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Saudi-Arabien:Mickelsons Sicht: "Ihr kümmert euch um euch, ich um mich!"

Damals siegte Dustin Johnson (USA), und die Verwunderung über seine Teilnahme hielt sich wohl deshalb in Grenzen, weil sich der 35-Jährige selten mit Gedanken zu komplexen Themen verdächtig machte. Mickelson, 49, indes ist eine gestandene Persönlichkeit. Zwar eine, die gerne an der Börse zockt und in die Schlagzeilen geriet wegen angeblichen Insiderhandels.

Aber er ist auch immer der Mann des Volkes gewesen, authentisch, geradeaus, ein Verfechter amerikanischer Werte. Dazu zählt natürlich, den Dollar zu ehren. Anders, als es vielleicht in Deutschland wäre, schlug ihm daheim nie Neid dafür entgegen, dass er auch dank Sponsorenverträgen auf dem Weg ist, unfassbar reich zu werden. Doch nun hat er offenbar einmal zu oft die Hand aufgehalten.

Selbst Medien, die ihre US-Helden sanft anzupacken pflegen, drückten ihre Enttäuschung aus. "Für eine Gage verkauft Phil Mickelson sein Gewissen", titelte die Tagenszeitung USA Today. Golf-Digest, die Bibel der Szene, schrieb: "Es geht nur um Geld." Die Antrittshonorare sollen zwischen 300 000 und drei Millionen Dollar schwanken, und nicht nur das: "Die Spieler kriegen die feinsten Unterkünfte, ihre Frauen werden wie Prinzessinnen gepampert", so Golf-Digest weiter. Mickelson führte an, er werde im Juni 50 und wolle eine neue Region sehen. Der bekannte Sportjournalist Ewan Murray von der englischen Zeitung Guardian spottete via Twitter, wenn er so scharf auf einen Besuch sei, könne er ja auch privat mal hinfahren.

Daraufhin passierte Erstaunliches: Mickelson verlor die Fassung, bezeichnete den Rat als "dumm" und meinte: "Ihr kümmert euch um euch, ich um mich!" Eine Replik, die Mickelson, sonst stets von Sympathien begleitet, teils beleidigende Kritik einbrachte. Tiger Woods (nicht am Start) sah sich genötigt, seinem Freund beizuspringen. Er verstehe die Politik hinter allem, sagte der 15-malige Majorsieger bei ESPN: "Aber Golf kann auch vieles heilen helfen." Darüber hinaus würden auch andere mitspielen (wie Martin Kaymer). Es war der Versuch, dieses Turnier alltäglicher erscheinen zu lassen. Aber angesichts der Begleitumstände ist es noch ein weiter Weg dorthin.

© SZ vom 29.01.2020/jjs
A papier mache caricature depicting former international Beckenbauer is pictured during preparations for the upcoming Rose Monday carnival parade in Mainz; Collage WM 2006

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