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Louis van Gaal und der FC Bayern:Er bleibt

Entsetzen, Ungläubigkeit und Leere in Hannover: Nach dem Kollaps im Trainer-Endspiel ringt sich der FC Bayern offenbar dennoch nicht zur Trennung von Louis van Gaal durch.

Man hätte meinen können, der Präsident habe ein paar Tränen verdrückt an der Seite des Vorstandschefs. Aber der Augenschein hat dann doch getrogen in der tiefstehenden niedersächsischen Wintersonne; Uli Hoeneß hat zurzeit nur ein wenig Probleme mit den Augen, eine leichte Reizung, nicht Ernstes.

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Louis van Gaal wird wohl nicht länger Trainer des FC Bayern sein. Eine andere Alternative sehen die Münchner nicht mehr. Spätestens am Montag wird das wilde Spekulieren wohl ein Ende haben.

(Foto: dapd)

Trauer, Schmerz oder Wehmut, welche emotionale Kummertränen hätten auslösen können, fühlten Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge sowieso längst nicht mehr im Angesicht eines Fußballspiels, das da aus ihrer Sicht im Debakel endete, als Selbstentblößung und "Tiefpunkt der Saison", wie Rummenigge später formulierte. Er und Hoeneß spürten nur noch das, was man lähmendes Entsetzen nennt, die pure Ungläubigkeit. Bei Christian Nerlinger, dem kreidebleichen Sportdirektor, mobilisierte das Erlebte einen Fluchtreflex: Er saß als Erster im Mannschaftsbus. Fassungslos und leer.

Louis van Gaal wird nicht länger Trainer des FC Bayern sein, das schien sicher zu sein am Samstagabend und lange auch am Tag danach. Eine andere Alternative sahen die Münchner nicht mehr nach dem 1:3 im so bedeutsamen Verfolgerduell mit Hannover, in dem es ja sowieso nur noch um die Ehrenränge zwei und drei hinter dem künftigen Meister Dortmund ging. Selbst die liegen nun in weiter Ferne.

Deshalb hatten sich Rummenigge, Hoeneß, Nerlinger und Finanzvorstand Hopfner für Sonntagnachmittag verabredet, daheim bei Rummenigges in Grünwald, um Details zur favorisierten Trennung zu klären und vor allem die Konstruktion für die Zukunft. "Ein paar Stunden" könne es dauern, bis "der weiße Rauch aufsteigt", sagte ein Sitzungsteilnehmer mittags. Denn der Stellenmarkt ist dünn bestückt. Und es müsse ein einstimmiges Votum erfolgen.

Und genau daran scheiterte die Runde offenbar: Um halbacht ging man nach fünfstündiger Debatte ergebnislos auseinander und vertagte sich. Am Montagmittag will man sich mit van Gaal bereden; sofern sich der Holländer nicht allzu ungeschickt anstellt, ist nun plötzlich - in Ermangelung einer Alternative und des fehlenden Konsenses - sein Verbleib bis zum Saisonende wahrscheinlich.

Eine andere Option war angeblich eine Interimslösung mit van Gaals Assistent Andries Jonker, 48. Auf diese Personalie konnte man sich aber nicht einigen. Van Gaals vorzeitiger Abschied zum Sommer und das zweite Comeback eines guten alten Bekannten zur nächsten Saison gelten dagegen intern auch nach der Sonntagsdebatte als nicht mehr abwegig: die Rückkehr von Jupp Heynckes, der vielleicht auch deshalb noch nicht in Leverkusen verlängerte. Es soll bereits Kontakte zum 65-jährigen Trainer gegeben haben, der allerdings nicht einziger Kandidat für nächste Saison ist.

In Hannover hatten Hoeneß und Rummenigge zunächst noch verabredet, eine Nacht über das vermeintlich Unvermeidbare schlafen zu wollen. Aber ein Bekenntnis zum holländischen Chefcoach verkniffen sie sich eben auch. Drei Niederlagen binnen nur acht Tagen, in für das Renommee elementaren Partien, das wird hier gewöhnlich keinem Trainer der Welt zugestanden.

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