Gescheitertes Talent Sebastian Glasner:"Die wissen alle gar nicht, was sie mir angetan haben"

Sebastian Glasner Chemnitzer FC SV Wehen Wiesbaden vs Chemnitzer FC Fussball 3 Liga 01 11 2014; Glasner

Sebastian Glasner, 30, stürmte einst in der U-19-Nationalmannschaft an der Seite von Lukas Podolski und Mario Gomez.

(Foto: Imago/Eibner)
  • Sebastian Glasner spielte mit Mario Gomez und Lukas Podolski in der U-19-Nationalmannschaft.
  • Sein Weg in die Bundesliga scheiterte zweimal aus unterschiedlichen Gründen.
  • Der Fall zeigt, dass nur wenige im Fußballgeschäft den Sprung in die Elite schaffen.

Von Thomas Gröbner

Es ist vielleicht sein schönstes Tor, nie zuvor haben so viele Menschen wegen ihm gejubelt, und auch danach nie wieder. Als Sebastian Glasner einem gewissen Willy Sagnol den Ball abluchst und über den herausstürzenden Michael Rensing ins Tor des FC Bayern München hebt, brüllen 25 000 Menschen in Darmstadt in einem Stadion, in dem nur 20 000 Platz haben. Das Benefizspiel rettet den SV Darmstadt 98 im Jahr 2008 vor der Insolvenz. Heute spielt Darmstadt in der Bundesliga. Sebastian Glasner nicht - was viel mit dem SV 98 zu tun hat.

Es gibt ein Video auf Youtube mit Sebastian Glasners besten Momenten, knapp 900 Menschen haben es angesehen. Das ist wenig in Zeiten, in denen 18 Millionen zuschauen, wie eine übel gelaunte Katze gestreichelt wird. Meist sieht man Glasner in dem Video mit Carsten-Jancker-Gedächtnis-Frisur im Fünfmeterraum hochspringen, die Gegner purzeln herum, der Ball trifft auf seinen kahl rasierten Kopf, dann ins Netz. Eine Endlosschleife. Doch zum Ende hin werden die Tore weniger, dann schafft es auch eine Szene, in der er vom Torwart angeschossen wird, in die Auswahl seiner besten Momente. Der Ball hoppelt neben dem Tor vorbei, knapp.

Flaute nach langer Zeit beendet

Jetzt, seit langer Zeit, hat Glasner wieder das Tor getroffen, in der 92. Minute glich er bei seinem ersten Einsatz für die SpVgg Bayreuth zum 2:2 gegen Schweinfurt aus. Mit dem kahlen Kopf, natürlich. "Ich bin durch die Hölle gegangen", sagt der 30-Jährige über die vergangenen vier Monate, in der er in der Reha nach einer Bänderverletzung schuftete und einen neuen Verein suchen musste, weil der Drittligist Chemnitzer FC ihn nicht mehr haben wollte.

Die Bayreuther gaben ihm trotz seiner Verletzung eine Anstellung als Profi. Ein ungewöhnlicher Vertrauensvorschuss für jemanden, der in den vergangenen zehn Jahren für zehn Vereine spielte und zuletzt fast alle sechs Monate wechselte.

Dabei gab es eine Zeit, da wollte Thomas Doll Glasner in Hamburg haben und Christoph Daum ihn in Köln. Es war eine Zeit, in der sich fast quadratische Stürmer in der Bundesliga ins Getümmel warfen und die Bälle hoch in den Strafraum gesegelt kamen, Glasner bei der U19-Nationalmannschaft zusammen mit Lukas Podolski und Mario Gomez stürmte und gegen Schottland und Frankreich traf.

Es hätte Glasners Zeit werden können. Hamburg fragte an, doch Glasner wollte beim 1. FC Nürnberg den Durchbruch zu den Profis schaffen. Und wieso sollte sein Heimatverein den Jung-Nationalspieler nicht zu den Profis holen, dachte er sich. Sein Nein zum HSV war ein Fehler, sagt er heute, "eine Scheißzeit" hatte er danach.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB