Denis Zakaria von Borussia Mönchengladbach:Er macht, was Trainer besonders mögen

Lesezeit: 4 min

Liverpool, Bayern und auch Gladbachs Pokalgegner Dortmund sollen bereits Interesse an Denis Zakaria haben. Es scheint sicher, dass der Mittelfeldspieler bald der teuerste Transfer der Klubgeschichte wird.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Unter all den namhaften Fußballklubs, die sich für Denis Zakaria interessieren, fehlt offenbar ausgerechnet sein Traumverein: der FC Barcelona. Das ist für ihn vorübergehend verschmerzbar, weil der Schweizer eine Karriere der kleinen Schritte plant und ja auch erst 22 Jahre alt ist. Von seinem Kindheitsklub Servette Genf ist er 2015 zu den Young Boys Bern gewechselt, 2017 weiter zu Borussia Mönchengladbach. Das waren zwei eher kleine Schritte ins Rampenlicht des europäischen Fußballs, aber als nächster wird vermutlich ein recht großer Schritt folgen, denn die Leistungen des Bundesligatabellenführers und seines zentralen defensiven Mittelfeldspielers haben die Aufmerksamkeit vieler Klubs in ganz Europa geweckt. Dem Vernehmen nach interessieren sich auch der FC Liverpool und Bayern München für Zakaria, und sollte ein Klub bereit sein, mindestens 50 Millionen Euro in die Hand zu nehmen, dann könnte es durchaus sein, dass Denis Zakaria Mönchengladbach schon im kommenden Sommer verlässt.

Bereits im vergangenen Sommer hat es Gerüchte gegeben, auch Borussia Dortmund soll interessiert gewesen sein. Weil Zakarias Vertrag in Gladbach aber bis 2022 gilt und weil Sportdirektor Max Eberl seit dem Verkauf von Granit Xhaka 2016 für geschätzte 45 Millionen Euro an den FC Arsenal die Höhe adäquater Ablösesummen kennt, haben sie ihr Juwel nicht vorschnell hergegeben. So kommt es, dass Zakaria an diesem Mittwoch (20.45 Uhr) weiter im Gladbacher Trikot spielt - beim Zweitrunden-Pokalschlager in Dortmund. "Ist klar, dass wir gewinnen wollen", sagte er ebenso lässig wie selbstbewusst. Gladbach ist in der Liga Spitzenreiter, Dortmund kriselt ein bisschen. Es dürfte spannend werden.

Zakaria spielt in der Schweizer Nationalelf eine tragende Rolle

Zakarias vollständiger Name lautet Denis Lemi Zakaria Lako Lado, und erst aus diesen 24 Buchstaben gehen die afrikanischen Wurzeln des Fußballers hervor. Im November 1996 wurde er als Sohn eines Kongolesen und einer Sudanesin in Genf geboren. Die Eltern trennten sich später, der Vater kehrte in die Demokratische Republik Kongo zurück, die Mutter blieb in der Schweiz. So oft es geht, besucht er die Mutter in Genf und den Vater in Kinshasa, aber sein fußballerischer Erfolg macht beides immer schwieriger.

Mit Gladbach ist Zakaria noch in allen Wettbewerben vertreten, auch in der Schweizer Nationalelf spielt er eine tragende Rolle. Hier bildet er zusammen mit Xhaka den Rumpf der Mannschaft, Seite an Seite also mit jenem Spieler, der ihm seinen Weg aus der Schweiz nach Gladbach vorgemacht hatte. 2012 war Xhaka vom FC Basel nach Gladbach gewechselt und 2016 weiter nach London. Solch eine Karriere erschien auch Zakaria reizvoll, und falls er 2017 noch gezweifelt haben sollte, ob er wirklich an den Niederrhein wechseln soll, dann haben die Gladbacher Schweizer Yann Sommer und Nico Elvedi diese Zweifel ausgeräumt. Sie haben Zakaria zugeraten, und nun spielen der Torwart Sommer, der Innenverteidiger Elvedi, der Mittelfeldmann Zakaria und der Stürmer Breel Embolo für die Borussia - gleich vier Schweizer Nationalkicker. Embolo fällt in den nächsten Wochen allerdings aus, er erlitt am Sonntag beim 4:2 gegen Frankfurt laut Klubangaben einen "kleinen Muskelfaserriss". Im Pokal fehlt zudem Verteidiger Tony Jantschke (Zerrung).

