FCK unter Friedhelm Funkel:Mit jedem Trainer etwas schlechter

FCK unter Friedhelm Funkel: Das gefällt ihm nicht: Friedhelm Funkel beim 0:4 gegen Karlsruhe.

Das gefällt ihm nicht: Friedhelm Funkel beim 0:4 gegen Karlsruhe.

(Foto: Andreas Schlichter/Getty Images)

Beim Heim-Debüt unter Friedhelm Funkel, dem dritten Coach binnen einer Saison, erlebt Zweitligist 1. FC Kaiserslautern gegen Karlsruhe einen Tiefpunkt. Der Routinier versucht, den Fans Hoffnung zu machen - mit Verweis auf seine Routine.

Von Christoph Ruf

Es gab am Samstag einige Indizien dafür, dass fast 50 000 Menschen einem Etikettenschwindel aufsaßen, als sie sich Karten für ein "Derby" gekauft haben. Zum einen war beim Schlusspfiff allerhöchstens noch die Hälfte der 50 000 Zuschauer vor Ort, zehn Minuten vor Abpfiff wirkte der Rahmen schon eher drittklassig als derbyhaft. Zum anderen war da dieses eindeutige Ergebnis, 4:0 für Karlsruhe, das das einseitige Kräftemessen nach Toren von Marvin Wanitzek, Igor Matanovic, Paul Nebel und Budu Zivzivadze bestens widerspiegelte.

Drittens war nur eine Seite in Derby-Laune, während die Lauterer schon beim Stand von 0:0 so spielten, als lägen sie uneinholbar zurück. Julian Krahl, der bei keinem Karlsruher Tor etwas machen konnte, weil seine Vorderleute zuvor nicht viel gemacht hatten, war bedient: "Wir haben einfach nur einen Riesenhaufen Scheiße zusammengespielt", sagte Lauterns Torwart. "Das ist eine bodenlose Frechheit, was wir heute abgeliefert haben."

Das konnte man so stehen lassen, wenngleich die Frage unbeantwortet blieb, wie eine Mannschaft, die in der Woche zuvor beim 1:1 in Nürnberg zumindest Zweitliga-Durchschnitts-Fußball gezeigt hatte, in solch einem wichtigen Spiel nicht konkurrenzfähig sein konnte. Der Karlsruher SC hat in dieser Saison eine fußballerisch eher überdurchschnittlich begabte Zweitligamannschaft beisammen. Sie ist allerdings weder jung noch schnell. Umso vielsagender, dass der KSC gegen den FCK nicht nur gedanklich flinker wirkte, sondern auch physisch. Die vorgegebene Lauterer Taktik, sicher zu stehen und durchgehend in Manndeckung zu agieren, funktionierte nicht. Korrigiert wurde sie bis zum Schlusspfiff nicht.

Die Mehrheit der FCK-Fans leidet still vor sich hin.

Umso bemerkenswerter war es, dass die 45 000 Lautern-Fans so höflich mit dem Vortrag auf dem Rasen umgingen. Natürlich gab es vereinzelte Pfiffe. Und natürlich stellten nach dem Spiel ein paar Anhänger aus der Westkurve das Team zur Rede. Doch kollektive Wutausbrüche blieben aus, die Mehrheit litt still vor sich hin und machte sich ab der 75. Minute heimlich, still und kopfschüttelnd auf den Nachhauseweg. Allerdings müsste eine Abstimmung mit fliehenden Füßen eigentlich für die Verantwortlichen noch alarmierender sein als wütender Protest. Schließlich gehört der "Betze" zu den wenigen Stadien der Republik, in denen die Fans noch bis zum Schlusspfiff bleiben.

Genauso zivilisiert hatte sich vor Beginn der Partie auch der Anhang der Gäste gezeigt, als eine Trauerminute für den verstorbenen Andreas Brehme abgehalten wurde, bei der auch die Karlsruher schwiegen und danach dem FCK-Helden applaudierten. Mit vielen Bildern aus seiner Lauterer Zeit (1981 bis 1986 und 1993 bis 1998) wurde Brehmes gedacht, der für eine der schönsten Anekdoten im kollektiven Gedächtnis der Lautern-Fans verantwortlich ist. 1996 wollte der damalige FCK-Kapitän seine Karriere eigentlich beenden. Nachdem dann jedoch der Abstieg feststand - und ein ikonisches Foto entstanden war, auf dem Rudi Völler im Leverkusener Trikot den völlig aufgelösten Mit-Weltmeister tröstete -, blieb er, ging mit dem FCK in die zweite Liga und wurde in der übernächsten Saison als Aufsteiger noch mal Meister.

Nun, gut 25 Jahre später, überlagert in Kaiserslautern erneut die Angst vor einem Abstieg alle anderen Gedanken. An anderen Orten, zu anderen Zeiten führt eine Leistung wie der Lauterer Elf am Samstag zu Trainer-Rauswürfen. Doch der FCK hat in dieser Saison schon zweimal den Trainer gewechselt: Um einen von ihm ausgemachten Abwärtstrend abzuwenden, hat Sportdirektor Thomas Hengen im November Dirk Schuster entlassen - zu einem Zeitpunkt, als die Mannschaft auf Platz elf stand. Unter Dimitrios Grammozis ging es dann rasant begab, weshalb Mitte der vorletzten Woche Friedhelm Funkel verpflichtet worden war, eine Nachricht, die in der Pfalz mit größtem Wohlwollen registriert worden war. Zumal der 70-Jährige bei seinem ersten Spiel in Nürnberg (1:1) immerhin einen Zähler holte.

Funkel sagt immerhin, er habe Situationen erlebt, die "noch bitterer" waren

Jetzt also dieses 0:4 gegen den KSC, an dem es nichts schönzureden gab. Auch nicht von Funkel selbst, der versuchte, den Glauben am Leben zu halten, dass da jemand übernommen habe, der allein aufgrund seiner Erfahrung um die Dinge weiß. Er habe in seiner Laufbahn "schon andere Situationen mit Mannschaften gehabt, die genauso bitter waren, oder sogar noch bitterer". In Rostock werde man am kommenden Wochenende wieder "eine andere Mannschaft sehen".

Das wäre keine schlechte Idee, schließlich trifft man am Samstag dann als Drittletzter auf den punktgleichen Vorletzten. Ebenfalls eine gute Idee wäre es, nicht nur auf den kommenden Gegner zu schauen, sondern auch auf den letzten: Der KSC hat einen der kleinsten Etats der Liga und dennoch zehn Punkte mehr beisammen als Kaiserslautern. Er zählt zu den spielerisch stärksten Teams der Liga, weil er einen Trainer hat, der genau diese Art von Fußball spielen lassen will - und dem das auch erlaubt wird: Christian Eichner ist seit mehr als vier Jahren Trainer am Wildpark. Der FCK hat seither sechs seiner Kollegen verschlissen.

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