Handball-WM Ein Lärm, als wären sie schon im Finale

Hendrik Pekeler lässt sich auch von wilden Tatoos nicht schrecken. Hier trifft er gegen Islands Torwart Bjorkvin Pall Gustavsson.

(Foto: Martin Meissner/AP)
  • Die deutsche Handball-Nationalmannschaft gewinnt ihr erstes Hauptrundenspiel bei der WM mit 24:19 gegen Island.
  • Obwohl die Mannschaft einen nervösen Auftritt zeigt, sind die Hoffnungen auf das Halbfinale absolut intakt.
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Von Carsten Scheele, Köln

Die Rückkehr der deutschen Handballer in ihr "Wohnzimmer", wie die Kölner Arena in Handballkreisen genannt wird, wurde mit Krawall zelebriert. Eine besondere Geschichte verbindet die Mannschaft mit der Halle im Stadtteil Deutz, hier wurde Deutschland 2007 Weltmeister und zumindest der damalige Halbfinalkrimi gegen Frankreich, so glauben viele, wäre nicht gewonnen worden ohne die Unterstützung von den Rängen. Nochmal knapp 6000 Zuschauer mehr als in der Vorrunde in Berlin, wo 13.500 Zuschauer reinpassten, drängen sich in Köln ums Spielfeld. Und mancher Nationalspieler schaute während der Partie ergriffen vom Parkett auf die Ränge, weil ein solch tosender Lärm herrschte.

Die innige Beziehung zwischen den Kölnern und den deutschen Handballern bekamen am Samstagabend im ersten WM-Hauptrundenspiel die Isländer zu spüren. Zwar leistete sich das DHB-Team einen zeitweise doch sehr nervösen Auftritt, nach dem 24:19 (14:10) sind die Hoffnungen auf das Halbfinale bei der Heim-WM aber absolut intakt. "Das Publikum hat uns durch das Spiel getragen, das sind Momente, von denen ich noch meinen Kindern erzählen werde", sagte ein sichtlich berührter Paul Drux nach dem Partie der ARD.

Deutschland bei der WM

Wo bei den Handballern noch Potenzial verborgen liegt

Die Rechnung ist nun klar: Ein weiterer Sieg und ein Unentschieden in den beiden ausstehenden Partien gegen Kroatien (Montag, 20.30 Uhr) oder Spanien (Mittwoch, 20.30 Uhr) könnten genügen, um ins Halbfinale einzuziehen; für die Isländer wird das Turnier dann beendet sein.

Die Deutschen gingen durch einen Treffer von Mittelmann Martin Strobel in Führung, doch das half nur kurz, um die herrschende Zitterigkeit vor dieser Kulisse zu kontrollieren. Zwar fanden alle wichtigen Mannschaftsteile zunächst gut in die Partie: Steffen Fäth verwandelte seine ersten beiden Bälle aus dem Rückraum, Uwe Gensheimer verwertete auf Linksaußen, auch Hendrik Pekeler fing den Ball einhändig am Kreis und bugsierte ihn ins Tor. Als Patrick Wiencek in der Abwehrmitte einen Wurf von Aron Palmarsson blockte und anschließend auffordernd die Hände hob, antworteten die 19.250 Zuschauer in der Arena mit einem Gebrüll, als sei gerade der Finaleinzug perfekt gemacht worden. Doch Prokops Team gab den erarbeiteten Vorteil mit einigen Ungenauigkeiten selbst aus der Hand.

Nach der Pause bleibt Islands Spitzenmann Palmarsson auf der Bank

Zwei Hinausstellungen in den ersten zehn Minuten trugen dazu bei, erst musste Fabian Wiede vom Platz, dann Wiencek - die Isländer kamen so wieder heran (12. Min, 5:5). Gingen sogar in Führung, als Gensheimer aussichtsreich positioniert an Torwart Bjorgvin Pall Gustavsson scheiterte und Palmarsson einen Hüftwurf ins Ziel brachte. Als Fäth dann auch noch ein Stürmerfoul beging, sprang die gesamte deutsche Bank auf. Könnte dieses Spiel auch schief gehen?

Die Isländer hatten zuvor als machbarster Gegner in der Hauptrundengruppe gegolten. Das kleine Land hatte gleich seine ersten beiden Spiele bei dieser WM verloren, gegen die Schwergewichte Kroatien (27:31) und Spanien (25:32), sich danach mit Siegen über Bahrain, Japan und Mazedonien noch in die Hauptrunde gerettet. Mit klarem Spiel schaffte es die Mannschaft von Trainer Gudmundur Gudmundson jedoch, das deutsche Team vor Probleme zu stellen. Es dauerte bis zur 25. Minute, ehe das DHB-Team wieder einen Drei-Tore-Vorsprung herauswerfen konnte. Jetzt mischte auch der am Freitag nachnominierte Kai Häfner im linken Rückraum mit. Mit 14:10 ging es in die Pause. "Die Pausenführung war sehr wichtig. Wir wussten immer: Wenn wir unsere beste Leistung zeigen, werden wir Island zuhause schlagen", sagte Prokop nach dem Spiel.

In der Halbzeit wurde der Geburtstag von Joachim Deckarm gefeiert, dem Weltmeister von 1978, der sich ein Jahr später bei einem Sturz auf den Betonboden einer ungarischen Handballhalle schwere Kopfverletzungen zuzog und seitdem auf fremde Hilfe angewiesen ist.

Nach Wiederanpfiff blieb Islands Spitzenmann Palmarsson mit einer Blessur auf der Bank sitzen, doch das deutsche Spiel blieb fahrig. Wiencek brachte einen Fünf-Meter-Pass im Tempogegenstoß nicht zu Pekeler, dann scheiterte Gensheimer mit einem Siebenmeter-Heber an Gustavsson. Dafür stand die Abwehr nun gut, und auch die Isländer spielten fehlerhaft: Als Kristjansson nur die Unterkante der Latte traf, schmiss Paul Drux den Ball übers ganze Feld ins leere isländische Tor (36. Min, 16:11).

Noch einmal kam Island auf zwei Tore heran, noch einmal stemmte sich das deutsche Team dagegen. Erst als Torwart Andreas Wolff einen freien Wurf von Sivaldi Gudjonsson parierte und Drux mit dem Treffer zum 23:17 die erste Sechs-Tore-Führung des Abends herauswarf (56.), konnte das Publikum befreit auflärmen und "Viva Colonia" singen. Der Arbeitssieg zum Hauptrundenstart war geschafft. Um am Montag gegen die starken Kroaten zu bestehen, wird aber eine Leistungssteigerung nötig sein.

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