bedeckt München 20°

Handball-Weltmeisterschaft:Im Testspiel-Modus

Polen - Deutschland

Mit Licht und Schatten. Hier pariert Torwart Andreas Wolff gegen Polens Arkadiusz Moryto.

(Foto: Sascha Klahn/dpa)

Die ersatzgeschwächte deutsche Nationalmannschaft verfällt in ihrem letzten Spiel bei der Weltmeisterschaft gegen Polen in die alten Fehlermuster und rettet gerade noch ein 23:23-Unentschieden.

Von Ralf Tögel

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat die Weltmeisterschaft in Ägypten mit einem 23:23-Unentschieden gegen Polen abgeschlossen. Die Auswahl des Deutschen Handballbunds (DHB) konnte dabei nicht an die zuvor gezeigten guten Ansätze anknüpfen, zeigte eine über weite Phasen der Partie schwache Leistung und verpasste einen versöhnlichen Turnierabschluss.

Es waren ja schon denkbar schlechte Voraussetzungen, mit denen die deutsche Auswahl nach Nordafrika geflogen war. Die Corona-Pandemie ließ so gut wie keine Vorbereitung zu, dann sagten in Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek, Steffen Weinhold und Finn Lemke vier vor allem für die Abwehr eminent wichtige Akteure die Teilnahme ab und schließlich fielen auch noch eine Handvoll Spieler verletzt aus. Neun Stammkräfte galt es für Gislason zu ersetzen, was der Isländer zwar mit der für ihn typischen Ruhe anging, letztlich aber doch eine zu große Hypothek für das angestrebte Viertelfinale war.

Bundestrainer Alfred Gislason hatte diese besondere Weltmeisterschaft ja bereits vor drei Tagen zum Vorbereitungsturnier umdeklariert, da bezwangen die Ungarn in der Hauptrunde Polen und verbauten den Deutschen endgültig den Weg in das zum Minimalziel erklärte Viertelfinale. Die beiden letzten Partien sollten Gislason folglich Erkenntnisse auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Tokio bringen, sofern diese im Sommer stattfinden werden. Mitte März nämlich muss Deutschland in Berlin mit Schweden, Slowenien und Algerien um zwei Olympiatickets ringen. Eine Aufgabe, die ohne Zuschauer und angesichts der in Ägypten gezeigten Leistungen als ambitioniert anzusehen ist.

Mit der letzten Aktion rettet Torhüter Andreas Wolff gegen den freien Kreisläufer das Unentschieden

Boten die Deutschen im ersten so genannten Olympia-Testspiel gegen Brasilien noch eine gute Leistung und gewannen klar mit 31:24 Toren, offenbarte das letzte WM-Spiel dieser zusammengewürfelten Auswahl noch einmal schonungslos deren Defizite. Die Auftritte gegen die Südamerikaner und zuvor trotz Niederlage gegen Europameister Spanien hatten ja Anlass zur Hoffnung gegeben, gegen Polen verfiel die DHB-Auswahl in die bekannten Fehlermuster. Die Abwehr offenbarte immer wieder große Lücken, weil die Absprachen nicht passten, Eins-gegen-Eins-Situationen verloren wurden oder die gegnerischen Werfer zu zaghaft bearbeitet wurden. Auch Torhüter Andreas Wolff konnte keine entscheidenden Akzente setzen.

Die kamen auf der Gegenseite vom polnischen Schlussmann Adam Morawski, der auch zum besten Spieler der Partie gewählt wurde. Dessen Paraden wurden aber zum großen Teil von der deutschen Abschlussschwäche befeuert: Egal ob Julius Kühn, der im bisherigen Turnierverlauf stark aufspielende Regisseur Philipp Weber oder der wuchtige Paul Drux, immer wieder wurden freie Würfe vergeben. Immerhin hatte Kapitän Uwe Gensheimer seinen besten Tag in Ägypten erwischt, so konnten die Deutschen das Spiel zur Pause mit 11:12 Toren immerhin offen gestalten.

Der erhoffte Schub, wie im Spiel gegen Spanien, blieb aber aus, vielmehr häuften sich die technischen Fehler, die Abschlüsse blieben stabil schlecht und die Defensive wackelig. Die Polen, die maximal zur erweiterten Weltspitze zu zählen sind, setzten sich auf bis zu drei Toren Vorsprung ab und sahen lange wie der Sieger aus. Die deutsche Auswahl, die in dieser Konstellation ebenfalls nicht höher einzuschätzen ist, musste sich in Sachen Einstellung und Einsatz erneut keinen Vorwurf machen, war aber von einer Parade von Wolff gegen den freien Kreisläufer abhängig, um wenigstens die Niederlage zu vermeiden. Beste Werfer waren Weber und David Schmidt mit je vier Treffern, Drux, Gensheimer und Marcel Schiller trafen je dreimal. Gislason, der für die Olympia-Qualifikation wieder mit den in Ägypten fehlenden Spielern plant, zog angesichts der Umstände ein versöhnliches Fazit: "Ich bin stolz auf die Mannschaft, auch wenn man das nicht immer gesehen hat."

© SZ
Zur SZ-Startseite

MeinungDeutsche Handball-Nationalmannschaft
:Eine Enttäuschung, aber keine Krise

In Ägypten verpassen die deutschen Handballer frühzeitig das ausgegebene Ziel - und doch ist die Lage nicht so dramatisch, wie sie auf den ersten Blick aussieht.

Kommentar von Joachim Mölter

Lesen Sie mehr zum Thema