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Benedikt Höwedes bei Lok Moskau:Stilles Comeback des Weltmeisters

Trotz Platzwunde: Höwedes reist mit Moskau nach Leverkusen

Trotz Platzwunde: Benedikt Höwedes hofft auf seinen Einsatz in Leverkusen.

(Foto: Dmitry Feoktistov/dpa)
  • Benedikt Höwedes kehrt am Mittwochabend in der Champions League mit Lokomotive Moskau nach Deutschland zurück.
  • Das Gastspiel in Leverkusen ist eine wegweisende Partie für die beiden Teams.
  • Höwedes ist derzeit so gut in Form wie lange nicht - und fernab der Heimat hat er sich zum Titelsammler entwickelt.

Große Abende mit einem Wickelverband um den Kopf ist Benedikt Höwedes ja fast schon gewohnt. Der Innenverteidiger schmeißt sich arbeitsplatzbedingt in einige Kopfballduelle, und da kommt es in der Kontaktsportart Fußball zwangsläufig zu Zusammenstößen. 2011 wuchtete er einmal als junger Schalker Kapitän die Trophäe des deutschen Supercups mit blauem Turban um den Kopf nach oben. Im Elfmeterschießen hatten die Schalker den Lokalrivalen Borussia Dortmund bezwungen. Später, Anfang 2017, führte Höwedes mit einem Kopfverband S04 zu einem 1:1 beim FC Bayern.

Insofern brachte das vergangene Wochenende keine weltbewegenden Neuheiten. Wieder stieß Höwedes, nun bei Lokomotive Moskau angestellt, im Spiel bei PFK Sotschi mit einem Gegenspieler zusammen, allein die Bilder gaben einen Anhaltspunkt dafür, wie schmerzhaft es gewesen sein musste. Höwedes blutete heftig, die Ärzte verbanden ihn. Der Verteidiger wurde danach ausgewechselt, zumindest das war also neu. "Der Schmerz geht. Die Punkte bleiben!", schrieb Höwedes später über sein Bild mit verbundenem Kopf bei Twitter. 1:0 gewann Moskau, der altbekannte Glücksbringer mit Kopfbrummen tat seinen Dienst.

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An diesem Mittwoch startet der Weltmeister von 2014 nun mit seinem Klub in der Champions League und kehrt dabei zurück nach Deutschland: Höwedes spielt bei Bayer 04 Leverkusen (21 Uhr im SZ-Liveticker). Wenn er denn wieder mitwirken kann, muss man dazu sagen. Die Entscheidung wird erst am Spieltag fallen. "Ich will spielen", sagt er zumindest selbst im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Es dürfte ja auch eine wegweisende Partie in der Gruppe sein, beide Teams sind krasse Außenseiter neben Atlético Madrid und Juventus Turin.

Letzterer ist ein Ex-Klub von Höwedes, der vor einem Jahr in der Gruppenphase der Königsklasse auch schon den FC Schalke 04 traf und unter großem Jubel der Fans in die Arena zurückkehrte, 16 Jahre spielte er zuvor für Schalke. "Das war ein Spiel, bei dem ich oft zweimal schauen musste, dass ich nicht den falschen Mann anspiele oder fast aus langjähriger Gewohnheit in die Heim-Kabine gelaufen wäre", erinnert sich Höwedes. "Blau und Weiß ein Leben lang", sangen die Anhänger, als sich ihr ehemaliger Kapitän von ihnen unter Tränen verspätet verabschiedete, nachdem ihm der damalige Trainer Domenico Tedesco zuvor keine Stammplatzgarantie mehr gab und Höwedes leise erst nach Italien und dann nach Russland ging. Irgendwann, hofft er, zu seinem Herzensklub zurückzukehren. Es gebe "aber auch Gedanken, dass ich mich mittelfristig noch stärker in gesellschaftlichen und sozialen Themen engagiere".

Fernab von Schalke läuft's für Höwedes

Aktuell sei das aber überhaupt kein Thema. Warum auch? Höwedes geht es prächtig in Russland, er stieg zuletzt wieder zu großer Form auf. In Moskau hat er sich gut eingelebt als Stammspieler, nur ums Geldverdienen geht es ihm wie anderen Legionären in Russlands Hauptstadt definitiv nicht (wenngleich sich sein Verdienst wohl nicht verschlechtert hat gegenüber den Schalker Zeiten).

"Das Vokabular, um auf dem Platz Kommandos zu geben, beherrsche ich mittlerweile sehr gut, was extrem wichtig ist", sagt er, der zu einer der Führungsfiguren einer ganz ansehnlichen Mannschaft aufstieg: Neben ihm verteidigt der frühere Leverkusener Vedran Corluka im Abwehrzentrum, Joao Mario spielt im Mittelfeld, und im Sturm üblicherweise der Ex-Schalker Jefferson Farfan, der gegen Leverkusen in seiner Karriere schon an sechs Toren direkt beteiligt war. In diesem Jahr kann er aber wegen einer Knieverletzung nicht mehr mitspielen. Stattdessen stürmt wohl Éder, Portugals Siegtorschütze im EM-Finale 2016, oder Russlands WM-Teilnehmer Fedor Smolov.

Und fernab vom FC Schalke und der deutschen Berichterstattung entwickelt sich Höwedes im Herbst seiner Karriere zum Titelsammler, seine Auslandsstationen hübschen seine Vita mittlerweile ganz schön auf: Erst brachte es der Innenverteidiger zum italienischen Double aus Meisterschaft und Pokalsieg mit Juventus 2018, dann zelebrierte er den russischen Pokalsieg und Supercupsieg 2019 mit Lokomotive. Davor wurde er schon 2014 als Linksverteidiger und damit Teil der sog. Ochsenabwehr Weltmeister mit der deutschen Nationalmannschaft, mit der U21 holte er die Europameisterschaft 2009. Derzeit liegt er mit den Moskauern nur drei Punkte hinter dem Spitzenreiter FK Krasnodar in der russischen Liga, die Meisterschaft ist ihnen durchaus zuzutrauen.

Die Stadt Moskau sei "sehr weltoffen", berichtet Höwedes. Es gibt aber trotzdem noch Momente im Osten Europas, in denen der Deutsche für neue Erfahrungen und Erstaunen im Land der WM 2018 sorgt. "Der Koch meiner Mannschaft Lok Moskau war fassungslos, als ich ihm bei unserem ersten Treffen gesagt habe, dass ich keine tierischen Produkte esse", schrieb Höwedes einmal in seiner Kolumne bei t-online.de. Manch Spaß gehe beim Essen daher immer noch auf seine Kosten. "Da stehe ich aber mittlerweile längst drüber. Ich bin heute so lange verletzungsfrei, wie schon ewig nicht mehr." Mit Ausnahme der Kopfverletzungen höchstens, aber vor denen sind Innenverteidiger im Fußball nicht gefeit.

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