DFB-Elf bei der Fußball-EM Löw darf sich bestätigt fühlen

Mag Standardsituationen zumindest ein bisschen: Bundestrainer Joachim Löw.

(Foto: REUTERS)

Freistoß, Kopfball, Tor: Früher hielt der Bundestrainer die Simplifizierung des Spiels auf seinen Kern für überflüssig - doch Löw hat Standardsituationen schätzen gelernt.

Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

All jene Charakterdeuter, die die Nationalelf jüngst am Genfer See unter Beobachtung nahmen, hatten sich gar nicht mehr einkriegen können in der Beschreibung dieses lässigsten Germanen, seit Harald Schmidt den TV-Bildschirm frei gemacht hat.

So schlagfertig, so charmant, so gut gelaunt hatten sie den Bundes-Jogi in seiner bald ein Jahrzehnt währenden Amtszeit noch nie erlebt. "Ich empfinde keinen Druck, ich empfinde eher Freude", hatte Löw nach Ankunft am Spielort Lille offenbart - doch vier Minuten nach Anpfiff im Stadion war es mit der demonstrativen Entspanntheit schon vorbei. Manuel Neuer bugsierte den ersten Ball über den Querbalken, und nicht nur der Weltmeistertrainer, die ganze Weltmeisternation geriet fortan ins Schwitzen.

In solchen Augenblicken höchster Transpiration ist es wichtig, dass man sich gut versichert weiß. Hinten ist bei Manuel Neuer der Ball eh in besten Händen - und vorne hilft der Hansi Flick. Der spielte zwar nicht mit, er ist ja auch bereits 51, aber er hatte einigen Einfluss darauf, dass die deutsche Elf gegen die Ukraine ihren 1:0-Vorsprung bis zum Schweinsteiger-Comeback-Tor verwalten durfte. Mehr Einfluss als zum Beispiel Mesut Özil, 27, von dem es bis zur Schweinsteiger-Comeback-Flanke lange nur hieß, er stehe zumindest auf dem Spielberichtsbogen.

Hansi Flick ist heute Sportdirektor beim DFB, aber bis 2014 war er Löws Assistent, und in dieser Zeit, so geht die Sage, hat er die Standardsituationen erfunden. Jedenfalls hat er Löw davon überzeugt, dass man Tore auch so konkret und klar erzielen kann wie dieses 1:0 in der 19. Minute: Freistoß Kroos, Kopfball Mustafi, zwei Kontakte, 1:0.

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Ruhig mal wie die Briten

Löw hatte diese Form der Simplifizierung des Spiels auf seinen Kern lange für überflüssig gehalten. Erst vor der WM in Brasilien konnte Flick seinem Chef einflüstern, dass man es ruhig einmal wie die Briten versuchen könne. Das Resultat ist bekannt: Fünf Standardsituationen halfen durch die WM, viermal wurde nach einer Ecke, einmal nach Freistoß schnörkellos ins Netz getroffen.

Wie gut es sich mit den einfachen Lösungen leben lässt, wenn die komplizierten nicht greifen, wie sehr es hilft, mit einer simplen Freistoß-Tor-Variante alle Unsicherheiten am Turnierstart übertünchen zu können, hat dieses 1:0 gezeigt. Auch Wales (Gareth Bale) und England (Erik Dier) schönten ihren Auftakt mit Hilfe eines Freistoßes. Die Briten pflegen ihre Tradition - der Weltmeister liegt seinem Standard gemäß im Trend.

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