Halbfinal-Aus von Real Madrid Schwächen beim Spieler-Shopping

Gareth Bale (re.): Schwieriges Teamgefüge bei Real Madrid

(Foto: AFP)

Jahr für Jahr baut sich Real Madrid einen galaktischen Kader zusammen - ob die Spieler zusammenpassen, ist unwichtig. Das rächt sich nun.

Kommentar von Oliver Meiler

Bleiben wird ein Bild voller Ohnmacht und "tristeza". Es zeigt Cristiano Ronaldo, Stürmer von Real Madrid, braun gebrannt, mit frisch gezupften Augenbrauen, wie er am Pfosten des gegnerischen Tors steht. Angelehnt, verzweifelt im heimischen Santiago Bernabéu. Ein Bild wie eine Ikone. Real, der Titelverteidiger, ist raus. Es verpasst das "Jahrhundertfinale" in Berlin, wie es spanische Zeitungen vorfreudig herbeigeschrieben hatten.

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Es wäre ja das erste Finale auf höchster europäischer Ebene gewesen gegen den FC Barcelona. Es wäre deshalb ein Spiel geworden, mit dem man die Enttäuschungen dieser Saison hätte kompensieren können. Und wenn man gewonnen hätte, wäre man die erste Elf in der Champions League überhaupt gewesen, der die Verteidigung der Krone gelungen wäre. So ist Madrid, überdreht im Sieg wie in der Niederlage. Da applaudiert keiner nach dem Scheitern. Scheitern ist Schmach, immer.

Man sucht nach Schuldigen und findet viele, einen vor allen: Carlo Ancelotti. Der Gentleman aus der Emilia, geschätzt von den Spielern, gilt vielen "Madridistas" und im Besonderen dem Präsidenten, Florentino Pérez, als schwacher Trainer mit allzu weicher Hand. Dabei hat er 2014 dem Klub die "Décima" beschert, die lange ersehnte zehnte Trophäe in der Königsklasse. Man beschwor danach die "Undécima", die Elfte. Doch der hing nun mal nicht derselbe, runde Mythos an. Gegen Juventus Turin fehlte es manchen Spielern an Kraft und Willen. Es fehlte aber auch ganz eklatant an Balance zwischen den Reihen.

Das Team ist schlecht tariert. Pérez, der Erfinder des Galactico-Prinzips und Chefeinkäufer, hat eine Schwäche für Offensivspieler mit hohem Marketingpotenzial. Für die gibt er die Millionen des Klubs aus. Und die sollen dann gefälligst immer spielen, alle zusammen. Selbst wenn sie nur leidlich zusammenpassen. Gareth Bale zum Beispiel muss als linker Flügel über die rechte Flanke kommen, die ihm gar nicht behagt, weil die linke Bahn für Ronaldo reserviert ist.

Dennoch engagierte man ihn zu einem überrissenen Preis, gegen 100 Millionen Euro. Seither müht er sich ab an den Erwartungen. Im Mittelfeld standen wieder drei Herrschaften, die von ihrem Spielimpetus alle eher nach vorne drängen: Toni Kroos, Isco, James. Keiner von ihnen hat gelernt, das Spiel zu erden, so wie das früher Xabi Alonso und, zu besseren Zeiten, Sami Khedira taten. Der Erste ging zu Bayern, der Zweite verlässt Real im Sommer. Luka Modric hätte stabilisierend wirken können. Doch der fehlte verletzt.

Es steht also wieder ein Umbau an, ein Sommer mit wilden Debatten und Transfergerüchten, wie ihn die Spanier lieben. Ancelotti wird sich kaum halten können. Trotz Verdiensten, trotz Vertrag. So tickt der Madridismo. Nur galaktisch ist gut genug, Jahr für Jahr.

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