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Leichtathletik:In der Pandemie lagen auch die Dopingkontrollen auf Eis

Die aktuelle Läufer-Generation kann allerdings auf ein weiteres technisches Hilfsmittel zurückgreifen, das nicht an den Füßen hängt: das sogenannte Wavelight, eine Licht-Technologie. Die an der Innenseite der Bahn installierten LED-Lichter zeigten Cheptegei bereits beim 5000-Meter-Rekord in Monaco an, wie er in der Zeit lag; sie kamen in Valencia erneut zum Einsatz und halfen den Läufern, das Tempo zu halten.

"Ich habe seit sechs Jahren von diesem Rekord geträumt", sagte die mehrmalige Cross-Weltmeisterin Letesenbet Gidey nach ihrem Rennen: "Ich möchte Valencia danken dafür, dass es mir die Chance dazu gegeben hat." 10 000-Meter-Weltmeister Cheptegei sprach nach seinem zweiten Weltrekord innerhalb von zwei Monaten und dem dritten in diesem Jahr (im Februar war er die fünf Kilometer auf der Straße in 12:51 Minuten gelaufen): "Das ist nur die Grundlage für das, was ich in den kommenden Jahren noch erreichen möchte."

Die ungewöhnlich rasanten Fortschritte der Läufer während der Corona-Krise werfen freilich nicht nur wegen der Schuhe Fragen auf, sondern auch in anderer Hinsicht. Die Athleten können zwar nichts dafür, aber wegen der weltweiten Reisebeschränkungen, die es im Frühjahr zur Hochzeit der Pandemie gab, lagen ja auch die Doping-Kontrollen auf Eis - und die Glaubwürdigkeit in der Leichtathletik ist nicht so hoch, dass man allen Akteuren blind vertrauen könnte.

Selbst der legendäre Paavo Nurmi griff ja schon zu unterstützenden Mitteln, wie man heute weiß. 1931 pries er ein Medikament namens Rejuven an: "Ich war verblüfft, wie es den Körper stärkt und kann es Athleten mit einer langen, anstrengenden Wettkampfsaison wärmstens empfehlen." Nach heutigen Regeln würde das Mittel als Anabolikum gelten und wäre damit verboten.

© SZ vom 09.10.2020/schm

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:Unkraut jäten, Schulhaus streichen, Weltrekord laufen

Er lässt das Schwere leicht aussehen: Ugandas Joshua Cheptegei bricht in Monaco die 16 Jahre alte Bestmarke über 5000 Meter. So spitzbübisch wie sein Lauf geraten auch die Erklärungen.

Von Johannes Knuth

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