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St. Pauli vs HSV in der 2. Bundesliga:"Dann bringt der ganze Videobeweis nichts"

2. Liga: Hinspiel FC St. Pauli gegen HSV in der Saison 19/20

St. Paulis Dimitrios Diamantakos trifft gegen Stadtrivale Hamburger SV per Kopfball zur Führung.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Der Hamburger SV hat erstmals seit Februar 1960 auswärts bei seinem Stadtrivalen FC St. Pauli verloren.
  • Durch die erste Saisonniederlage (0:2) verpasste der HSV den Sprung zurück an die Tabellenspitze der zweiten Bundesliga.
  • Dimitrios Diamantakos köpfelte St. Pauli in Führung, ein Eigentor von HSV-Kapitän Rick van Drongelen brachte die Entscheidung.

Die Profis des FC St. Pauli haben das aus ihrer Sicht "atemberaubende" Spiel (Mittelfeldspieler Marvin Knoll) mit einer Banderole gefeiert, die sie ihren 26 000 aus dem Häuschen geratenen Fans und den 3000 deprimierten HSV-Unterstützern nach dem Schlusspfiff vorzeigten: "Hamburg ist braun-weiß". So etwas macht man nur nach einem Derby, insbesondere dann, wenn ein peinliches 0:4 gegen die sonstige Nummer eins der Stadt gerade 190 Tage her ist und der letzte Sieg am heimischen Millerntor gegen den Hamburger SV sogar fast 60 Jahre zurückliegt. Es war ein 4:1 am 13. Februar 1960.

Das 2:0 im ersten von zwei Spielen um die Hamburger Stadtmeisterschaft 2019/2020 war auch nach Meinung des HSV-Trainers Dieter Hecking "Werbung für die Fußballstadt Hamburg". Allerdings mit Einschränkungen aus dem Blickwinkel des HSV - nicht nur, weil das Derby nicht in Liga eins stattfand. Da war die erste halbe Stunde, in der der bisherige Tabellenführer "kein Derby-Spiel" zeigte, wie Aaron Hunt kritisierte. Da liefen die Favoriten den bissigeren und sie früh angreifenden Außenseitern hinterher. Das hatte Folgen in Minute 18. Nach einem Kopfball von Knoll an den Pfosten war Dimitrios Diamantakos schneller als van Drongelen und beförderte den Rückpraller ebenfalls per Kopf im Tiefflug ins Netz.

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Aber es brauchte für die Fußballer von der Reeperbahn auch ein wenig Glück, nämlich in Gestalt des Schiedsrichter-Assistenten Holger Henschel. Der war aus etwa 80 Metern Entfernung der Meinung, dass die von Bakery Jatta in der 45. Minute hereingetretene Flanke aus dem Aus kam, weshalb Schiedsrichter Sven Jablonski das per Hacke erzielte Tor von Lukas Hinterseer nicht anerkannte. Dabei gab es, wie Hecking feststellte, "auf der wichtigsten Linie des Stadions keine Kamera", also auf der Torlinie. "Dann bringt der ganze Videobeweis nichts", fügte er an, denn es konnte weder ergründet werden, ob der Ball außerhalb des Spielfeldes war oder eben nicht. Selbst der unermüdliche St. Pauli-Antreiber Knoll räumte, nachdem er die TV-Aufnahmen gesehen hatte, ein: "Ich glaube nicht, dass der Ball in vollem Umfang im Aus war."

Das aberkannte Tor hatte Auswirkungen. Der verhinderte Torjäger Hinterseer konnte fortan seine Beine nicht mehr sortieren. In der 57. Minute hätte er ein weiteres Mal das 1:1 machen müssen. Doch er schoss sich, freistehend vor dem Tor, quasi selbst an. So sprang die Kugel noch über die Torlatte. Und wie es bei historischen Siegen manchmal ist, trug der Gegner noch zum Triumph bei. Als St. Paulis überragender Spiellenker Mats Möller Daehli einen Freistoß in den HSV-Strafraum zirkelte, Knoll den Ball passieren ließ, kickte Rick van Drongelen ihn, bedrängt von Diamantakos, zum 2:0 ins eigene Netz.

Zwar hatte der HSV mit den Einwechslungen von Hunt und Zugang Martin Harnik längst die Dominanz übernommen, doch am Ende hätte es auch, wie St. Paulis Trainer Jos Luhukay etwas überspitzt konstatierte, 7:3 für die Heimmannschaft ausgehen können. Zumindest gab es gegen die aufs Tempo drückenden Gäste eine ganze Reihe von Konterchancen - allein vier in den letzten zehn Minuten, wobei Möller Daehli noch den Pfosten traf (82.). In dieser Phase wurde deutlich, dass der neue Coach Luhukay mit der "Mentalitätsveränderung" vorangekommen ist, wie er sagte.

Noch zu Saisonbeginn, als Luhukay das Team und den ganzen Verein heftig kritisierte ("Es müssen nicht alle Freude miteinander sein"), habe man "mutlos" agiert, bekannte Knoll. Noch bei den Heimspielen gegen Fürth (1:3) und Kiel (2:1) wollten sich wegen Luhukays kraftraubendem Stil "fünf, sechs Leute mit Krämpfen auswechseln lassen", erinnerte sich der Trainer. Diesmal seien es nur noch zwei gewesen. Besonders stolz ist Luhukay zudem, dass gegen den HSV gleich fünf Spieler im Alter von 19, 20 und 21 Jahren zum Einsatz kamen. Das waren der gerade vom englischen Premier-League-Klub Brighton and Hove Albion ausgeliehene Norweger Leo Östigard in der Innenverteidigung, Finn Ole Becker, Christian Conteh aus dem eigenen Nachwuchs sowie der Engländer Matt Penney und der gerade aus Salzburg geleaste Malier Youba Diarra.

Die Talente wiederum können sich inzwischen an einem Gerüst mit erfahreneren Profis anlehnen. Der erst Ende August vom RSC Anderlecht geborgte walisische Nationalspieler James Lawrence spielt mit seiner Ruhe und Kopfballstärke eine wichtige Rolle. Dazu kommen Keeper Robin Himmelmann (der dreimal fantastisch gegen den HSV rettete), der immer stärker werdenden Regisseur Möller Daehli (Luhukay: "Ich weiß auch nicht, wo der sich die Energie abholt"), Rädelsführer Knoll und der Stürmer Diamatakos, der gerade sein viertes Saisontor erzielte.

Die HSV-Fans wiederum könnten sich ein Vorbild an Dieter Hecking nehmen, der den Sieg des Stadtrivalen als "verdient" bezeichnete. Sie selber haben, wie die überschwänglichen Ultras von St. Pauli, mal wieder mit dem für den Klub teureren Pyro-Feuer gespielt. Am Ende kamen wirkten ihre dunklen Rauchwolken wie das Werk schlechter Verlierer.

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