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Messi will Barcelona verlassen:Sofort weg - und zwar gratis

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Vermutlich wird Lionel Messi dieses Trikot nie wieder tragen.

(Foto: imago images/Alterphotos)

Lionel Messi hat dem FC Barçelona mitgeteilt, dass er den Klub verlassen will. Geht es nach dem 33-Jährigen, ist die Ablöse von 700 Millionen Euro nichtig.

Von Javier Cáceres

Die Ära von Lionel Messi beim FC Barcelona steht vor dem Ende. Wie der Klub am Dienstagabend bestätigte, teilte der 33-jährige Kapitän schriftlich mit, Barça nach 17 Profi-Jahren verlassen zu wollen. Dem Radiosender Onda Cero zufolge ist Messis Entscheidung unwiderruflich. Er gedenke auch nicht, Anfang kommender Woche zum Trainingsauftakt zu erscheinen.

Messis Entscheidung folgt auf das 2:8- Desaster von Lissabon gegen den FC Bayern im Viertelfinale der Champions League. Ihr liegt aber ein profunder Ärger über die Politik der Barça-Führung zugrunde. Schon vor Tagen war bekannt geworden, dass Messi dem soeben zum Trainer bestellten Niederländer Ronald Koeman erklärt hatte, Zweifel an einem Verbleib zu haben. Am Montag sickerte durch, dass Koeman Messis bestem Freund bei Barça, dem uruguayischen Stürmer Luis Suárez, in einem offenbar kühlen und einminütigen Telefonat mitgeteilt habe, dass er keine Zukunft bei Barça habe. Offenbar war das das Tröpfchen, das ein prall gefülltes Fass zum Überlaufen brachte: Keine 24 Stunden später teilte Messi mit, den Verein verlassen zu wollen. Sofort. Und gratis.

In Messis Vertrag ist zwar eine Ablöseklausel von 700 Millionen Euro festgeschrieben. Aber: Es ist auch für jedes Jahr ein Zeitfenster fixiert, in dem Messi den Vertrag einseitig auflösen und letztlich ablösefrei gehen kann. Er muss vor dem Stichtag 31. Mai erklären, dass er gehen wolle. Die Rechtsabteilung Barças ist der Auffassung, dass die Frist für die einseitige Vertragsauflösung durch Messi in diesem Jahr erloschen ist. Er sei bis 2021 gebunden. Messi argumentiert, der Geist dieser Klausel sei so verfasst, dass sie nach Abschluss der Saison greife. Durch die Corona-Pause habe sich die Spielzeit bis in den jetzigen August hinein verlängert. Er könne die Klausel also jetzt ziehen. Eine Reihe von Fifa-Entscheidungen würden seine Interpretation der Rechtslage bestätigen. Damit droht ein Rechtsstreit.

Wie sehr man sich in Barcelona auf einen Abschied des wohl größten Spielers der Klubgeschichte einstellt, zeigte ein Tweet des katalanischen Präsidenten Quim Torra. "Katalonien wird immer Dein Heim sein. Vielen Dank für all diese Zeiten der Glückseligkeit und des außergewöhnlichen Fußballs. Wir haben das Glück gehabt, einige Jahre unseres Lebens mit dem besten Spieler der Welt und einem noblen Sportler zu teilen. Wir werden Dich nie vergessen." Die Vereinslegende Carles Puyol twitterte ebenfalls eine Abschiedsbotschaft: "Respekt und Bewunderung, Leo. All meine Unterstützung, Freund", schrieb sein ehemaliger Kapitän. Unter anderem gewann er mit Messi drei Champions-League-Titel für Barcelona. Luis Suárez reagierte ebenfalls auf Twitter mit Applaus. Derweil meldete sich in England der frühere Oasis-Sänger und Manchester-City-Fan Liam Gallagher mit einem Traum zu Wort. "Der Messias ist auf dem Weg zu Manchester City."

Am Dienstagabend war freilich unklar, wohin Messi gehen könnte. Sein Jahresnettogehalt liegt bei 50 Millionen Euro. Sollte er tatsächlich ablösefrei gehen, erhöht sich die Zahl der Klubs, die ihn verpflichten könnten. Zuletzt wurde Inter Mailand genannt, die Messis haben in der lombardischen Hauptstadt Luxus-Immobilien erworben, der Verein ist in Händen eines finanzstarken chinesischen Investors. Manchester City hat Machbarkeitsstudien verfasst; dort ist Pep Guardiola Trainer, der mit Messi seine größten Erfolge feierte. Spekuliert wird auch, dass Manchester United und Paris Saint-Germain eine Verpflichtung Messis prüfen.

Der Argentinier führte das 1899 gegründete Barça zu 33 Titeln, erzielte in 731 Spielen 633 Tore. Seine bisherige Zeit beim FC Barcelona war die mit Abstand erfolgreichste Zeit des Klubs, der Messi nicht nur mit Geld überhäufte, sondern auch durch ihn den eigenen Jahresumsatz auf zuletzt eine Milliarde Euro schraubte. Sollte Messi wirklich Barcelona verlassen, würde das 2:8 gegen Bayern in die Geschichte eingehen: als Messis letztes Spiel für Barça.

© SZ vom 26.08.2020
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