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Formel-1-Weltmeister:Wo Hamilton auftaucht, wird es spektakulär

Jüngster WM-Champion, Rennbahn-Rüpel, Aktivist - und nun zum siebten Mal Weltmeister: Die außergewöhnliche Karriere von Lewis Hamilton in Bildern.

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AUTO-PRIX-MCLAREN-HAMILTON

Quelle: AFP

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Lewis Hamilton ist am Sonntag zum siebten Mal Formel-1-Weltmeister geworden - und hat nun genauso viele Titel wie Michael Schumacher. Sein Start in den Motorsport ist einst jedoch nicht einfach: Sein Vater muss zusätzlich zu seinem Hauptberuf bei der Eisenbahn Nebenjobs annehmen, um das Hobby seines Sohnes zu finanzieren. Hamilton nimmt schon seit frühester Jugend an verschiedenen Kart-Wettbewerben teil - und ist schnell. Es heißt, als der kleine Hamilton 1996 eine der vielen Rennserien gewinnt, soll er bei einer Gala zum mächtigen McLaren-Boss Ron Dennis gegangen sein und gesagt haben: "Guten Tag! Mein Name ist Lewis Hamilton. Ich möchte eines Tages für ihren Formel-1-Rennstall fahren." Elf Jahre später beginnt er an der Seite des damaligen Champions Fernando Alonso seine Karriere bei McLaren-Mercedes.

Formel 1 - GP Monaco - Alonso, Hamilton und Massa

Quelle: dpa

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Seit der Saison 2007 fährt Hamilton in der Formel 1, ohne jede Art von Startschwierigkeiten. In Kanda fährt er in seinem sechsten Formel-1-Rennen den ersten Sieg ein, überhaupt steht er in den ersten neun Rennen neun Mal auf dem Podium. Zwei Rennen vor Saisonende hat er beste Chancen, sofort Weltmeister zu werden. Doch im vorletzten Rennen rutscht er in der Boxeneinfahrt ins Kiesbett und scheidet aus, im letzten Rennen wird er nur Siebter. Kimi Räikkönen wird Weltmeister, Hamilton Zweiter. Doch trotz der Patzer in der entscheidenden Phase platziert er sich vor seinem Teamkollegen Fernando Alonso und zeigt sein enormes Talent als Fahrer.

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Quelle: AFP

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2008 bringt er es zu Ende. In seiner zweiten Saison wird Lewis Hamilton mit 23 Jahren jüngster Formel-1-Weltmeister der Geschichte. Beim Saisonfinale in Brasilien fuhr Hamilton im Regen von São Paulo in der letzten Runde noch am Deutschen Timo Glock vorbei auf Platz fünf und schnappte so dem Brasilianer Felipe Massa im Ferrari in Brasilien den WM-Titel vor der Nase weg. Im gleichen Jahr gewann übrigens ein gewisser Sebastian Vettel mit 21 Jahren den Großen Preis von Italien und wurde jüngster Rennsieger der Geschichte - der Titel, den zuvor Hamilton hielt.

McLaren Formula One driver Lewis Hamilton of Britain sits in his team garage during the first practice session at the Canadian Grand Prix in Montreal

Quelle: REUTERS

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Weltmeister in der Krise: In den Jahren 2009 und 2010 läuft es gar nicht für den Briten. Weil er bei einer Anhörung die Rennkomissare vorsetzlich getäuscht haben soll, wurde er 2009 für das Australien-Rennen disqualifiziert und stand in der Öffentlichkeit als Lügner da. 2009 wird er mit einem schwachen Mercedes in der WM-Wertung Fünfter, 2010 stellte ihm der Rennstall den damals amtierenden Weltmeister Jenson Button zur Seite. Diesmal wird er WM-Vierter.

Belgium Formula One Grand Prix

Quelle: dpa

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Auch in der Saison 2011 bleibt Lewis Hamilton dem McLaren-Mercedes-Rennstall treu. Ebenso treu bleibt er seiner aggressiven Fahrweise, die ihm viel Kritik seitens der Kontrahenten und der Medien (Die Zeitung Die Welt nennt ihn "Rüpel der Rennbahn") einbringt. So muss Hamilton nach den ersten sechs Saisonrennen fünfmal bei der Rennleitung zum Rapport antreten. Nach beleidigenden Äußerungen in einem Interview droht die FIA mit einer Sperre von sechs Rennen. Sportlich gelingen Hamilton 2011 drei Siege und drei weitere Podestplatzierungen, im Gesamtklassement wird er Fünfter. 2012 wird er WM-Vierter.

Lewis Hamilton und Nico Rosberg

Quelle: dpa

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2013 tritt Hamilton die Nachfolge von Michael Schumacher beim Mercedes Werksteam an. Er trifft dort auf Nico Rosberg, seinen Freund aus Kart-Zeiten. Während die erste Saison der beiden noch halbwegs harmonisch und sportlich - wie erwartet - bedeutungslos verläuft, pflegen der Deutsche und der Brite ab 2014 eine offene Rivalität. Höhepunkt der Auseinandersetzung ist die Attacke Rosbergs beim Großen Preis in Belgien, bei der er Hamiltons Reifen aufschlitzt und dessen Ausscheiden herbeiführt. Am Ende wird Hamilton durch sechs Siege in den letzten sieben Rennen zum zweiten Mal Weltmeister. 2014 und 2015 baut er seine WM-Siegesserie aus und stichelt immer weiter gegen seinen Teamkollegen.

