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Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton:Fast so gut wie Schumacher

F1 Grand Prix of Mexico

Im Autodromo Hermanos Rodriguez feierte er voller Zufriedenheit: Lewis Hamilton.

(Foto: AFP)
  • Lewis Hamilton holt seinen fünften WM-Titel in der Formel 1, weil er im drittletzten Rennen trotz einiger Reifenprobleme cool bleibt.
  • Am Ende reicht ihm Platz vier zum Titel, während Sebastian Vettel Zweiter wird - und trotzdem enttäuscht ist.

Ach, Sebastian Vettel hätte man sein müssen in diesem Moment. Was er wohl fühlte? Genugtuung etwa? Oder doch Zorn? Ärger, weil alles so schrecklich einfach ging? Viel zu einfach? Vettel drehte gerade die 39. von 71 Runden auf dem Autodromo Hermanos Rodriguez, als vor seinem roten Rennwagen nur noch dieses eine, silberne Auto zu sehen war. Vettel sauste heran, zog nach rechts, er wollte vorbei. Doch dann passierte etwas, das einem echten Rennfahrer so gar nicht gefällt: Keiner hinderte ihn am Überholen. Hinter dem Steuer des silbernen Autos saß Lewis Hamilton. Und der ließ Vettel einfach vorbei. Warum auch nicht?

Das entscheidende Rennen, das am Sonntag zu Hamiltons Weltmeisterwerdung führte, hätte auch mit einer Pointe enden können. Beispielsweise, wenn Hamilton abgeräumt worden wäre von Vettel. Das hätte ihm ebenfalls genügt. Aber es brauchte in Mexiko-Stadt keine Pointe. Hamilton ließ Vettel einfach auf und davon fahren nach 39 Runden, er begnügte sich mit Platz vier. Vettel wurde Zweiter hinter dem Tagessieger Max Verstappen. Und Hamilton war Weltmeister. Zum fünften Mal. Er steht nun auf einer Stufe mit Juan Manuel Fangio.

Zwei Titel fehlen ihm nur noch zum Rekord von Michael Schumacher. "Ein seltsames Gefühl" sei das, sagte Hamilton: "Hier in Mexiko haben wir den Titel nicht gewonnen. Sondern in den vielen Rennen, die zurückliegen." Das gerade eben erst zurückgelegte Rennen sei "fürchterlich" gewesen. Vettel sagte: "Er ist einfach besser gewesen dieses Jahr." Dann umarmte er den alten und neuen Weltmeister. Vettel, so sah die Rechnung aus, hätte in Mexiko gewinnen und Hamilton gleichzeitig schlechter abschneiden müssen als auf Platz sieben. So dominant wie der Brite diese Saison gestaltet hatte, das ahnte man, wäre er auch mit einem Auto Siebter geworden, an dem drei Reifen hängen.

Vettel wiederum war wegen seiner lediglich marginalen Chancen realistisch genug, schon vor diesem Rennen mit der Aufarbeitung der noch laufenden Saison zu beginnen. Einer Saison, die ja aus seiner Sicht einen schlimmen Bruch im Sommer offenbart hatte. Bis zum Rennen in Spa war alles okay, danach, ab dem Grand Prix in Monza, lief so ziemlich alles gegen ihn. "Der Renngott könnte nächstes Jahr netter sein", hat Vettel in Mexiko gesagt, eine umfassende Analyse im Winter angekündigt und versprochen: "Wenn Ferrari und ich weniger Fehler machen, können wir Mercedes und Hamilton besiegen."

In der Theorie hielt die Startaufstellung in Mexiko-Stadt alle Zutaten bereit für ein letztes Spektakel. Es wirkte fast ein bisschen so, als habe sich der wunderbare George A. Romero die Startaufstellung ausgedacht, der Regisseur des Films Die Nacht der lebenden Toten, anlässlich der Dias de los Muertos, jener Feier, in der die Mexikaner in diesen Tagen in hübsch-makabren Kostümen ihrer Verstorbenen gedenken.

Formel-1-Weltmeister Hamilton

Showmaster und Champion

"Diese Startaufstellung", fand Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, "schreit nach einem Gemetzel."

Hamilton parkte auf Position drei gleich neben Vettel, mithin in bester Rempelreichweite. Und vor den beiden standen die Red-Bull-Piloten Daniel Ricciardo und Max Verstappen, die sich in diesem Jahr schon einmal abgeräumt hatten, als Ricciardo beim Rennen in Baku Verstappen ins Heck rauschte. Aber diesmal blieb der Schrei nach einem Gemetzel ungehört.

Hamilton startete mit Abstand am besten. Er fuhr los, als habe ihn das Startkatapult eines Flugzeugträgers auf die Reise geschickt. Noch vor der ersten Kurve schob er sich vorbei an Ricciardo, lag nun auf Position zwei. Vettel wiederum versperrten die Red Bull den Weg an die Spitze. Ihm gelang es immerhin, seinen vierten Platz gegen Hamiltons Teamkollegen Valtteri Bottas zu verteidigen, der zwischenzeitlich seinen Frontflügel sogar vor den von Vettel geschoben hatte.