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Hamburger SV in der Krise:Die Revolution wird verschoben

1899 Hoffenheim - Hamburger SV

Bert van Marwijk: beim Hamburger SV weiter in der Kritik

(Foto: dpa)

Hausarrest, Restaurant- und Kinotabu: Trainer Bert van Marwijk versucht weiter mit kleinen Änderungen, den HSV zu retten.Die Frage ist, ob sich nach dem Pokalspiel gegen den FC Bayern doch noch eine Mehrheit im Aufsichtsrat für Felix Magath findet.

Von Jörg Marwedel, Hamburg

Der Fernsehsender Hamburg 1 hatte den kompletten Sonntagabend freigeräumt für eine Extra-Ausgabe der Sportsendung "rasant", um möglichst nahe dran zu sein bei der Revolution des Hamburger SV. Die Redaktion war quasi umgezogen in ein Hotel an der Rothenbaumchaussee, wo der Aufsichtsrat seit 15 Uhr über die Zukunft des Vorstandes mit Klubchef Carl Edgar Jarchow, Marketingchef Joachim Hilke und Sportchef Oliver Kreuzer beriet.

Vor allem aber ging es um Felix Magath, den möglichen Nothelfer, der anstelle von Kreuzer und des erfolglosen Trainers Bert van Marwijk (zuletzt sechs Niederlagen in Serie) den ersten Bundesliga-Abstieg des Tabellensiebzehnten noch verhindern soll. Doch der Moderator hatte wohl kaum damit gerechnet, dass das von Spöttern "Rat der Ahnungslosen" genannte Gremium fast acht Stunden diskutierte, "um kein Ergebnis zu verkünden", wie Mediendirektor Jörn Wolf schließlich um 22.49 Uhr mitteilte.

Der Conferencier musste die mehrstündige Live-Schalte ohne Neuigkeiten bewältigen. Er konnte erzählen, dass die Ausschuss-Mitglieder Kartoffelsalat mit Würstchen aßen und vertrieb sich die Zeit mit Kollegen-Interviews. Ansonsten gab es eine Endlosschleife mit Dingen, die sich seit dem 0:3 gegen Hertha BSC am Samstag-Nachmittag getan hatten.

Zum Beispiel Jarchows Plädoyer für Coach van Marwijk ("Er ist nicht das Problem"), eine Stellungnahme von Kapitän Rafael van der Vaart über die Ausschreitungen nach der Niederlage ("Einige Spieler hatten Angst"), oder ein paar nicht gerade freundliche Fan-Meinungen über das sinkende Schiff HSV. Am Ende hat der Moderator nicht einmal den Aufsichtsratschef Jens Meier sprechen können. Der war, wie die anderen Räte, durch die Tiefgarage geflüchtet, um keine Stellung mehr beziehen zu müssen.

Es war auch abseits des Rasens wieder einmal eine Vorstellung, die - wie so oft in den vergangenen Jahren - nicht Bundesliga-tauglich war. Alle wussten, dass Jarchow und Kreuzer sich in der Sitzung verteidigen mussten, weil sie an Bert van Marwijk festhalten wollten. Nach 75 Minuten entschwanden die inzwischen auf Bewährung arbeitenden Vorstände heimlich (wie später die Aufsichtsräte).

Ohne Jarchow und Kreuzer begannen die Gespräche über die Zukunft, wobei Felix Magath zumindest einmal telefonisch zugeschaltet wurde. Doch die erforderliche Mehrheit - acht von elf Aufsichtsräte hätten zustimmen müssen - für einen Trainermanager Magath und das Aus für den Vorstand und van Marwijk fand sich nicht. Skepsis herrschte besonders gegen Magaths Vorstellung, im Sommer - nach der sportlichen Rettung - den Klub als Vorstandsvorsitzender zu übernehmen. Auf der Bank hätte er wohl nur bis Saisonende ausgeholfen, der einstige HSV-Regisseur sieht seine Zukunft nicht mehr im Traineramt, sondern bei der Planung im Büro.

Aber auch das Prozedere für den Nothelfer Magath wäre kompliziert gewesen, der Spielplan ist vertrackt. Magath wollte nur einsteigen, wenn er die Mannschaft schon vor dem nächsten Bundesligaspiel beim Tabellenletzten Braunschweig hätte betreuen dürfen. Zuvor ist allerdings noch ein wichtiges Heimspiel zu bewältigen: Das DFB-Pokalduell an diesem Mittwoch gegen den FC Bayern. Die Frage ist nun, was bei einer Niederlage passiert. Ob die Anti-Magath-Front dann noch hält?

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