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Investor beim TSV 1860 München:Geschäftsführer Schäfer vollzieht brisanten Umschwenk

Der Oscar für den politisch brisantesten Umschwenk des Jahres ging am Sonntag aber an Geschäftsführer Schäfer, der es in den letzten Monaten unter Präsident Dieter Schneider stets vermieden hatte, sich im Machtkampf zwischen Ismaik und altem Präsidium zu positionieren. Nun wurde auch er deutlich. Die Ereignisse bei der Pressekonferenz am Freitag habe er "zur Kenntnis genommen", sagte Schäfer: "Die Vorgehensweise ist genau abgestimmt gewesen, und Herr Ismaik ist dann vorgeprescht und einen eigenen Weg gegangen. Für die Außendarstellung des Vereins war das nicht förderlich." Warum der Verein bis Dienstag überhaupt gleich zwei Raten einfordere? "Weil das Geld fest zugesagt war. Es war Teil einer Abmachung, von unserem Investmentplan."

Solche Spitzen waren bislang nur von Dieter Schneider und seinen ehemaligen Vizepräsidenten zu hören gewesen. Jetzt also erstmals auch von Schäfer, der sich für seine Antworten sehr viel Zeit nahm, sich dafür sogar entschuldigte, um seine Worte mit Bedacht zu wählen: "Wir haben seitens des Vereins jetzt alles unternommen, um auf Ismaik zuzugehen. Wir haben uns auch mit seiner Kultur beschäftigt." Ja, und sie hatten eigens den Präsidenten getauscht - allein diesen Satz sprach Schäfer nicht aus.

Eine Zeit lang geisterte am Sonntag das Gerücht durchs Stadion, Hassan Shehata würde erstmals erscheinen, jener 63-jährige ehemalige Nationaltrainer Ägyptens mit einer Vorliebe für zutiefst gläubige Profifußballer (die bei Sechzig derzeit durchaus rar sein dürften), dessen sportlicher Expertise Ismaik in Zukunft vertrauen möchte. Shehata erschien aber nicht.

Doch auch in dieser Causa gab sich Schäfer ungewohnt direkt: "1860 München bekommt sicher keinen neuen Berater, sondern nur Hasan Ismaik. Das kann auch nicht schaden. Er (Ismaik, d. Red.) ist jetzt keiner, der im Fußball viel gemacht hat, bevor er bei uns war." Deutlicher konnte er den fußballerischen Sachverstand des Jordaniers, der schon einmal den gealterten Sven-Göran Eriksson bei Sechzig durchdrücken wollte, kaum öffentlich in Frage stellen. Überhaupt sei Ismaiks Umgang mit Hinterberger, "wie auch der mit Alexander Schmidt nicht fair", sagte Schäfer: "Aus den eigenen Reihen so viel Feuer zu bekommen, und Ismaik gehört zur eigenen Reihe, ist nicht in Ordnung. So kann man mit mir als Geschäftsführer umgehen, nicht aber mit meinen Leuten."

Am Dienstag werde er auf das Vereinskonto blicken, wenn das Geld bis dahin nicht eingegangen sei, sagte Schäfer, "dann gehen wir unseren bisherigen Weg weiter". Ob er den Vertrag von Hinterberger verlängern wird, sollte Ismaik nicht überwiesen haben? "Ich bin auf alles vorbereitet", sagte er nur, und: "Ich lasse Florian Hinterberger sicher nicht hängen."

"Ich erwarte mir von jedem Menschen Respekt"

Dabei hat Alexander Schmidt sportlich mal wieder nicht allzu große Werbung in eigener Sache betrieben am Sonntag. Nach dem Führungstreffer von Daniel Halfar (58.) hätte Sechzig den Sieg vielleicht verdient gehabt, doch Cottbus kam mit seiner einzigen, immerhin fein herausgespielten, Chance noch zum Ausgleich (70.). Wie so oft. Und in den Katakomben der Arena stöhnte mal wieder Benny Lauth, der Kapitän: "Wir hätten das Spiel gewinnen müssen, sind in Führung gegangen gegen einen Gegner, der uns nicht gerade überrannt hat." Tja, wahrlich nicht, und "wenn du so ein Spiel nicht gewinnst, dann wirst du niemals oben ran kommen".

Da passte es zum politischen Tage, dass Trainer Schmidt eine andere Strategie zum Joberhalt erwählte. Maximale Konfrontation nämlich, auch er entsandte Worte an Ismaik: "Unabhängig vom Kulturkreis erwarte ich mir von jedem Menschen Respekt." Viel Glück damit, Herr Schmidt.

© SZ vom 08.04.2013/mane

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