Zakaria sprintet selbst die schnellesten Stürmer der Liga ab

Zakaria ist einer der fleißigsten Spieler der Bundesliga, er läuft rund elf Kilometer pro Spiel. Aber bei den gewonnenen Zweikämpfen (57 Prozent), bei seiner Passquote (88 Prozent) und den Ballbesitzaktionen sind noch Steigerungen möglich. Dennoch: In der Kombination von errungenen Bällen, schnellem Umschalten und sogar eigener Torgefahr (acht Treffer und vier Vorlagen in 70 Bundesligaspielen) ist er, zumal mit gerade mal 22, einer der verheißungsvollsten Mittelfeldspieler der Liga.

Schon in der Schule sei das Laufen seine liebste Disziplin gewesen, verrät er, und was Trainer besonders mögen, ist die schnelle defensive Rückkehr offensivstarker Mittelfeldspieler nach Ballverlusten. Dafür ist Zakaria ein Paradebeispiel. Er ist nach Vorstößen sehr zügig wieder hinten und sprintet regelmäßig auch die schnellsten Stürmer der Liga ab. Mit 35 km/h wurde er auf dem Platz schon geblitzt.

Trotz seines ausgeprägten Helfersyndroms - auch für die Kollegen in der Abwehr-Viererkette - ist Zakaria ein eleganter und vorsichtiger Spieler, kein Rüpel wie einst Xhaka. Und so erscheint mittlerweile eines als fast sicher: dass Zakaria, egal ob 2020 oder 2021, Gladbachs teuerster Verkauf der Klubhistorie wird. Sie werden für ihn mehr fordern und mehr bekommen als die 45 Millionen Euro für Xhaka 2016.

"Er ist ein großartiger Junge", sagt Trainer Rose

Nach vielen durchwachsenen Spielen unter Ex-Trainer Dieter Hecking kommt Zakaria das pressing- und sprintintensive Spiel des neuen Coachs Marco Rose sehr entgegen. In allen neun Ligaspielen, allen drei Europa-League-Partien und im Erstrunden-Pokalspiel hat er als einziger Gladbacher Feldspieler von der ersten bis zur letzten Minute durchgespielt. "Er ist ein großartiger Junge", sagt Rose fast überschwänglich, er macht sich angesichts der jüngsten Belastungen aber durchaus ein paar Sorgen um seinen Dauerläufer: "Wir müssen aufpassen."

In den nächsten neun Tagen lässt sich hohe Belastung aber kaum vermeiden: Pokal in Dortmund, Ligaderby in Leverkusen (Samstag) und dann das wegweisende Europa-League-Spiel gegen AS Rom: für Gladbachs Fortentwicklung alles extrem wichtig. Bald aber wird Zakaria unweigerlich auch mal eine Ligapause bekommen, denn schon seit fünf Wochen droht ihm die fünfte gelbe Karte und die damit verbundene Sperre für eine Partie. Die ganz Eifrigen muss man zu ihrer Erholung eben auch mal zwingen.

Zur SZ-Startseite
Bundesliga: Spieler von Borussia Mönchengladbach jubeln gegen Eintracht Frankfurt

MeinungTabellenführer Gladbach
:Renaissance des Fohlen-Stils

Mit Aufbruch und Vision wie einst in den Meisterschaftsjahren: Nach einem radikalen Strategiewechsel führt Mönchengladbach die Bundesliga an. Die Frage ist, wie lange die Retro-Borussia das durchhalten kann.

Lesen Sie mehr zum Thema