Hannover 96 Schlappe für Kind - die Opposition siegt

Hannover-Präsident Martin Kind bei der Mitgliederversammlung.

(Foto: Peter Steffen/dpa)
  • Martin Kind erlebt bei der Mitgliederversammlung von Hannover 96 eine schwere Schlappe.
  • Der Aufsichtsrat des Vereins wird künftig ausschließlich mit Kind-Kritikern besetzt sein.
  • "Das wird jetzt sicher nicht einfach", sagte Kind am Samstagabend. Als Präsident des Stammvereins war er zuvor schon zurückgetreten.
Von Carsten Scheele, Hannover

So hatte sich Martin Kind seinen Abschied als Präsident von Hannover 96 nicht vorgestellt. Als das Abstimmungsergebnis bekannt gegeben wurde, brach lauter Jubel aus in der Swiss Life Hall. Kinds Kritiker klatschten ab, manche fielen sich in die Arme. Sie stellen im neuen Aufsichtsrat, der am Samstag auf der Mitgliederversammlung gewählt wurde, gleich fünf von fünf Mitgliedern. Im Verein bedeutet dies einen Umsturz - für Kind einen empfindlichen Machtverlust.

Seine Kritiker wurden bislang "die Opposition" genannt. Jetzt stellen sie die Mehrheit. "Heute ist der Tag, an dem wir wieder zueinander finden", jubilierte Ralf Nestler, Kind-Kritiker und vermutlich Chef des neuen Aufsichtsrats, nach den Streitereien der vergangenen Monate. Nestler sitzt künftig gemeinsam mit dem früheren 96-Profi Carsten Linke, Jens Boldt, Lasse Gutsch und Nathalie Wartmann im Gremium. Die Kandidaten aus dem Kind-freundlichen Lager erhielten deutlich weniger Stimmen.

Die neuen Machtverhältnisse werden schon bei der Wahl von Kinds Nachfolger als Vereinspräsident greifen: Der neue Aufsichtsrat wird in einigen Tagen Sebastian Kramer ernennen, einen erklärten Kind-Kritiker und früheren Fanbeauftragten, der künftig das oberste Vereinsamt inne haben wird. Der zeigte sich vom Votum überrascht: "Dass es so klar ausfällt, hätte ich nicht erwartet", sagte Kramer am Samstagabend.

Eine Provinzposse, die für den gesamten Fußball steht

Für Kind brechen damit harte Zeiten an. Als Präsident tritt er ab, Geschäftsführer der ausgegliederten Profigesellschaft (sowie einiger Untergesellschaften) und Hauptinvestor möchte er aber bleiben. Als solcher kämpft er weiterhin für eine Ausnahmeregelung von der umstrittenen 50+1-Regel, mit der er als Hauptgesellschafter die finanzielle Macht bei Hannover 96 übernehmen würde. Der Fall liegt aktuell vor dem Ständigen Schiedsgericht der DFL.

"Das wird jetzt sicher nicht einfach", sagte Kind nach der Versammlung. Er sah tief betroffen aus. Ob dies ein guter oder schlechter Tag für 96 sei, wurde er gefragt. Kind antwortete kühl: "Das wird die Zukunft zeigen."

Der allmächtige Hörgeräteunternehmer gegen seine Kritiker - von außen betrachtet mochte es wie eine Provinzposse wirken, doch was an diesem Samstag in Hannover geschah, steht für den Fußball im ganzen Land. Der 96-Aufsichtsrat besteht nun ausschließlich aus Gegnern von Kinds 50+1-Politik - die Mitglieder befinden sich damit mehrheitlich auf der Linie der Traditionalisten im Land. Gegen den noch größeren Einfluss von Investoren im deutschen Fußball, pro 50+1 in jetziger Form.