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Länderspiel:Kaum jemand will die Nationalmannschaft im Stadion sehen

Frauen-WM 2011 - Deutschland - Japan

Für das Testspiel gegen Finnland hat der DFB bisher kaum Karten verkauft.

(Foto: dpa)

Im Vorverkauf des Spiels gegen Finnland in Gladbach gehen kaum Karten weg und der DFB rätselt: Sind die Tickets zu teuer, der Anstoß zu spät oder das Spiel zu uninteressant?

Während viele Eintrittskarten für das Testländerspiel gegen Finnland auf Abnehmer warteten, ist bei Borussia Mönchengladbach Anfang dieser Woche die Webseite zusammengebrochen. Mehr als 130 000 Karten für drei Champions-League-Heimspiele wurden innerhalb von drei Tagen verkauft. Die 43 000 Tickets für das deutsche Freundschaftsspiel am Mittwoch werden hingegen nicht mehr vollständig weggehen. Mehr als 30 000 Zuschauer werden nicht erwartet - die Verantwortlichen rätseln über die Gründe für das maue Interesse.

Nur gut 20 000 Karten sind weg, andere Tests waren gut besucht

Vielleicht wäre es ein guter Kniff gewesen, für ein Länderspiel in Mönchengladbach einen Mönchengladbacher Fußballer zu nominieren. André Hahn und Lars Stindl befinden sich in ansehnlicher Form, Christoph Kramer gehört sowieso zum erweiterten Kreis der Nationalelf - und der 20-jährige Mahmoud Dahoud harrt als eines der größten Bundesliga-Talente seiner ersten Nominierung. Vermutlich darf ein Bundestrainer so aber gar nicht denken: Fußballer eines bestimmten Vereins auch deshalb zu nominieren, damit zu einem Länderspiel mehr Zuschauer kommen.

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Es ist jedenfalls kein Gladbacher nominiert, und das Interesse der Zuschauer hält sich sehr in Grenzen. Nur gut 20 000 Karten sind im Vorverkauf abgesetzt worden. Nun drängen sich die Fragen auf, ob die Karten (25 bis 75 Euro) für ein Freundschaftsspiel gegen Finnland zu teuer sind, ob ein so später Anstoß angesichts der vielen jugendlichen Fans Sinn ergibt (in Nordrhein-Westfalen sind keine Ferien mehr) - oder ob das Interesse an der Nationalelf generell leidet im Spannungsloch zwischen der kürzlich beendeten Europameisterschaft und der erst an diesem Sonntag in Norwegen startenden WM-Qualifikation.

Der Borussia-Park ist zum sechsten Mal Austragungsort eines Länderspiels. 2005 und 2006 war das Stadion bei Testspielen ausverkauft, 2008 (WM-Qualifikation gegen Wales) und 2014 war es immerhin recht voll. Nur im März 2011 zu einem Freundschaftsspiel gegen Australien kamen schon einmal bloß 30 152 Besucher. "Es gibt wegen Bundesliga, Champions League und Europa League womöglich eine Übersättigung beim Zuschauer", hatte der damalige Assistenztrainer Hansi Flick über die Gründe spekuliert.

Weniger relevant ist dieser Punkt seither sicherlich nicht geworden. Joachim Löw sagt über das neuerlich schwache Interesse Ähnliches: "Nach EM, Olympia und dem Bundesliga-Auftakt sowie angesichts der späten Anstoßzeit und des Umstands, dass die Schule wieder begonnen hat, ist es ein bisschen unglücklich." Löw will ohnehin festgestellt haben, "dass Testspiele der Nationalmannschaft nach einem Turnier nicht so im Vordergrund stehen".

Vor zwei Jahren jedoch war das anders, als Deutschland als frisch gekürter Weltmeister Anfang September in Düsseldorf gegen Argentinien spielte. Das Stadion war mit 51 132 Zuschauern ausverkauft. Alle wollten die Helden von Rio sehen und die Revanche des WM-Finals. Und auch sonst ist es nicht so, dass das Interesse an DFB-Testspielen generell nachlässt. In Berlin kamen im März gegen England 72 000 Zuschauer, in München drei Tage später gegen Italien 62 653 und in Gelsenkirchen im Juni gegen Ungarn 52 104. Es gibt ein treues Stammpublikum, das aber für ein Freundschaftsspiel gegen Finnland an einem späten Mittwochabend nahe der niederländischen Grenze in der Breite vielleicht einfach nicht treu genug ist.

"Ich hoffe, dass doch noch ein paar mehr kommen", sagt Löw, "denn sie werden eine jüngere Mannschaft sehen, Spieler mit Perspektive, das ist doch auch ganz interessant."

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