HSV-Trainer Mirko Slomka Das Glück ist aufgebraucht

Euphorisch in Fürth: HSV-Coach Mirko Slomka (mi.) kurz nach dem Schlusspfiff

(Foto: dpa)

Beim Hamburger SV hat sich unter Mirko Slomka wenig bis nichts verbessert. Trotzdem darf sich der Trainer nun als Retter feiern lassen. Lediglich als Moderator aufzutreten, wird in der kommenden Saison jedoch kaum reichen.

Von Saskia Aleythe, Fürth, und Carsten Eberts, Hamburg

Als der Schlusspfiff ertönt, streckt Mirko Slomka die Arme nach oben, geht leicht in Rückenlage und formt ein Gesicht der Erleichterung. Seine Spieler sind längst gen Gästeblock gehuscht, fast alle haben sich ihrer Trikots entledigt. Der Trainer des Hamburger SV steht am Spielfeldrand, seriös wie immer: im grauen Wollpullover, aus dem der Kragen eines weißen Hemdes blitzt.

Großes Gejohle dringt aus der Kabine, als er wenig später seine Mannschaft aufsucht. "Die Saison war kräftzehrend für alle", wird er danach noch verkünden, "deswegen ist die Erleichterung jetzt umso größer."

Slomka steht nun als Retter da, als der Coach, der den historischen ersten Bundesliga-Abstieg des HSV vermieden hat. Es gab selten einen glücklicheren Klassenerhalt für einen Bundesligisten. Und es gab auch selten einen Trainer, der mehr Dusel hatte.

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Gleich nach der Partie in Fürth hat der Trainer das einzige getan, was ihn in Hamburg bisher wirklich ausgezeichnet hatte: Slomka moderierte. Wütende Fürther stürmten auf ihn zu, aufgebracht von Lasoggas unsportlicher Geste, sie wollten ihm an den Kragen, mindestens. Slomka warf sich dazwischen, beschwichtigte, hob beruhigend seine Arme. Am Ende, sagte der Trainer, sei alles gar nicht so schlimm gewesen.

Slomka lächelte viel weg, was beim HSV schief lief. Also jede Menge. 27 Punkte erreichte der Klub in 34 Spieltagen - seit Wiedereinführung der Relegationsspiele war kein Verein mit einer derart miesen Bilanz in der Liga verblieben. Die Lage war schon kritisch, als Slomka am 17. Februar als dritter HSV-Trainer in der aktuellen Spielzeit seine Arbeit aufnahm. Bert van Marwijk musste nach sieben Niederlagen in Serie seinen Posten räumen. Slomka schaffte es in den verbleibenden 15 Spielen (inklusive Relegation) zu wenig überragenden 13 Punkten.

In Hannover galt Slomka als Taktiker, der seiner Mannschaft ein neues Gesicht verpasst hatte. 96 wurde zur besten Kontermannschaft der Liga, trug diesen Ruf bis weit nach Europa hinein. Erkennbare Amtshandlungen von Slomka beim HSV: Er holte Michael Mancienne und Petr Jiracek zurück ins Team, die bei seinen Vorgängern in Ungnade gefallen waren, und setzte auf die bis dato wenig berücksichtigen Milan Badelj und Ivo Ilicevic.