0:2 in Leipzig:Auch mit Xabi Alonso tritt Leverkusen auf der Stelle

0:2 in Leipzig: "Es war nicht nur der Schiri", sagte Xabi Alonso nach der 0:2-Niederlage in Leipzig.

"Es war nicht nur der Schiri", sagte Xabi Alonso nach der 0:2-Niederlage in Leipzig.

(Foto: Bert Harzer/Imago/Eibner)

Nur ein Sieg aus sechs Spielen: Auch unter dem neuen Trainer fehlt es Leverkusen an positiven Resultaten. Immerhin: Der Klub scheint mittlerweile begriffen zu haben, dass er im Abstiegskampf steckt.

Von Javier Cáceres, Leipzig

Eleganz hat man, oder man hat sie nicht. Zu denen, die sie haben, gehört Xabi Alonso, der nun Trainer bei Bayer Leverkusen ist und sich am Samstagabend nicht länger mit der Frage aufhalten wollte, ob Schiedsrichter Sven Jablonski die entscheidende Figur bei der 0:2-Niederlage seiner Mannschaft in Leipzig gewesen war.

"Es ist jetzt nicht der Moment, zu weinen", sagte Alonso, nachdem er zu der Szene befragt worden war, die Leipzigs Führung den Weg gebahnt hatte, und die er in seiner ersten Analyse mit Bedacht unterschlagen hatte. Drei Mal hatte er sich die Szene angesehen, und die "großen Zweifel", ob das so richtig gewesen war, gingen nicht mehr fort. Alonsos Reaktion war ein prächtiger Kontrast von Leverkusens Klubchef Fernando Carro, der nach Schlusspfiff in die Katakomben heruntergestürzt war und nach eigenem Bekunden den Referee zur Rede gestellt hatte, weil das doch kein Foul gewesen sei. "Leck mich in dä Täsch", fluchte Carro.

Objektiv betrachtet bestand jeder Anlass, mit dem Schiedsrichter zu hadern. Dem Leipziger Kopfball-Führungstreffer durch Christopher Nkunku war eine präzise Freistoßflanke von Dominik Szoboszlai vorangegangen (32.), und diese hatte es nur gegeben, weil Jablonski eine Fehlentscheidung getroffen hatte, die das bis dahin ausgeglichene und aufreibend dröge Spiel kippen ließ. Bayer-Verteidiger Piero Hincapié hatte eindeutig den Ball gespielt, als Szoboszlai zu Boden ging; dass Jablonski auch noch die gelbe Karte zückte, setzte dem Ganzen ein recht absurdes Krönchen auf. "Bei aller Liebe ...", sagte dazu Mittelfeldspieler Robert Andrich. "Natürlich war das ein wichtiger Standard", erklärte auch Xabi Alonso - "aber es war nicht nur der Schiri", fügte er entscheidend hinzu.

Seit sechs Spielen ist Alonso, 40, bei Leverkusen im Amt. Dem furiosen 4:0 gegen Schalke 04 folgten nunmehr fünf Partien ohne Sieg. Das wettbewerbsübergreifende Torverhältnis lautet 9:14. Doch die Frage, wie die Pleite in Leipzig einzuordnen ist, lässt sich so einfach nicht beantworten. Dass Leverkusen geistig erschöpft wirkte, hatte seinen Grund wohl auch darin, dass man den Stress aus der wilden Champions-League-Partie bei Atlético Madrid vom Mittwoch (2:2) noch nicht vollständig verarbeitet hatte.

Manches erinnert an die Zeit unter Alonsos Vorgänger Seoane

Es klinge blöd, nach einem 0:2 derlei zu behaupten, druckste Alonso, aber sein Team sei im Grunde im Spiel gewesen, bis Timo Werner das 2:0 für RB erzielte (83.). Es gebe vieles, was in die richtige Richtung weise, betonte Alonso: "Ich habe das Gefühl, dass in der Kabine alle zusammenhalten und bereit sind zu kämpfen." Diesen Eindruck teilte er mit Andrich und auch mit Sportdirektor Simon Rolfes. Aber es gibt auch einiges, was in die Zeit unter Alonso-Vorgänger Seoane verweist.

Dass Leipzigs dritter Torwart Örjan Nyland sich bei seinem Debüt für RB nicht weiter zu strecken brauchte, lag auch daran, dass Leverkusen im letzten Spielfelddrittel "nicht aggressiv genug" war, wie Alonso sagte. Dies war eine sehr höfliche Umschreibung für die Nichtexistenz von gefährlichen Angriffsszenen, vor allem in der ersten Halbzeit. Eine Änderung trat erst ein, als der bayer-Trainer drei Wechsel vornahm und Exequiel Palacios, Mitchel Bakker und Patrik Schick für Nadiem Amiri, Daley Sinkgraven und Adam Hlozek brachte.

"Das müssen wir ansprechen. Egal, in was für einer Krise du bist, du musst vorne Chancen kreieren. Das fängt hinten an, in der Spieleröffnung, dass wir da bessere Lösungen finden. Am Anfang muss die Bereitschaft stimmen und die mannschaftliche Geschlossenheit, und da sehe ich aktuell Positives", sagte Andrich. Man spiele unter Alonso "viel kontrollierter, mehr als Einheit, fußballerisch besser, intensiver". Nur halt nicht erfolgreich.

Immerhin: Andrichs Einlassungen lassen ahnen, dass man in Leverkusen zumindest weiß, wo man steht. Am Samstag war das Tabellenplatz 16. "Wir wissen, dass die Konstellation brutal gefährlich ist. Wir sind im Abstiegskampf", erklärte Andrich und folgerte: "Wir müssen uns mit dreckigen Punkten, mit dreckigen Siegen Selbstvertrauen erarbeiten." Eine erste Gelegenheit dazu bietet sich am Dienstag, beim letzten Gruppenspiel der Champions League gegen den bereits fürs Achtelfinale qualifizierten Club Brügge. Leverkusen ist schon ausgeschieden, aber "für das Prestige, die Motivation, das Selbstvertrauen" wäre es wichtig, die Europa League zu erreichen. Nur: Das hat Leverkusen als Tabellenletzter der Gruppe B nicht in der eigenen Hand.

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