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Marathon:Streit um den Wunderschuh

Eliud Kipchoge

Unterwegs auf dicken Sohlen: Eliud Kipchoge (Mitte) und seine Helfer beim seinem Rekord-Lauf in Wien.

(Foto: dpa)
  • Der Marathon erlebt eine Rekordflut.
  • Welchen Anteil hat ein neuartiges Laufmodell an der Rekordflut im Marathon?
  • Die Ausdauerszene steckt tief in einer Materialdebatte.

Wenn ein Marathonläufer in diesen Tagen einen Marathon bestreitet, hat der deutsche Ausdauerkönner Simon Stützel neulich erzählt, bekommt er im Anschluss oft zwei Fragen zu hören. Die erste erforscht die Zeit, die zweite, welches Schuhmodell zum Einsatz kam.

Mit Wunderschuh, heißt es dann meist, oder ohne?

Der Marathon hat in den vergangenen Jahren ja einen knackigen Konjunkturaufschwung erlebt, aber in den vergangenen Monaten ist noch mal eine Welle an Zeiten über die Szene hereingebrochen, die seit Beginn der Aufzeichnungen als unerreicht gelten dürfte. Der Kenianer Eliud Kipchoge, zweifellos der beste Marathonläufer seiner Generation, verbesserte den Weltrekord vor einem Jahr um mehr als eine Minute, auf 2:01:39 Stunden. Sein Landsmann Geoffrey Kamrowor steigerte Mitte September die Halbmarathon-Weltbestmarke auf 58:01 Minuten. Ihre Landsfrau Brigid Kosgei zertrümmerte vor drei Wochen sogar Paula Radcliffes 16 Jahre alten Weltrekord (2:15:25) - in 2:14:04. Und auch dahinter drangen viele Profis in neue Regionen vor, wie eine Abenteuerexpedition in unerforschtes Terrain.

Kipchoge brachte in Wien zuletzt gar die Zwei-Stunden-Mauer zum Einsturz, was aufgrund diverser Hilfen aber keinen Eingang in die Sportgeschichtsbücher fand. Was alle Rekordbrecher einte, war das neue Schuhmodell ihres Ausrüsters Nike. Das spende einen derart riesigen Vorteil, fanden manche Konkurrenten, dass sie den Leichtathletik-Weltverband unlängst aufforderten, ein Ermittlungsverfahren einzuleiten.

Aber auch die Konkurrenz bastelt längst fiebrig am Schuh, nicht nur im Straßenlauf. Der deutsche Triathlet Jan Frodeno lief seinen Streckenrekord beim Hawaii-Ironman zuletzt mit Hilfe eines Prototyps, den sein Ausstatter Asics erst im nächsten Jahr auf den Markt werfen will. Und wer auch immer in den Tagen vor dem Marathonklassiker in New York einvernommen wurde, kam nicht an der Materialfrage vorbei. Mary Keitany, die Favoritin am Sonntag bei den Frauen, sagte kühl, sie laufe in "normalen" Schuhen - dabei trainierte die Kenianerin zuletzt ebenfalls in einem Prototyp ihres Sponsors Adidas. Ihre Mitbewerberin Des Linden formulierte es so: "Es sind aufregende Zeiten", sagte die 36-Jährige, "aber sie sind auch sehr verwirrend."