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Weißrussland gegen Deutschland:Entwicklung nach unten

Ohne Hleb aber kommt Weißrusslands Team recht bieder daher. Der bekannteste Kicker ist jetzt der Kapitän und Innenverteidiger Alexander Martynowitsch, der beim russischen Klub FK Krasnodar unter Vertrag steht. Das Gros des aktuellen 23-Mann-Kaders stellen die nationalen Spitzenklubs aus Brest und Borissow (insgesamt 13). In der EM-Gruppe wiederum sind die Weißrussen zwar chancenlos, aber immerhin nicht Tabellenletzter - und das komplizierte Qualifikationsverfahren ermöglicht ihnen noch eine Teilnahme an den Playoffs im Frühjahr. Es wäre das erste Mal, dass sich Weißrussland für ein großes Fußball-Turnier qualifiziert.

Aber trotz dieser Aussicht geht die Entwicklung in Weißrusslands Fußball tendenziell nach unten. Hleb und andere Protagonisten monieren seit Jahren Defizite. Aus ihrer Sicht gibt es kein richtiges Zukunftskonzept und keine angemessene Nachwuchsförderung. Das Niveau der heimischen Liga ist insgesamt recht schwach. Und das Budget des Verbandes ist zwar überschaubarer als in benachbarten Ländern, aber zugleich der politische Einfluss ähnlich groß.

Weißrusslands autokratischer Präsident Alexander Lukaschenko versteht den Sport traditionell als Bühne für sein Regime. Er ist zwar in erster Linie ein Mann des Eishockeys. Aber in diesem Sommer stiegen in Minsk die Europaspiele, und auch im Fußball sind Interventionen sichtbar. Schon verschiedene EM-Endrunden für Junioren fanden in Weißrussland statt, und für 2022 hinterlegte Lukaschenko jüngst den Wunsch, den europäischen Supercup auszurichten. Mithilfe chinesischer Investoren soll in Minsk ein neues Stadion entstehen, obwohl das bisherige gerade erst eine Generalsanierung hinter sich hat. Und auch im Fußballverband positionierte Lukaschenko natürlich Vertraute.

Bis vor Kurzem ging er dabei sogar so dreist vor, dass den Verband der Premierminister Sjargej Rumas höchstselbst anführte - entgegen aller üblichen Beteuerungen, dass Fußball und Politik getrennt zu sein hätten. Im Frühjahr gab Rumas sein Fußball-Amt dann ab, und es übernahm Basanow, ein Mann aus dem Militär, der zu den Veteranen des Afghanistan-Krieges zählt und inzwischen Abgeordneter im weißrussischen Parlament ist. Vor ein paar Jahren war er auch schon mal im Fußball aktiv gewesen - just als Präsident von Dinamo Brest. Dann kam es dort zu einem heftigen Streit. Und bis heute ist das Verhältnis so, dass Basanow bei seiner Wahl entgegen der üblichen weißrussischen und fußballpolitischen Gepflogenheiten von Brests Delegierten keine Ja-Stimmen erhielt.

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