Leichtathletik:Silber, Atemnot, Zusammenbruch

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Leichtathletik: Eindeutig Publikumsliebling: Malaika Mihambo wird schon vor dem Wettkampf gefeiert, später fehlen nur wenige Zentimeter zu Gold.

Eindeutig Publikumsliebling: Malaika Mihambo wird schon vor dem Wettkampf gefeiert, später fehlen nur wenige Zentimeter zu Gold.

(Foto: Memmler/Eibner/Imago)

Malaika Mihambo zeigt trotz Einschränkung einen starken Wettkampf - doch es reicht knapp nicht für den Titel. Am Ende ist die kürzlich an Corona erkrankte Weitspringerin derart verausgabt, dass ihr Kreislauf kollabiert.

Von Karoline Kipper

Sie war der Grund, warum das Stadion am Donnerstagabend trotz Unwetterwarnung und Regen gut gefüllt und das teilweise nasse Publikum gut gelaunt gewesen ist. Als Malaika Mihambo aus den Katakomben kam und auf die für sie typische Weise mit beiden Händen winkte, machte die Geräuschkulisse klar: Sie ist hier die Hauptattraktion, auch wenn 7,03 Meter am Ende nicht zur Titelverteidigung reichten: "Ich hatte kribbelige Beine und habe gemerkt, dass es nicht so ganz stimmt", sagte Mihambo am Freitag, gerade ab Sprung zwei habe sie gemerkt, dass sie an ihre Grenzen komme.

Im Finale wurde den 31 000 Zuschauern im Olympiastadion Dramatik und Spannung geboten. Direkt im ersten Versuch sprang die Serbin Ivana Vuleta-Spankovic 7,06 Meter. Dieser erste Sprung war nicht nur Vueltas Saisonbestleistung, sondern auch der weiteste bei Europameisterschaften seit 1998: "Das war einer der stärksten und schönsten Wettkämpfe meiner Karriere", sagte Vuleta, "ich liebe es, im Regen zu springen."

Mihambo legte bei ihrem zweiten Versuch mit 7,03 Metern nach, darauf folgte eine Reihe guter Durchgänge. Nach dem letzten Versuch meinte das Publikum, einen Gold-Sprung zu sehen, es waren dann aber doch "nur" 6,99 Meter. "Ich hab mich natürlich sehr gefreut, es war ein spannender Wettkampf bis zum Schluss.", sagte sie, "das letzte Quäntchen Glück hat gefehlt."

Mihambo zeigt, dass sie auch kurz nach einer Corona-Infektion über sieben Meter springen kann

Bei den Weltmeisterschaften in Eugene vor einem Monat sprang Mihambo zwar neun Zentimeter weiter als in München. Da war sie aber auch noch nicht mit Corona infiziert gewesen. Im Vorfeld der European Championships konnte sie zehn Tage lang nicht trainieren, bis kurz vor der EM war nicht klar, ob sie überhaupt antreten würde. "Ich fühle mich ganz gut, die 6,99 Meter sprechen ja auch für sich", sagte Mihambo, 28, nach der Qualifikation. Sie merke allerdings, ergänzte sie, dass sie schneller müde werde.

Leichtathletik: Mehr als sieben Meter und das kurz nach Corona: Für Malaika Mihambo war der Donnerstagabend in München ihr wohl bester Wettkampf der vergangenen Jahre.

Mehr als sieben Meter und das kurz nach Corona: Für Malaika Mihambo war der Donnerstagabend in München ihr wohl bester Wettkampf der vergangenen Jahre.

(Foto: Michaela Merk/Imago)

Mihambo flog in München fast 30 Zentimeter weiter als bei ihrem Europameistertitel 2018 in Berlin. Einen 7,30-Meter-Sprung wie in Doha vor drei Jahren bei der Weltmeisterschaft hat sie nur einmal gezeigt, die Titelverteidigung mit 7,12 Metern in Eugene war ihre drittbeste Wettkampf-Weite. Ihr gehört seit Jahren die deutsche Leichtathletik-Bühne: Dreimal hintereinander wurde sie zur Sportlerin des Jahres gekürt. Bei der WM in Eugene und den Olympischen Spielen in Tokio gewann sie als einzige Deutsche eine Goldmedaille. Und jetzt zeigte Mihambo, dass sie auch kurz nach einer Corona-Infektion über sieben Meter springen kann. Das Münchner Publikum feierte sie ausgelassen und sah gegen Ende nochmal einen emotionalen Weitsprungmoment.

Die Britin Jazmin Sawyers steigerte sich auf 6,80 Meter und verdrängte somit die Ukrainerin Maryna Bech-Romantschuk vom Bronzerang. Diese legte in ihren abschließenden Durchgang zwar nochmals all ihre Kraft und sprang weit. Doch ihr Sprung war ungültig, sie hatte übertreten und schrie auf der Bahn ihre Enttäschung hinaus. Noch bei den Interviews weinte Romantschuk.

Ungefähr zur gleichen Zeit berichtete die erschöpfte Malaika Mihambo vor den TV-Kameras bereits von Atemnot. "Ich habe die Müdigkeit schon gemerkt, schon nach dem dritten Versuch", sagte sie, bevor sie kurze Zeit später mehrmals zusammenbrach. "Das war so, als wenn man mir den Stecker für einen Moment gezogen hätte", erklärte Mihambo am nächsten Tag. Erst mehr als eine Stunde nach dem Wettkampf hatte Mihambo mithilfe eines Golfcars aus dem Stadion gefahren werden können: "Ich bin da an meine Grenzen gegangen und ein Stück auch drüber", sagte Mihambo: "Mir geht es deutlich besser als gestern Abend und das ist schon Mal die Hauptsache."

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