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Hamburger SV:Bruno Labbadia und der HSV: Erweckung im Wildpark

Fussball 1 Bundesliga Relegation Karlsruher SC Hamburger SV am 01 06 2015 im Wildparkstadion in K

Ein bisschen Liebe: Bruno Labbadia kommt in Hamburg gut an.

(Foto: Revierfoto/imago)
  • Der Mann, der kam und die Erstklassigkeit rettete: Wie aus dem mäßig beliebten Bruno Labbadia der "Hamburger des Jahres" wurde.

Das Denkmal, das HSV-Chef Dietmar Beiersdorfer dem Trainer Bruno Labbadia versprochen hatte, im Sommer, als unter dramatischen Umständen der Klassenerhalt in der Relegation gegen den Karlsruher SC gelang - es ist noch nicht erbaut. Noch immer steht neben dem Volksparkstadion nur der übergroße Fuß von Uwe Seeler. Das macht aber nichts.

Der Fernsehsender Hamburg 1 hat Labbadia dieser Tage zum "Hamburger des Jahres 2015" gekürt, zusammen unter anderem mit dem ehemaligen Bürgermeister Klaus von Dohnanyi. Und das war eine Ehrung, die den Retter des Hamburger SV "sehr berührt und happy gemacht" hat, wie er sagte. Seit sechs Jahren ist die italo-hessische Familie Labbadia nun schon eine Hamburger Familie - obwohl Labbadia zwischendurch auch mal zweieinhalb Jahre beim VfB Stuttgart gearbeitet hat.

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Beim Sieg in Karlsruhe, glaubt er, "hat oben jemand mitgesteuert"

Statt das Denkmal zu bauen, hat Beiersdorfer dem Fußballlehrer immerhin eine längerfristige Vertragsverlängerung versprochen. Und auch, wenn laut Labbadia "oben jemand mitgesteuert hat" bei der Rettung im Wildparkstadion (das 2:1 nach Verlängerung kam durch einen unberechtigten Freistoß in der Nachspielzeit zustande, den Marcelo Diaz zum 1:1 ins Tor schlenzte): Es ist vor allem der spät verpflichtete Labbadia gewesen, der dem im Grunde schon abgestiegenen Klub binnen sieben Wochen doch noch seine 53. Bundesliga-Saison ermöglichte. Eckhard Krautzun, sein erster Profi-Trainer bei Darmstadt 98, sieht in ihm sogar jemanden, der "für den HSV ein zweiter Otto Rehhagel werden und sehr lange bleiben" könnte. So wie Rehhagel einst in Bremen.

Dass Labbadia, 49, der "immer ein Student des Fußball sein wird" (Krautzun), in den vergangenen Jahren viel gelernt hat, ist bei seiner zweiten Trainer-Amtszeit beim HSV offenkundig. Als er 2009 das erste Mal als Coach anheuerte, waren Spielergrößen wie Ruud van Nistelrooy oder Zé Roberto schnell genervt von seinen detaillierten Anweisungen. Was wolle der einem bei den Laufwegen schon erklären, beschwerte sich Europas früherer Stürmer des Jahres van Nistelrooy. Labbadia hatte noch nicht genügend Autorität, und er hat seine Profis zuweilen mit seinen Erkenntnissen überrollt.

Vermutlich würde er heute auch manches nicht wieder so machen wie bei seiner ersten Bundesliga-Trainer-Station Bayer Leverkusen. Da hatte er ausgerechnet vor dem DFB-Pokalfinale 2009 gegen Werder Bremen in einem SZ-Interview seinen Frust herausgelassen, weil die Bayer-Verantwortlichen ihm nicht folgen wollten bei seinem Vorhaben, den Klub "raus aus der Komfortzone" zu holen. Nach der 0:1-Niederlage kam es schnell zum Bruch. Dabei hatte er sogar sein Familienhaus in Darmstadt aufgegeben, um sich in Leverkusen schnell heimisch zu fühlen.

Der frühere Torjäger ist jemand, der seinen Job mit so viel Emotion angeht, dass er am Spielfeldrand fast selbst die Bälle ins Tor köpfelt. Zuweilen muss man sich Sorgen machen um seine Gesundheit. Als er während seiner Stuttgarter Zeit eine Kampagne gegen sich witterte, ist es aus ihm herausgebrochen wie einst aus Giovanni Trapattoni.