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Leroy Sané beim FC Bayern:Einer wie einst Arjen Robben

Leroy Sane - Neuzugang beim FC Bayern München

Trägt das Trikot mit der Nummer 10: Leroy Sané

(Foto: dpa)

Der FC Bayern vergibt an Leroy Sané das Trikot mit der Nummer 10. Die Vorstände machen gleich klar, was sie von dem 24-Jährigen erwarten.

Von Benedikt Warmbrunn

Neun Jahre lang hatte Arjen Robben beim FC Bayern das Trikot mit der Rückennummer 10 getragen, bis zum Sommer 2019, und weil er in diesen neun Jahren Spuren hinterlassen hat wie nur wenige andere Spieler in der Geschichte des FC Bayern, sollte seine Nummer eine Saison lang nicht vergeben werden. Dann aber liehen die Münchner im August 2019 beim FC Barcelona den Brasilianer Philippe Coutinho aus, von dem sie sich schon die eine oder andere tiefe Spur erhofft hatten. Und um ihm zu schmeicheln, bekam dieser gleich die Nummer 10, nach einem verständnisvollen Telefonat mit Robben.

Diese Nummer wird Coutinho auch noch im Pokalfinale an diesem Samstag gegen Leverkusen tragen, auch in der Champions League im August, vorausgesetzt natürlich, er wird eingesetzt. Doch er ist bereits ein Zehner auf Abruf.

Am Freitagvormittag veröffentlichte der FC Bayern auf seiner Webseite eine Meldung mit dem Titel "Leroy Sané bekommt die Rückennummer 10". Um Robben geht es in dieser Meldung schon nicht mehr, und statt eine Saison ganz auf diese magische Nummer verzichtet zu haben, geht der Verein in einen Sommer mit zwei Zehnern. Das Trikot von Sané ist bereits im Fanshop erhältlich, auch das steht in der Meldung. Das Trikot von Coutinho übrigens weiterhin auch. "Vollstes Verständnis" habe der Brasilianer für die doppelte Zehn in einem Gespräch mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gezeigt.

Er wird die letzten sechs Ligaspiele von City verpassen

Diese Entscheidung mit der Rückennummer 10 steht für zwei Entwicklungen bei den Münchnern: Coutinho hat im Klub über die Champions-League-Endrunde hinaus keine Zukunft mehr. Und von Sané, dessen Verpflichtung die Bayern am Freitagmorgen offiziell bekannt gegeben hatten, versprechen sie sich offensichtlich so viel an Zukunft, dass sie diese gleich in die Gegenwart geholt haben.

"Glücklich", "sehr froh" und gar "sehr glücklich", so äußerten sich Rummenigge, Salihamidzic und Vorstand Oliver Kahn in der Mitteilung, die Sanés Transfer verkündete. Hätten sie hinzugefügt, dass sie auch erleichtert seien, es wäre nicht gelogen gewesen. Bis 2025 hat der Flügelspieler unterschrieben, und obwohl er in dieser Saison nicht mehr für die Bayern spielen wird, wird er sich von kommender Woche an in München auf die nächste Spielzeit vorbereiten - und daher die letzten sechs Ligaspiele von Manchester City in der englischen Premier League verpassen. Nun, da die Bayern nach mehr als einem Jahr des Werbens ihren Wunschspieler endlich sicher haben, wollen sie nichts mehr riskieren.

Schon einmal, Anfang August 2019, waren sie sich sicher, dass Sané kommen werde. Dann aber spielte er im englischen Supercup, riss sich das Kreuzband, fiel monatelang aus, wechselte nicht. Stattdessen holten die Bayern Coutinho, der für sie bis heute ein Mysterium geblieben ist: talentiert wie wenige Fußballer, aber in Spielen wirkt es oft so, als ob er verschluckt werden würde von all den Erwartungen, die ihn umgeben. Dass es dem künftigen Zehner Sané ähnlich ergehen könnte, das befürchtet im Verein jedoch niemand, und so verbirgt Salihamidzic auch seine Erwartungen nicht: Sané, sagt der Sportvorstand, sei "ein Unterschiedsspieler".

Er soll in München also so einer werden, wie Robben einst einer war.

Erwartet wird Sané auf den Münchner Flügeln bereits von Kingsley Coman und Serge Gnabry, statt einer Flügelzange wie in den Jahren von Robben und Franck Ribéry haben die Bayern nun also ein Flügeldreieck. Für Trainer Flick wird sich daher die Frage stellen, wen er wann und wie einsetzt. Coman lebt von seiner Geschwindigkeit, Gnabry von seiner Wucht und seinem Torschuss. Sané, dessen Mutter Regina 1984 Bronze bei den Olympischen Spielen in Los Angeles in der Rhythmischen Sportgymnastik gewonnen und dessen Vater Souleymane in den 1980ern und 1990ern in der Bundesliga gespielt hat, ist vielleicht der Beste aus dem Münchner Flügeldreieck im Eins-gegen-eins, in Robbens Spezialdisziplin also. Mit solchen Dribblings soll er auch den Unterschied ausmachen. (Was sich Salihamidzic beim Wunschspieler des Trainers, Timo Werner, nicht vorstellen konnte.) Der Kader sei nun "auf den für unser Spiel wichtigen Außenbahnpositionen auf höchstem Niveau flexibel besetzt", lobte Salihamidzic sich selbst. Flick sagte vor dem Pokalfinale zu seinem neuen Spieler lediglich: "Wir freuen uns, aber es ist nicht der Moment, um darüber zu reden."

Und so musste die Münchner Zukunft zumindest für einen kurzen Augenblick doch noch der Gegenwart den Vortritt lassen.

© SZ vom 04.07.2020/sonn
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