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Tennis:Wie Federer sich einen Kassenschlager bastelt

Laver Cup 2019 - Preview Day 3

Selfie mit Team Europe: Roger Federer macht ein Foto von sich und seinen Teamkameraden Alexander Zverev, Dominic Thiem, Fabio Fognini, Stefanos Tsitsipas und Rafael Nadal.

(Foto: Getty Images for Laver Cup)
  • Den Laver Cup, ein Duell zwischen Team Europe und Team World, braucht kein Mensch.
  • Trotzdem ist er eine Erfolgsgeschichte.
  • Das liegt an Roger Federer, seinem enormen Marktwert und seinem Manager Tony Godsick.

Kürzlich hat Forbes wieder eine seiner berühmten Listen veröffentlicht. Diesmal ging es um die Rangfolge der vermögendsten Tennisspieler, auf Platz eins lag wenig überraschend Roger Federer. In den zwölf Monaten von Juni 2018 bis Mai 2019 habe der Schweizer 93,4 Millionen Dollar eingenommen, berichtete das Wirtschaftsmagazin und führte aus, dass sich die Summe aus 7,4 Millionen an gewonnenem Preisgeld sowie 86 Millionen aus Werbeverträgen zusammensetzte. Nicht nur sportlich bleibt Federer also mit seinen 20 Grand-Slam-Titeln der Maßstab im Männertennis, auch hinsichtlich der Selbstvermarktung hängt er alle ab. Das spiegelt sich in diesen Tagen wider. In Genf findet von Freitag bis Sonntag der Laver Cup statt, den Federers Manager Tony Godsick aufzieht. Es ist ein Duell zwischen Team Europe und Team World, das kein Mensch brauchte - und doch als Erfolgsgeschichte zu werten ist.

Wie bei den ersten Auflagen in Prag (2017) und Chicago (2018) treten sechs Europäer gegen sechs Profis aus dem Rest der Welt an. Das Vorbild des nach Rod Laver benannten Cups ist der Ryder Cup im Golf, bei dem nur statt einer globalen Auswahl (zwölf) US-Amerikaner den Gegner Europas bilden. An jedem Tag werden drei Einzel und ein Doppel gespielt (zwei Gewinnsätze, dritter Satz im Match-Tiebreak). Damit die Entscheidung so spät wie möglich folgt, werden für einen Sieg am Freitag je ein Punkt, für Siege am Samstag je zwei Zähler und am Sonntag je drei vergeben.

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"Es wird bestimmt ein unglaublicher, ganz spezieller Event", sagte Federer der Aargauer Zeitung und wies seiner Veranstaltung den Charakter eines Klassenlagers zu - "ja, es ist tatsächlich ein bisschen so". Zum einen mag das so sein, schließlich sind auch diesmal nicht die faktisch besten Vertreter beider Teams nominiert, sondern offensichtlich Spieler, die Federer nahe stehen oder vermarktungstechnisch geeignet sind. Verbündete, wie der Italiener Fabio Fognini oder der Australier Nick Kyrgios, die polarisieren und Zuschauer anlocken. 50 000 sehen in Genf zu, das TV überträgt weltweit. Der Beste der Weltauswahl ist John Isner (USA) als 20. der ATP-Rangliste, sogar dessen Landsmann Jack Sock wirkt mit, aktuell Nummer 210. Sportlich gleichwertig sind die Teams nicht aufgestellt.

Federer profitiert von einem Zwist

Kritiker mögen schimpfen, das Duell sei sportlich wertlos, doch das Konzept ging auf, sich als Tennis-Show mit Granden als Teamchefs (Björn Borg/John McEnroe) in der überfrachteten Turnierlandschaft zu positionieren. Was sicher hauptsächlich am Heldenstatus Federers liegt - und dem Geschick seines Managers. Im Grunde alles an dem Reißbrett-Spektakel ist auf seinen Spieler zugeschnitten.

Federer ist oberstes Werbegesicht, eigene Sponsoren sind mit an Bord. Auch sportlich war Federer bei den ersten Turnieren die Hauptperson. In Prag gewann er das entscheidende Einzel, in Chicago wehrte er drei Matchbälle ab und ebnete Europas Sieg, den dann Alexander Zverev zementierte. Zverev ist seit kurzem Klient von Federers Manager Godsick, der noch ein anderes Kunststück vollbrachte. Obwohl nicht ein ATP-Punkt vergeben wird, ist der Laver Cup nun Teil des ATP-Kalenders. Daran lässt sich die Macht Federers ermessen. Der 38-Jährige profitiert dabei auch vom Zwist der ATP mit dem Weltverband ITF, der beim Thema Davis Cup eigene Wege geht. Beim neuen ATP Cup Anfang 2020 in Australien macht Federer seinerseits mit. Es ist schon ein Geben und Nehmen.

Die Teilnahme rechnet sich im Übrigen natürlich für die Spieler. Jeder Akteur der Siegermannschaft erhält 250 000 Dollar, das Antrittshonorar dürfte mindestens sechsstellig für jeden sein. Glücklich also, wer bei dieser Art von Klassenlager dabei sein darf.

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