Oliver Kahn beim FC Bayern:Kahn bezeichnet Nübel als "Talent" und Neuer mehrmals als "Welttorhüter"

Zu Beginn der neuen Zeitrechnung gesteht Kahn gleich, dass es für ihn "reizvoll" sei, "vielleicht noch eine Schippe draufzulegen" - was angesichts der Erfolge von Hoeneß und Rummenigge ein ambitioniertes Vorhaben ist. Schon in den vergangenen Monaten war Kahn bei wichtigen strategischen Fragen eingebunden. Doch erst wenn er weitere Einblicke gewonnen habe, sagt er, könne er "sinnvolle Aussagen machen, was veränderbar ist". Doch er kommt auch mit einer eigenen Meinung, und er scheut sich nicht, diese mitzuteilen. Eine eigene Meinung hat er zum Beispiel bei einem Thema, das den Klub gerade umtreibt, ein Thema, bei dem kaum jemand so kompetent reden kann wie Kahn: beim sich anbahnenden Konkurrenzkampf zwischen dem aktuellen Torwart Manuel Neuer sowie dem Sommer-Zugang Alexander Nübel. Einen Spieler wie den 23 Jahre alten Schalker ablösefrei zu holen, bezeichnet Kahn als eine "sehr, sehr kluge strategische Entscheidung" des Vereins. Doch dass nun ein offener Kampf um den Platz im Tor entstehen könnte, dass Neuer dabei Spiele an Nübel abzugeben habe (was Neuer am Montag kategorisch abgelehnt hat): Danach klingt es nicht, wenn Kahn über dieses Thema spricht. Wie heute Neuer wollte einst auch der Torwart Kahn weiter, immer weiter jede Sekunde selbst spielen, und das Vorstandsmitglied Kahn scheint es daher auch keineswegs so zu sehen, dass Neuer seinem möglichen Nachfolger zu Spielpraxis verhelfen müsse.

Kahn bezeichnet Nübel als "Talent" und Neuer mehrmals als "Welttorhüter", er sagt: "Jeder - jeder! -, also auch Alexander Nübel, muss ja seinen eigenen Weg gehen." Kahn betont, dass Nübel "ganz deutlich gemacht" habe, "dass das sein Weg ist, dass er sich in einigen Jahren bei Bayern München als die absolute Nummer eins sieht - dass er aber auch bereit ist, von so einem großartigen Welttorhüter, wie Manuel Neuer einer ist, zu lernen". Bei Kahn bleibt Neuer also nicht nur die unhinterfragte Nummer eins - er bekommt quasi gleich noch eine Vertragsverlängerung angeboten; der aktuelle Vertrag von Neuer, 33, endet 2021, zu früh also, um Nübel "einige Jahre" lang warten zu lassen, wie Kahn das sagt.

Vor einigen Monaten noch hatte Kahn Nübel in einem Interview von einem Wechsel zum FC Bayern abgeraten; bevor dieser Nationaltorhüter sei, könne der Schritt nach München "schnell nach hinten losgehen". Kahn hatte damals Nübel empfohlen, bei Schalke zu bleiben. Angesprochen auf dieses Zitat sagt Kahn jetzt nicht, dass er seine Position überdacht habe, er bleibt vielmehr dabei, dass dieser Weg niemals der Weg des jungen, ehrgeizigen Torwarts Kahn gewesen wäre: "Dieser Schritt erfordert von Alexander Nübel einen extremen Mut. Das ist ein sehr, sehr mutiger Schritt, es ist sein Weg, und diesen Weg gilt es zu akzeptieren." Er werde demnächst mit allen Beteiligten sprechen, kündigte Kahn an, "und dann werde ich", er verbessert sich, "oder dann werden wir sehen, wie wir dieses Thema handhaben werden". Womöglich überzeugt der zukünftige Vorstandschef also den zukünftigen Stammtorwart doch noch davon, dass es besser wäre, sich erst einmal ausleihen zu lassen - bislang lehnt Nübel dieses Modell offenbar ab.

Es klingt also ganz so, als ob sie beim FC Bayern gespannt sein dürfen, auf welche Ideen dieses lockere, selbstironische neue Vorstandsmitglied, das doch eigentlich erst einmal von Rummenigge lernen soll, bei seinen Gesprächen in den nächsten Monaten sonst noch so kommen wird.

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