bedeckt München 27°

Kongress der Fußball-Fans:Alles außer Pyro

Immerhin wurde so die Stimmung in einer Szene deutlich, die sich vom offiziellen Fußball aufrichtig verkannt fühlt, nicht zuletzt von den Medien, denen Dutzende Redner Panikmache und Gewaltfaszination vorwarfen - und dabei zuweilen ein wenig übers Ziel hinausschossen. Wer von morgens bis abends zuhörte, konnte den Eindruck gewinnen, als seien Fan-Ausschreitungen wie beim Pokalspiel Dortmund gegen Dresden reine Medien-Erfindungen.

Fan-Choreografien im Stadion

Die schönen Seiten der Kurven

Allerdings gelang es manchem Redner auch gut zu dokumentieren, an welchen Stellen die Berichterstattung tatsächlich sensationsheischend ausfiel. Auf der Rückfahrt von einem Auswärtsspiel, berichtete ein Fan, habe einer der 500 Zugfahrer am Hannoveraner Bahnhof einen Böller gezündet. Die Pressemeldung der Polizei habe "500 Fans" und "Randale" thematisiert, worauf eine Zeitung getitelt habe: "500 Fans randalieren am Bahnhof."

Matthias Stein, Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte, präsentierte Zahlen. Nach Angaben der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) hätten in der vergangenen Spielzeit 17,5 Millionen Menschen die Spiele besucht, die laut Polizeiangaben 846 Verletzten stellten einen Anteil von 0,0015 Prozent dar. Auch der Anstieg zur Vorsaison (plus 62 Verletzte) sei ein reines Medienthema.

Alexander Bosch von Amnesty International kritisierte die Polizei, sie kommuniziere zu wenig und greife oft zum "wahllosen Einsatz von Pfefferspray". Amnesty unterstütze auch die Forderung nach einer Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte, um Anzeigen gegen einzelne Beamte ernsthaft verfolgen zu können. Gerne hätte man eine Replik der Polizei gehört - Gewerkschaftsvertreter betonen ja zu Recht, dass ihnen viele Fans vermummt entgegenträten. Doch die Polizei hatte am Tag vor der Veranstaltung "aus terminlichen Gründen" abgesagt.