1. FC Kaiserslautern:"Man muss die zweite Liga als Geschenk sehen"

1. FC Kaiserslautern: Routinier im Tor des 1. FC Kaiserslautern: Der erfahrene Andreas Luthe.

Routinier im Tor des 1. FC Kaiserslautern: Der erfahrene Andreas Luthe.

(Foto: IMAGO/Fotostand / Schmitt/IMAGO/Fotostand)

Andreas Luthe ist mit 35 Jahren neuer Stammtorwart in Kaiserslautern und einer von vielen Routiniers, die den Traditionsklub in der Liga halten sollen. Denn vier Jahre in der Drittklassigkeit haben die Pfälzer etwas Neues gelehrt: Demut.

Von Christoph Ruf, Kaiserslautern

Andreas Luthe ist gerade im Umzugsstress, doch auch ein Gespräch über die Freisprechanlage eines Autos kann sich um Grundsatzthemen des Fußballs drehen. Zumindest dann, wenn genau die ausschlaggebend dafür waren, dass der künftige Stammtorwart des 1. FC Kaiserslautern überhaupt am Betzenberg gelandet ist: "Für mich als Spieler machen die Menschen, die man täglich trifft, einen Fußballverein aus. Das sind die Berührungspunkte zum Klub", sagt Luthe also, während im Hintergrund das Klack-Klack des Blinkers zu hören ist. "Man kann bei vielen Vereinen in der ersten und zweiten Liga vernünftig arbeiten", sagt er, "aber es gibt eben noch die andere Komponente: die Verwurzelung in Stadt und Region. Und da merke sicher nicht nur ich, welche Wucht der FCK hat."

Luthe, 35, ist 15 Jahre lang beim VfL Bochum sozialisiert worden, danach spielte er vier Jahre beim FC Augsburg und zuletzt zwei bei Union Berlin - allesamt familiär geführte Traditionsvereine. Dass er hierbei auch den FCA in einem Atemzug mit den Fanmagneten aus Köpenick und der pfälzischen "K-Town" nennt, verteidigt Luthe übrigens offensiv: "Augsburg wird oft in einen Topf mit den neuen Konstrukten des Fußballs gesteckt. Das halte ich nicht nur wegen der FCA-Geschichte für falsch, sondern auch deshalb, weil der Verein in der Stadt und eigentlich in ganz Bayerisch-Schwaben das Nonplusultra ist."

Zu vernehmen ist auch, mit welch dezentem Sarkasmus Luthe über "modernen Fußball" spricht - das beweist endgültig, dass die Wahl seiner Arbeitsplätze kein Zufall war. Luthe hat es gerne stimmungsvoll im Heimstadion, und er mag es, wenn ihm beim Ausflug ins Umland viel Glück fürs nächste Spiel gewünscht wird. Er sieht das so, obwohl er weiß, dass Tradition allein als Faktor nicht reicht: "Die Erfolge der Vergangenheit bedeuten nicht, dass du irgendwas reißt", betont er, "RB (Leipzig) und Hoffenheim haben sicher einiges richtig gemacht, aber eben auch mit einer ziemlichen monetären Macht. Das ist der moderne Fußball."

Da trifft es sich gut, dass der FCK die neue Zweitligasaison an diesem Freitag (20.30 Uhr) gegen Hannover 96 eröffnet - ein Duell, das so ganz nach dem Geschmack des Traditionalisten Luthe ist. Es wird eine ziemlich volle Auswärtsfankurve geben und eine ausverkaufte Heimtribüne. Letzteres wird wahrscheinlich auch in den anderen 16 FCK-Heimspielen so sein, denn nach dem Aufstieg haben die Pfälzer bereits mehr als 17 000 Dauerkarten verkauft. All das kann Luthe am Freitag genießen, schließlich trägt er erstmals am "Betze" das richtige Torwarttrikot: "Ich habe hier schon viele Schlachten geschlagen, stand dabei aber immer im anderen Tor und musste versuchen, die Atmosphäre auszublenden. Deswegen freue ich mich sehr auf das Spiel. Zumal ich glaube, dass diese Stimmung noch etwas freisetzen kann."

Mit bis zu 40 000 Zuschauern rechnen sie beim FCK, die letzten drei Heimspiele in der dritten Liga waren mit jeweils 49 000 Fans sogar ausverkauft. Ins Stadion von Gegner Hannover passen genauso viele Menschen, doch dort kamen zuletzt nur 14 100 im Schnitt. Und das ist nicht der einzige Unterschied zwischen den beiden Traditionsklub: hier die Niedersachsen, die Jahr für Jahr mit riesigem finanziellem Aufwand an der Rückkehr in die erste Liga arbeiten - und vergangene Saison mit Ach und Krach in der Liga blieben. Dort der FCK, dessen Anhang nach langen vier Jahren in der Drittklassigkeit einiges an Bescheidenheit gelernt hat. Zumindest hofft das der neue Keeper Luthe: "Man muss die zweite Liga als Geschenk sehen, das du nicht wieder verspielen darfst. Dafür müssen alle jeden Tag kämpfen."

Neu in Kaiserslautern ist auch Erik Durm, ein Weltmeister von 2014

Fast wortgleich formuliert das auch Dirk Schuster so, der erst im Mai in Kaiserslautern das Traineramt übernahm und den FCK in zwei Relegationsspielen gegen Dresden in die zweite Liga hievte. Unter seiner Regie betrieben die Pfälzer seit dem Aufstieg eine Personalpolitik gegen den Ligatrend. Während die meisten Zweitligisten ihre Kader verjüngten, setzten Schuster und Sportdirektor Thomas Hengen auf zusätzliche Routine für einen Kader, der sowieso schon zu den ältesten der Liga gehört hätte. FCK-Stammspieler wie der wiedergewählte Kapitän Jean Zimmer, 28, Hendrik Zuck, 31, Terence Boyd, 31, Kevin Kraus , 29, oder Mike Wunderlich, 36, sind schon gesetzteren Alters. Nun kamen Luthe, 35, Angreifer Ben Zolinski, 30, und Erik Durm, 30, hinzu.

Durm stand 2014 in Brasilien in Joachim Löws Weltmeister-Kader, er gibt als gebürtiger Pirmasenser glaubwürdig seine Vorfreude auf Spiele im FCK-Dress zu Protokoll. Lediglich Lex-Tyger Lobinger, Sohn des früheren Weltklasse-Stabhochspringers Tim Lobinger, zählt bei den Zugängen mit 23 Jahren zu den jüngeren Semestern. Allen Neuen darf man jedoch zutrauen, die spielerische Qualität eines Kaders zu erhöhen, der in der vergangenen Saison mit viel Kampf und auch etwas Glück aufstieg.

Wie viele andere beim FCK könnte sich auch Andreas Luthe gut vorstellen, dass mittelfristig auf dem Betzenberg auch mal wieder Erstligafußball zu sehen ist. Vorausgesetzt, Lautern übersteht die nun beginnende schwerste Saison seit langem ohne größere Turbulenzen.

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