Handball in Katar:Europas Topspieler schauen kurz vorbei

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"Die Atmosphäre bei Punktspielen war wie bei Trainingsspielen, außer ein paar Funktionären sitzen da vielleicht 30 Leute in der Halle", sagt er. Emotionen? Null. "Die reichen Männer reagieren auch nicht, klatschen nicht, schauen nur zu."

Und doch locken die Kataris seit Jahren immer wieder europäische Topspieler in ihr Land, wenn auch in der Regel nur kurzzeitig. Der Europäische Handballverband (EHF) belegt mittlerweile Spieler mit Restriktionen, die nur für die Klub-WM zu einem katarischen Verein gehen. In der Vergangenheit wurden für dieses Turnier Personen wie Welthandballer Nikola Karabatic oder Filip Jicha eingekauft, 2012 wechselten gleich acht Handballer des französischen Erstligisten Montpellier für wenige Monate nach Katar. Ein lukrativer Nebenverdienst in der europäischen Sommerpause. Und für das Karriereende.

"Wenn du für Europa keine Kraft mehr hast, bist du dort gut aufgehoben", sagt Vasilakis, selber 35 Jahre alt. Auch ihn hat vor allem das Geld gelockt, "nur deshalb gehst du nach Katar". Am zweiten Tag nach seiner Ankunft musste er die erste Partie bestreiten. "Die Verantwortlichen haben zu mir gesagt: Alex, du musst heute 10 Tore schießen. Das ist natürlich ein wahnsinniger Druck und eine seltsame Vorstellung vom Sport", erzählt er. "Wenn du nicht gut bist, wirst du schnell wieder entlassen, die haben so viel Geld, sie machen was sie wollen". Er warf zu seinem Einstand dann 15 Tore.

Auch Vasilakis spricht von dem "besonderen Erlebnis Katar", trotz sportlich fragwürdiger Methoden. Lernen, ans Limit zu gehen, klarkommen in einer Mannschaft mit Menschen vieler verschiedener Religionen, diese Erfahrungen haben ihm Spaß gemacht. Nur dass in vier Monaten tatsächlich die Tribünen voll sein werden, daran glaubt er nicht. "Katar hat viel Geld für Werbung, aber 15 000 Leute in eine Halle zu bekommen - das sehe ich nicht."

Immerhin: Im Januar werden es dort wohl kaum mehr als 30 Grad sein. Als Vasilakis Ende Juni aus Katar abreiste, waren es 55 Grad. "Ich habe mich gefühlt wie ein Kamel, so heiß war das", sagt er, "da hat man schon vom Spazierengehen Kopfweh bekommen". Eine Fußball-WM 2022 im Sommer kann er sich kaum vorstellen. "Als Handballer ist das Klima hier nicht schlimm mit der Halle - aber die Fußballer tun mir jetzt schon leid. "Spätestens 2028 will Katar auch die Olympischen Spiele ausrichten.

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