Handball-EM:Acht Jahre nach dem Rücktritt

Deutsches Handball-Nationalteam

"Für mich gab es kurz vor den Weihnachtstagen schon das erste große Geschenk": Handball-Torwart Johannes Bitter.

(Foto: dpa)
  • Acht Jahre nach seinem Rücktritt kehrt Torwart Johannes Bitter überraschend zur EM ins deutsche Handball-Nationalteam zurück.
  • Auch sonst steckt der Kader voller Überraschungen: So fehlen Patrick Groetzki und Torwart Silvio Heinevetter.
  • Die verletzungsbedingte Absage von Steffen Weinhold schmerzt sehr.
  • Hier geht es zum EM-Spielplan.

Von Carsten Scheele

"So was plant man einfach nicht", hat Johannes Bitter gesagt, und dies durfte am Freitagmorgen als erste, schnelle und angemessene Analyse seiner Situation durchgehen. Bitter ist Handball-Torwart, 37 Jahre alt, umjubelter Weltmeister von 2007 als zweiter Torwart neben Henning Fritz beim Wintermärchen im eigenen Land; im Gedächtnis der Handballer verankert, weil er den heranstürmenden Polen im WM-Finale 2007 einfach nicht den Ausgleichstreffer gestatten wollte. Er gehört allein deshalb zur reiferen Generation, weil er 2011, also vor acht Jahren, aus der Nationalmannschaft zurückgetreten ist. Einmal hat Bitter ausgeholfen, bei den WM-Playoffs 2015 gegen Polen, ansonsten hatte der Stuttgarter mit dem Thema abgeschlossen.

Und ist nun doch zurück: Im mit kleinen und mittelgroßen Überraschungen gespickten Aufgebot für die Handball-EM 2020 in Österreich, Schweden und Norwegen (9. bis 26. Januar) geht Bitter neben dem gesetzten Andreas Wolff als zweiter Torhüter ins Turnier. Das Telefonat mit Bundestrainer Christian Prokop sei kurz gewesen, berichtete Bitter, weil es ihm die Sprache verschlagen habe. Wieder Nationalspieler zu sein, mache ihn "unglaublich stolz", so Bitter bei Facebook: "Für mich gab es kurz vor den Weihnachtstagen schon das erste große Geschenk."

Weniger weihnachtlich dürfte den beiden anderen Torhütern zumute sein, die ihren Platz im Kader verloren haben. Hatte sich die Nicht-Berücksichtigung von Silvio Heinevetter (Füchse Berlin) nach den letzten Testspielen schon abgezeichnet, durfte sich der Kieler Dario Quenstedt nach seinen starken Leistungen ernsthafte Hoffnungen machen, erstmals zu einem großen Turnier zu fahren.

"Wir haben ein Torhüter-Gespann, von dem wir uns hohe Stabilität erhoffen"

Doch Prokop entschied sich für Bitter und dessen profunde Erfahrung, denn wer kann schon einen durch alle Handball-Höllenbäder gegangenen Weltmeistertorsteher aus dem Ärmel schütteln? "Wir haben ein Torhüter-Gespann, von dem wir uns hohe Stabilität und wichtige Impulse erhoffen", bewertete Prokop seine Nominierung pro Bitter und contra Quenstedt. Dem Kieler dürfte die Zukunft gehören, so der schwache Trost.

Die Personalie Bitter sticht insofern heraus, da sich Prokop sonst eher für das Risiko und den jugendlichen Sturm und Drang entschieden hat. So ist auf Rechtsaußen erstmals seit gefühlten 24 Großturnieren der Mannheimer Patrick Groetzki, 30, nicht dabei; für ihn steht neben Tobias Reichmann der junge Hannoveraner Timo Kastening, 24, im Kader. Auf Linksaußen war die Nominierung von Kapitän Uwe Gensheimer logisch wie gesetzt, er bekommt als Partner den international unerfahrenen Stuttgarter Patrick Zieker (26, null Länderspiele) zugeteilt, nicht etwa den früheren Bundesliga-Schützenkönig Matthias Musche (Füchse Berlin).

Abwehrspezialist Finn Lemke, der es unter Prokop stets schwer hatte, fehlt ebenfalls. Im linken Rückraum kehrt in Julius Kühn der zuletzt vermisste Shooter zurück. Am Kreis steht, neben dem gesetzten Trio aus Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler und Jannik Kohlbacher, in Johannes Golla, 22, ein vierter Spieler im EM-Kader; der Flensburger Hüne Golla muss aber bangen, wenn Prokop seinen Kader einen Tag vor dem Auftakt gegen die Niederlande (9. Januar in Trondheim) um einen weiteren Spieler reduzieren muss.

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