Hoeneß-Aus in Hoffenheim:Edgar Wallace lässt grüßen

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Hoeneß-Aus in Hoffenheim: Fand mit dem Verein keinen Konsens zur künftigen Ausrichtung: Sebastian Hoeneß.

Fand mit dem Verein keinen Konsens zur künftigen Ausrichtung: Sebastian Hoeneß.

(Foto: Oliver Zimmermann/foto2press/IMago)

Schon wieder eine "einvernehmliche" Trennung: Dabei war das Aus von Sebastian Hoeneß bei der TSG Hoffenheim noch vor wenigen Wochen nicht zu erahnen. Es gab offenbar Meinungsverschiedenheiten.

Von Philipp Selldorf

Das aktuelle Geschehen in der Fußball-Bundesliga weckt makabre Assoziationen. Die fortgesetzten Trainerentlassungen gleichen dem Handlungsmuster in den Klassikern der Edgar-Wallace-Reihe - es gilt das Prinzip: Einer nach dem anderen. Anders als im "Indischen Tuch" oder in "Die toten Augen von London" scheiden die Betroffenen zum Glück jedoch nicht aus dem Leben, sondern lediglich von den Vereinen, bei denen sie bisher gutes Geld verdient haben.

Nach Adi Hütter und Markus Weinzierl, die am Samstag in Mönchengladbach und Augsburg ihren Abschied nehmen mussten, und Florian Kohfeldt, der am Sonntag in Wolfsburg dran war, erwischte es am Dienstag Sebastian Hoeneß in Hoffenheim. Die unterschiedlichen Fälle werden durch ein gemeinsames Merkmal vereint: Wie Borussia Mönchengladbach und der VfL Wolfsburg hat auch die TSG 1899 ausdrücklich von einer "einvernehmlichen" Entscheidung berichtet.

Das Einvernehmen besteht im jüngsten Fall darin, dass sich alle Beteiligten darin einig waren, sich nicht mehr einig zu werden. In seiner vom Verein verbreiteten Abschiedsbotschaft hat Hoeneß, 40, die unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten deutlich benannt: "In den zurückliegenden Wochen haben wir eine intensive Analyse unserer gemeinsamen Arbeit vorgenommen und dabei keinen Konsens über die zukünftige Ausrichtung gefunden", erklärte der ehemalige Trainer, "daher ist auch aus meiner Sicht eine einvernehmliche Trennung folgerichtig."

Schon länger herrschte in den lokalen Medien ein kritisches Klima

Noch vor zwei Monaten war eine solche Konfrontation nicht mal zu erahnen. Die TSG stand auf einem Champions-League-Platz und schien dort nicht durch Zufall hingelangt zu sein. Doch im abschließenden Saisonviertel gelang kein einziger Sieg mehr, nach drei Unentschieden in neun Spielen landeten die Hoffenheimer auf dem neunten Platz. In Mönchengladbach gab es zum Abschluss ein laues 1:5, nachdem Hoeneß zuvor angekündigt hatte, er wolle auf keinen Fall von seiner Mannschaft einen Ausklang mit "Sommerfußball" sehen. Dass er hinterher anmerkte, wegen diverser Verletzungsfälle habe er sein "letztes Aufgebot" einsetzen müssen, ließ ihn auch nicht überzeugender aussehen.

Schon länger herrschte in den lokalen Medien ein kritisches Klima, Manager Alexander Rosen erneuerte aber bis zum Wochenende immer wieder seine Bündniserklärungen. Zuletzt lobte er Hoeneß noch als "coolen, ehrlichen Typ", der "kein Schaumschläger" sei. Nun äußerte er in der Klubmitteilung, "die alles entscheidende Frage..., ob wir als Klub in dieser Konstellation unbelastet in eine neue Spielzeit starten können" habe man "gemeinsam negativ beantwortet".

Dass sich am Ende einer Saison mindestens fünf Klubs auf Trainersuche befinden, das hat es in der Geschichte der Bundesliga noch nicht gegeben: Außer Gladbach, Augsburg, Wolfsburg und Hoffenheim benötigt auch der Aufsteiger Schalke 04 einen neuen Coach, Hertha BSC könnte sich nach erfolgreich überstandener Relegation als Nummer sechs dazugesellen.

In Gelsenkirchen hatten die Verantwortlichen zwar schon vor zwei Monaten gewusst, dass sie einen Nachfolger für den Interimscoach Mike Büskens brauchen würden. Unklar war jedoch, in welcher Liga dieser antreten sollte. Ein Wunschkandidat soll in der vorigen Woche abgesagt haben. Vielleicht, weil er angesichts der absehbaren Entwicklung in anderen Vereinen ein stabileres Engagement in Aussicht hatte? Mancher zurzeit stellungslose Trainer ist jetzt in einer guten Verhandlungsposition, da könnte sich ein - siehe oben - makabrer Verdrängungswettkampf anbahnen. Dem VfL Wolfsburg wird bereits ein geplanter Überfall auf den Ligakonkurrenten VfL Bochum nachgesagt: Angeblich will der VW-Klub Sportchef Sebastian Schindzielorz und Trainer Thomas Reis abwerben.

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