Deutschland bei der Eishockey-WM:Mit leeren Händen ins Turnier

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Deutschland bei der Eishockey-WM: Gut dagegengehalten, aber zu früh in Rückstand geraten: NHL-Verteidiger Moritz Seider, links, gegen Kanadas zweimaligen Torschützen Pierre-Luc Dubois.

Gut dagegengehalten, aber zu früh in Rückstand geraten: NHL-Verteidiger Moritz Seider, links, gegen Kanadas zweimaligen Torschützen Pierre-Luc Dubois.

(Foto: Antti Aimo-Koivisto/Lehtikuva/Imago)

Das deutsche Eishockeyteam unterliegt Weltmeister Kanada zum WM-Auftakt 3:5, zwischendurch sieht es nach einer deutlicheren Niederlage aus. Am Samstag gegen die Slowakei wartet der nächste schwere Brocken.

Von Johannes Schnitzler, Helsinki

Vielleicht hätte man Marco Nowak fragen sollen, wie er das Wiedersehen mit Eric O'Dell so findet. Aber der Düsseldorfer Verteidiger fehlt bei dieser Eishockey-Weltmeisterschaft wegen einer Verletzung aus der Saisonendphase. O'Dell war der kanadische Profi, der im Februar bei den Winterspielen in Peking Nowaks Olympia-Premiere nach fünf Minuten mit einem höllischen Check verdarb und das Selbstvertrauen der deutschen Mannschaft gründlich erschütterte. 1:5 hieß es zum Auftakt gegen Kanada, 0:4 am Ende gegen die Slowakei, Aus noch vor dem Viertelfinale.

Am Freitag zum Auftakt der WM in Helsinki hieß der Gegner wieder: Kanada. Sie trachteten nicht nach Revanche, hatten die deutschen Spieler und Bundestrainer Toni Söderholm betont. "Es stehen jetzt andere Mannschaften auf dem Eis", sagte Verteidiger Korbinian Holzer. Neun Spieler aus dem deutschen Team sind erstmals bei einer WM, aus Kanadas Olympiateam ist nur noch einer dabei: Eric O'Dell. Aber der hatte sich bei Nowak entschuldigt, die Sache sei vorbei. Erledigt. Abgehakt wie Olympia. Die Deutschen wollten einfach gut in dieses Turnier starten, am besten mit einem Sieg gegen den Weltmeister, wie er ihnen 2021 gelungen war (3:1) und sie bis ins Halbfinale trug. "Wir werden unser bestes Spiel machen müssen", orakelte Kapitän Moritz Müller.

Sie machten ein ordentliches Spiel und verloren 3:5 (0:2, 1:3, 2:0). Zwischendurch fühlte es sich an wie ein höllischer Check.

"Ein paar Momente im ersten Drittel haben und das Spiel gekostet", sagte Söderholm. "Kanada ist ein sehr effizienter Gegner. Aber wir müssen uns nicht verstecken." Im Kader der deutschen Mannschaft finden sich immerhin drei NHL-Profis. Philipp Grubauer stand im Tor und musste nach nicht einmal zehn Sekunden seine erste Parade zeigen; Moritz Seider, 21, bildete wie 2021 mit Kapitän Müller, 35, ein auch namentlich reizvolles Doppel (Mo/Mo), Tim Stützle sollte den Angriff beleben. Im Kader von Kanadas Chefcoach Claude Julien: ausschließlich NHL-Spieler - bis auf O'Dell, der bei Dynamo Moskau sein Geld verdient, am Freitag aber nicht zum Einsatz kam.

Nach der frühen Schrecksekunde musste Grubauer gegen Drake Batherson, Teamkollege von Stützle in Ottawa, gleich wieder sein Können zeigen. Gegen Cole Sillinger, mit 18 Jahren der jüngste Kanadier, war er dann schon chancenlos (9.). Das 0:1 weckte ungewollte Erinnerungen an Olympia: ein Mal im Spielaufbau geschlampt, sofort von Kanada bestraft.

"Wir haben das Spiel unnötig wieder aus der Hand gegeben", sagt Marc Michaelis

Die Deutschen spielten durchaus gefällig nach vorne, mussten nun aber umso mehr aufpassen, den Kanadiern nicht zu viel Raum zu geben. Zwei Minuten vor der ersten Pause stand es 0:2, Pierre-Luc Dubois kopierte einfach das 0:1. Zwei Fehler, zwei Gegentore: Der Weltmeister prüfte die von Söderholm eingeforderte Resilienz der Deutschen. "Wir haben uns selber in den Fuß geschossen und den Kanadiern die Scheiben immer in die Mitte hingelegt", sagte Grubauer. "Da haben wir uns ein Ei gelegt. Wenn wir die Scheibe besser rausbringen, verbringen wir auch weniger Zeit in unserer Zone." So wie im zweiten Abschnitt.

Drei Torschüsse in den ersten zwei Minuten machten Mut. Und dieser Mut wurde belohnt: Seider provozierte Kanadas Goalie Logan Thompson zu einem Abpraller, den Marc Michaelis ins Netz schob (28.). Ein Tor kanadischer Bauart. Aber Kanada schlug hart zurück: zwei Strafzeiten, zwei Treffer (32./34.), gefolgt vom 1:5 (38.). Noch vor der zweiten Pause war das Peking-Ergebnis erreicht. "Wir haben das Spiel unnötig wieder aus der Hand gegeben", sagte Michaelis.

Der Widerstand des DEB-Teams war zumindest angeknackst. Letzter Hoffnungsschimmer: eine Überzahl mit zwei Mann zu Beginn des dritten Drittels, und das schnelle 2:5 durch Matthias Plachta (42.). Die Deutschen bekamen sogar noch mal eine 5-gegen-3-Situation. Seider verkürzte auf 3:5 (52.), zumindest das letzte Drittel ging an Söderholms Team, das es in den letzten Minuten mit einem weiteren Feldspieler für Grubauer versuchte. Aber das Spiel bekamen sie nicht mehr zurück in ihre Hände.

Man darf gespannt sein, wie sich das deutsche Team, Version 5/2022, davon erholt. Viel Zeit bleibt nicht. Bereits am Samstag (19.20 Uhr, Sport1 und Magentasport) wartet der nächste Gegner. Die Slowakei, der Olympiadritte.

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