Bayer Leverkusen:Dominanz nach Belieben

Bayer Leverkusen: Nicht aufzuhalten: Victor Boniface trifft zweimal für Bayer.

Nicht aufzuhalten: Victor Boniface trifft zweimal für Bayer.

(Foto: Uwe Kraft/Imago)

Bayer 04 Leverkusen gewinnt souverän 3:0 in Gladbach und der ohnehin schon starke Kader könnte nochmals verstärkt werden. Trainer Xabi Alonso betont, der Klub bleibe trotz des aufziehenden Titelkandidatenstatus ganz ruhig.

Von Ulrich Hartmann

Vor dem Anpfiff bedankte sich Borussia Mönchengladbach bei Jonas Hofmann. Nicht dafür, dass er kurzerhand per Ausstiegsoption zu Bayer Leverkusen gewechselt ist, sondern dafür, dass er zuvor siebeneinhalb Jahre für Gladbach gespielt hatte. Die Vize-Präsidenten Rainer Bonhof und Hans Meyer überreichten Hofmann auf dem Spielfeld einen Bilderrahmen voller fotografischer Erinnerungen. Der 31-jährige Hofmann hat bei der Borussia Aufschwung und Niedergang miterlebt. Jetzt spielt er lieber in Leverkusen, bei jener Mannschaft, die am Samstagabend mit 3:0 (2:0) in Mönchengladbach gewonnen hat.

Die sehr souveränen Leverkusener könnten diese Saison ein Wort um den Titel mitreden. Enttäuschende Gladbacher dürften sich in dieser Form allenfalls im erweiterten Tabellenmittelfeld einreihen. Hofmann will kommendes Jahr bei der Europameisterschaft dabei sein - dafür ist Leverkusen die deutlich bessere Bühne.

Natürlich haben einige Gladbacher Fans gepfiffen, wenn Hofmann den Ball führte, aber wer das Duell dieser beiden Mannschaften gesehen hat, muss verstehen, dass der Nationalspieler Hofmann lieber in diesem Leverkusener Ensemble spielt als in diesem Gladbacher. "Die Rückkehr war emotional", sagte Hofmann hinterher, "und mit dem einen oder anderen Pfiff hatte ich schon auch gerechnet." Als klarer Sieger verließ er den Borussia-Park trotzdem ziemlich zufrieden.

Die Leverkusener dominierten das Spiel nach Belieben. Ihr Treffer zum 1:0 in der 18. Minute war wie inszeniert für ein Lehrvideo. Leverkusens Neuzugang Granit Xhaka (früher auch mal in Gladbach) lupfte den Ball aus dem Zentrum nach links hinaus zum Zugang Alejandro Grimaldo, der den Ball vors Tor köpfelte, wo ihn der Zugang Victor Boniface per Stirn über die Torlinie drückte. Ein weiteres Indiz dafür, wie fabelhaft sich die Leverkusener in dieser Saison verstärkt haben.

Ein famoser Volleyschuss von Xhaka aus 17 Metern an den Innenpfosten und von dort ins Tor drei Minuten später wird nur deshalb nicht das Tor des Monats August werden, weil kurz zuvor ein Leverkusener ein paar Millimeter im Abseits gestanden hatte und diesem Traumtreffer deswegen im Nachhinein die Anerkennung versagt wurde.

Die Bayer-Elf spielt nach einem perfekten Strickmuster

Leverkusens Tor zum 2:0-Halbzeitstand in der sechsten Minute der Nachspielzeit war eine Kopie des ersten Treffers, nur diesmal über rechts und ohne Kopf-Einsatz. Xhaka lupfte den Ball aus dem Zentrum hinaus nach rechts, wo Hofmann ihn volley per Fuß vors Tor brachte und Jonathan Tah ihn volley per Fuß ins Tor drückte. Die Leverkusener spielten nach einem perfekten Strickmuster - und die Gladbacher waren machtlos.

In der Pause vermochte Borussias Trainer Gerardo Seoane seiner Mannschaft kein Rezept gegen Leverkusens Spiel zu vermitteln. Als Florian Wirtz in der 53. Minute mit einem präzisen Steilpass Boniface zum 3:0 schickte, wirkten die Gladbacher fast beteiligungslos. "Wir müssen defensiv aktiver werden", sagte Seoane nach dem Spiel. Nach ihrem 4:4 zum Auftakt in Augsburg sind die Gladbacher nun schon bei sieben Gegentoren. "Der Sieg ist auch in der Höhe verdient", sagte Seoane über das 0:3, "Leverkusen hat sowohl individuell als auch im Kollektiv sehr viel Qualität."

Bayer-Trainer Xabi Alonso wirkte fast bescheiden. "Ich bin zufrieden, wir haben gut gespielt", sagte er in seinem immer noch recht brüchigen Deutsch. Auf die zwei weiteren Treffer, die seine Leverkusener benötigt hätten, um den Tabellenführer Union Berlin torgenau einzuholen, verzichteten sie. Mit der 3:0-Führung betrachteten sie ihr Tagwerk als getan und gestatteten den Gladbachern mehr Ballbesitz. Ein Tor allerdings nicht.

In der 81. Minute wechselte Alonso den Leihspieler vom FC Bayern, Josip Stanisic, für den linken Innenverteidiger in der Dreierkette, Odilon Kossounou, ein. Bayers Kader ist schon jetzt recht tief, trotzdem steht mit dem Angreifer Nathan Tella vom FC Southampton dem Vernehmen nach noch ein weiterer Spieler kurz vor der Ankunft. Vielleicht kann er schon mitspielen, wenn die Leverkusener kommenden Samstag auf Darmstadt treffen und zwei Wochen später freitagabends beim FC Bayern München antreten.

Das wird ein Spitzenspiel, denn Leverkusen empfahl sich auch im zweiten Spiel für höchste Weihen in dieser Saison. Den Trainer Alonso interessiert das zu diesem Zeitpunkt verständlicherweise noch nicht. Im Sender Sky hatte der Spanier bereits vor dem Spiel in Gladbach gesagt: "Wir denken noch nichts bis Mai - wir sind in der Kabine ganz tranquil."

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