Geschichte der Bundesliga-Meisterschale Vom Hausmeister bei Ebay versteigert

Inzwischen sind die Namen aller Titelträger von 1903 (VfB Leipzig) bis 2013 (Bayern München) eingraviert. Ein Brauch, der zur Folge hatte, dass die einst recht handliche Schale 1981 um einen weiteren Silberring erweitert werden musste. Seither misst sie 59 Zentimeter und wiegt elf Kilo. Nach Kalkulationen des DFB gibt es jetzt bis 2027 keine Platznot mehr - es sei denn, im kommenden Jahrzehnt gewinnen nur noch Klubs mit so üppigen Namen wie Borussia Mönchengladbach oder Eintracht Braunschweig, dann könnte es schon früher eng werden. Mit platzsparenden Meistern wie Köln, Fürth oder Ulm würde der Außenring wohl auch bis 2030 reichen.

Für neutrale Beobachter war die 50. Bundesliga-Saison gewiss kein dramaturgisches Meisterwerk. Was seit dem 27. Spieltag rechnerisch feststeht, ist nach menschlichem Ermessen schon seit der Adventszeit klar: 2013 wird die Schale in München verliehen. Den Organisatoren der Meisterehrung bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) kommt so ein Saisonverlauf aber entgegen. Nichts ist komplizierter für die Zeremonienmeister, als wenn vor dem letzten Spieltag noch nicht feststeht, wo so gegen um 17.17 Uhr die Party beginnt. Es gibt nämlich nicht nur eine Schale. Nur eine echte.

Elf verschwundene Erstligisten

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Sicher, man kann heutzutage alles kopieren, nicht nur Steuer-CDs und Dortmunder Pressing-Strategien, auch Silberware. Anfang der Achtziger erlaubte der damals noch zuständige DFB allen Vereinen mit mehreren Meistertiteln, sich ein leicht verkleinertes Duplikat der Schale für den Trophäenschrank anzufertigen. Aus diesem Fundus bedient sich die DFL heutzutage, wenn vor dem letzten Spiel noch Zweifel herrschen, in welchem Stadion die Wanderschale gebraucht wird. Das Original reist dann zum Tabellenführer des 33. Spieltages, die Kopie zum Verfolger. Letztmalig war das 2009 vonnöten, als der VfL Wolfsburg (Original) und der FC Bayern (Kopie) noch Chancen auf den Titel hatten. Am Ende kam das Original zum Einsatz. Ersatzschalen-historisch ist aber vor allem die Zeit bis 1980 interessant. Bis dahin fertigte der DFB eigens eine Plastikkopie an, wenn ein sogenanntes Herzschlagfinale anstand. Diese Kopien sahen von Nahem ziemlich selbstgebastelt aus, aber in den damals noch bescheiden aufgelösten Fernsehbildern war das nicht zu erkennen.

Nur eine einzige dieser Ersatzschalen kam tatsächlich zum Einsatz. Am Ende der Saison 1970/71 wurde sie dem Meister Mönchengladbach übergeben, der noch vor dem letzten Spieltag aufgrund des schlechteren Torverhältnisses hinter dem FC Bayern gelegen hatte. Abends im Sportstudio feierten die Gladbacher bereits mit der Originalschale, die eiligst vom 0:2 der Münchner in Duisburg herangekarrt worden war. Die Kopie verstaubte bald im Keller des Bökelberg-Stadions und wurde erst kurz vor dem Abriss Mitte der Nullerjahre vom Hausmeister gefunden. Der nahm das gute Stück mit nach Hause, sein Sohn versteigerte es für ein paar Euro bei Ebay.

Mittlerweile ist die Gladbacher Gewinnertrophäe von 1971, von Netzer, Heynckes, Bonhof und Vogts also, bei einem Auktionshaus gelandet. Ende Mai wird sie versteigert. Schätzpreis 10 000 Euro. Für die Konkurrenten des FC Bayern ist das womöglich die günstigste Gelegenheit, um in absehbarer Zeit mit einer Meisterschale in Berührung zu kommen, die schon einmal eine Meisterfeier erlebt hat.