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Quelle: Luca Bruno/AP

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2016 setzt sich dann Rosberg gegen den Rivalen mit den gleichen Farben durch. Das Mercedes-Team dominiert die Rennserie, sodass von Beginn an mehr oder weniger klar ist, dass der Titel an einen Fahrer mit dem Stern gehen wird. Nachdem Rosberg die ersten vier Rennen gewinnt, schaltet der Brite im fünften Saisonlauf in Spanien voll auf Angriff. Dadurch kommt es zu einem Unfall zwischen Hamilton und Rosberg. Das Verhältnis der beiden ist mittlerweile mit "unterkühlt" noch positiv beschrieben. Sie lassen kaum eine Gelegenheit aus, um Sticheleien auszutauschen. Am Ende gewinnt Rosberg mit 385 zu 380 Punkten - und tritt danach zurück. Hamilton bekommt den Finnen Valterri Bottas als Teamkollegen, der die Rolle als zweiter Fahrer hinter Hamilton annimmt.

FILE PHOTO: Sailing - America's Cup Finals -

Quelle: REUTERS

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2017 gewinnt Hamilton zum vierten Mal einen WM-Titel vor dem wiedererstarkten Ferrari und Sebastian Vettel. Der Brite zelebiert seinen Lifestyle, zeigt sich auf Yachten und führte lange Jahre eine On-Off-Beziehung mit der Pussy-Cat-Dolls-Sängerin Nicole Scherzinger. 2015 trennte sich das Paar endgültig. Hamiltons Manager ist der Brite Simon Fuller, der auch die Spice Girls und David Beckham betreute. Im Zuge der von der SZ veröffentlichten Paradise Papers kam heraus, dass Hamilton bei seinen Privatjets Steuersparmodelle auf der Isle of Man nutzte.

FILE PHOTO: Formula One - F1 - Spanish Grand Prix

Quelle: REUTERS

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Die Beziehung zwischen Hamilton und dem Ferrari-Konkurrenten Vettel ist geprägt von sportlicher Rivalität. Vettel sammelte vier Weltmeistertitel in Serie von 2010 bis 2013 und schien Hamiltons Status als begabtester Fahrer des Feldes zu gefährden. Hamilton und Vettel waren und sind nicht die besten Freunde, es gab immer wieder Nadelstiche. Vettel muss sich in der jüngeren Vergangenheit anhören, dass sein Fahrstil im Kampf um die WM-Punkte zu gefährlich sei - Lewis Hamilton kommt da seriöser weg.

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Quelle: AP

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2018 erlebt die Formel 1 dann erneut einen dominanten Lewis Hamilton - einen, der deutlich weniger Fehler macht als sein WM-Rivale Vettel. Hamilton ist auf dem Zenit seines Könnens, er ist der beste Fahrer im besten Auto und sagt: "Es gibt nicht viele Menschen, die erreicht haben, was ich erreicht habe." Im drittletzten Rennen der Saison in Mexiko holt er schließlich die entscheidenden Punkte - und feiert seinen insgesamt fünften WM-Titel.

Grand Prix von Mexico

Quelle: dpa

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Abseits des Renngeschehens tut sich was bei Hamilton. Seit 2017 ernährt er sich vegan und macht sich auf seinen Social-Media-Kanälen für Tier- und Umweltschutz stark. Für Unruhe in der Formel-1-Szene sorgt seine Instagram-Story Mitte Oktober, in der er seine Follower dazu aufruft, ebenfalls vegan zu werden. Nur so könne man den Planeten retten. "Ich will lieber Teil der Lösung anstatt des Problems sein", schreibt er und löscht den Post kurz darauf. Sein ehemaliger Kollege Alonso wirft dem Formel-1-Fahrer daraufhin Scheinheiligkeit vor, Hamilton rechtfertigt sich: Bereits im vergangenen Jahr habe er seinen Privatjet verkauft, privat fliege er nicht mehr und versuche, plastikfrei zu leben. Außerdem wolle er seine Sportwagenflotte minimieren.

F1 Grand Prix of USA

Quelle: AFP

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2019 siegt Hamilton in Bahrain, China, Spanien, Monaco, Kanada, Frankreich, Großbritannien, Ungarn, Russland und Mexiko. Beim Rennen in Austin fährt er auf den zweiten Platz und holt vorzeitig seinen sechsten Weltmeistertitel - vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas. Mercedes hat einmal mehr die Saison dominiert. Unbestritten ist: Hamilton ist der derzeit beste Fahrer der Welt.

Turkish Grand Prix

Quelle: Pool via REUTERS

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In der Saison 2020, die wegen der Coronavirus-Pandemie auf anderen Strecken gefahren wird als die Jahre zuvor, dominiert Hamilton erneut und krönt sich bereits beim Rennen in der Türkei als Weltmeister. Es ist sein siebter Titel - er zieht nun mit Michael Schumacher gleich. Ob Hamilton ihn in der kommenden Saison sogar übertrifft?

In der Saison 2020 hat der Brite weitere Rekorde aufgestellt: Er hat nun mehr Rennen gewonnen als Schumacher (94 zu 91), Mercedes ist das erste Team, das den Konstrukteurs-Titel zum siebten Mal in Serie holt. Auch abseits der Rennstrecke fällt Hamilton als Aktivist auf: Der schwarze Fahrer mobilisiert seine sehr weiße Branche im Kampf gegen Rassismus. Nach seinem siebten Titel hat er eine Botschaft: "Für alle Kinder da draußen, die vom Unmöglichen träumen - ihr könnt es schaffen."

© SZ.de/fued/ska/schm/lys/sonn
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