassen zu werden. Das wäre einem Polarisierer wie Dieter Hoeneß sicher nicht gelungen. Aber auch das ist ja nur die halbe Geschichte. Preetz ist schließlich auch jener Manager, mit dem Hertha BSC zweimal aufgestiegen ist.

In der zweiten Liga hat Preetz immer das meiste richtig gemacht. In der ersten Liga ging immer eine Menge schief. Man erinnert sich an den Trainer Markus Babbel, den bayerischen Stenz, mit dem Preetz 2011 einen skurrilen Scheidungskrieg führte. Dann an Babbels Nachfolger Michael Skibbe, den Preetz nach fünf Spielen und fünf Niederlagen schon wieder entließ. Und natürlich an Otto Rehhagel, der im Sommer 2012 auch nicht mehr helfen konnte, den Abstieg noch zu vermeiden. Wenigstens konnte er Goethe zitieren.

Und nun also wieder ein neuer Anlauf: Preetz sucht den Nichtabstiegs-Trainer. Nimmt man sein bisheriges Fortune in vergleichbarer Lage zum Maßstab, muss man das Schlimmste befürchten.

Berlin und der Fußball. Zu Dieter Hoeneß' Zeiten war das eine Geschichte der ewigen Selbstüberschätzung - vom steten Auseinanderklaffen von Anspruch und Wirklichkeit. In ihren guten gemeinsamen Tagen schienen Michael Preetz und sein Aufstiegstrainer Jos Luhukay dem wenigstens ihren blassen Realismus entgegenzusetzen: Man musste Luhukays Defensivfußball ja nicht mögen, so lange er die nötigen Punkte brachte.

Mittelfristig bräuchte die Hertha aber nicht nur immer neue, von Michael Preetz gecastete Trainer. Sondern auch mal wieder so was wie eine Identität.