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FC Bayern:Kovac kämpft

  • Vor dem Champions-League-Gruppenspiel gegen Lissabon gibt sich Bayern-Trainer Niko Kovac kämpferisch.
  • Dabei hat Präsident Uli Hoeneß das Spiel mehr oder weniger zu einem Endspiel für den Trainer erklärt.
  • Arsène Wenger gilt als Favorit auf eine mögliche Nachfolge.

Ganz zum Schluss verliert Niko Kovac doch noch sein Lächeln. Eine Viertelstunde lang hat er geduldig über die Schwierigkeiten des Lebens als aktueller Trainer des FC Bayern gesprochen, über die Verletzten, den kleinen Kader, die Stimmung, und die ganze Zeit hat Kovac so breit gelächelt, als ob er es für ausgesprochen absurd hielte, dass nach nicht einmal fünf Monaten in München bereits über seine Verweildauer in der Stadt diskutiert wird. Dann kommen zwei letzte Fragen.

Ob er Angst habe, dass die Partie an diesem Dienstag in der Champions League gegen Benfica Lissabon seine letzte als Bayern-Trainer sein könnte? Kovac beugt sich zum Mikrofon nach vorne, er spricht leise, sein Gesicht zieht sich so sehr zusammen, dass es das ganze breite Lächeln verschluckt. Kovac sagt fast flüsternd: "Nein." Was ihn so positiv stimme? Kovac bleibt gebeugt, die Stimme hebt er nicht an. "Was soll mich negativ stimmen? Ich bin immer positiv." Dann geht Kovac, aufrecht, und doch völlig in sich zusammengesunken.

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Eine Viertelstunde zuvor betritt Kovac schwungvoll den Pressesaal in der Arena. Dunkelblauer Anzug, weißes Hemd, auf die Krawatte hat er verzichtet, dafür hat er sein breitestes Lächeln angeknipst. Sein ganzer Auftritt soll ein demonstrativ strahlender Kontrapunkt sein zu all den düsteren Prognosen, die ihn begleiten.

"Zurückstecken, aufgeben, die weiße Flagge hissen, das gibt's in meinem Wortschatz nicht."

Gegen Lissabon, hatte der Präsident Uli Hoeneß am Samstag gesagt, werde Kovac "sicherlich" auf der Bank sitzen; für die Tage danach, auch das hatte der Präsident gesagt, gebe es "sicherlich" internen Diskussionsbedarf. Mehr hatte Hoeneß eigentlich nicht über den Trainer gesagt. Und genau auf diese Weise hatte er die Partie gegen Lissabon zu einem ersten und vielleicht schon letzten Endspiel für Kovac erklärt.

Die Debatte hat sich inzwischen so schnell verselbstständigt, dass es bereits einen Namen gibt, der als Favorit auf die Nachfolge gilt: Arsène Wenger, der 22 Jahre lang den FC Arsenal trainiert hat, der Deutsch spricht. Auch andere Namen werden aufgewärmt, zum Beispiel der des Italieners Antonio Conte, über den der frühere Bayern-Trainer Pep Guardiola sagt: "Er ist der Beste." Gegen Conte spricht, dass er kein Deutsch spricht, was auch für den Franzosen Zinédine Zidane gilt. Der ist zwar auf dem Markt, gilt aber als Vertrauter von Carlo Ancelotti, der nach seinem Rausschmiss im vergangenen Herbst wohl nicht nur wohlwollend über den FC Bayern sprechen dürfte. Zumindest am Montagmittag spricht gegen all diese Namen übrigens auch, dass der aktuelle Trainer des FC Bayern weiterhin seiner Arbeit nachgeht.

Der strahlende Kovac darf zunächst einen Satz sagen, der nicht zu seiner Lage passen will: "Es ist genauso gekommen, wie ich mir das vorgestellt habe." Wenige Sekunden später fügt er an: "Mit der Entwicklung kann nicht nur der Trainer, also ich, sondern auch der Klub zufrieden sein." Doch in diesen Sekunden spricht der Trainer, also Kovac, über Renato Sanches, den 21 Jahre alten Portugiesen, den Kovac tatsächlich stabilisiert hat und der am Dienstag auf seinen Heimatklub treffen wird.